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Der Knab’

Von Feierabend-Mitglied 02.08.2026, 11:59


I
Ein Knabe stand im Abendlicht,
von ungekannter Glut durchbebt.
Er sprach: „O Himmel, schone nicht,
was starr sich mir entgegenhebt!
Welch fremder Geist hat dies bewegt,
das mir die süße Ruhe bricht?
Ein Drängen, das im Blute schlägt,
doch Rätsel bleibt dem Angesicht.“
II
Da schritt ein Mägdelein herbei,
gewahrte seine herbe Not.
Sie sah, dass es die Liebe sei,
die ihm des Blutes Wallung bot.
„Kein Siechtum ist’s, das dir gedroht,
ich kenne der Natur System!
Ich wende ab das Abendrot
und helfe dir aus dem Problem.“
III
Sie griff mit züchtigem Begehr
nach des Gewandes warmem Saum.
Da schlug ihr eigen Herze schwer,
es schwand der reinen Unschuld Traum.
Es war kein Tand, kein stählern Werk,
das hier des Knaben Kraft bewies –
die reine Lust, ein mächtig Werk,
brach auf, das sie erzittern ließ.
IV
Der Jüngling fühlt’ im selben Nu,
wie alle Sorge von ihm wich.
Das Mägdelein sprach leise zu,
als ihre Hand den Stolz bestrich:
„Es ist die Lust, die dich entfacht,
kein Schmerz, der dir im Leibe brennt!“
Da ward gelöst in holder Nacht,
was die Natur als Triebwerk kennt.
V
Im Moose sank das junge Paar,
umflochten von der Rose Duft.
Sie küssten Mund und Stirne klar,
ein Seufzer schwebte durch die Luft.
Der Knospe Drang ward nun Erfüllung,
zwei Seelen schmolzen leis im Glück,
es wich der Unschuld letzte Hüllung
und gab der Lust den Thron zurück.
VI
Chor der Geister
O Jüngling, bang dich nicht im Mut,
wenn jäh des Fleisches Allmacht siegt!
Es ist der Jugend wilde Glut,
die sich dem Recht der Welt befügt.
Wo keine List den Sinn betrügt,
regiert die Lust, so rein und frei –
wer sich der Liebe hold ergibt,
dem bleibt der Zweifel einerlei!

©️F.R.K.

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