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Lehrjahre eines Möchtegerndiktators oder Gröfaz 2.

Von billyblue Montag 10.02.2025, 19:48

Teil 1

Ich schlug den blauen Vorhang meines goldenen Himmelbetts zurück. Die plötzliche Helligkeit traf mich wie ein Schlag. Die Audienz, die ich gestern Eloi und Markus gewährt hatte, war wohl etwas ausgeartet. Bei einem oder zwei von meinem geliebten Jack Daniels war wohl das Ablaufdatum bereits überschritten. Das sollte mir nicht mehr passieren ich sollte einfach mehr trinken, dann kann das nicht mehr passieren. Bei den beiden muss ich etwas vorsichtiger werden, irgendwie waren sie nicht unterwürfig genug. Aber es sind nützliche Idioten mit teilweise guten Ideen, ausbaufähig zu meinen Gunsten. Nur was nützt die Ausbaufähigkeit, wenn man sich am nächsten Morgen nicht mehr erinnern kann? Ich sollte die Gespräche aufnehmen, vielleicht könnte man sie ja auch dazu benutzen, die beiden irgendwann zu erpressen. Eloi, was ist das für ein komischer Namen, so zu heißen wie die zum Zuchtvieh degenerierten Menschen in H.G. Wells Roman „Die Zeitmaschine“. Markus hat aber was. Den könnte man für die Klerikalen als Autor des Neue Testamentes 2.0 aufbauen. Natürlich müsste ich dann dort als neuer Messias genannt werden. Tramp der neue Heilsbringer, klingt doch gut.
Das hat bei John Smith und den Mormonen schon mal geklappt. Er hat goldene Platten in Amerikas Wildnis gefunden. Darauf wurde die angebliche Religionsgeschichte der alten amerikanischen Zivilisation geschildert. Schon fand er Anhänger, eine neue Religion war entstanden. Er hatte allerdings einen Vorteil auf seiner Seite, er stellte die Vielweiberei als von Gott gewollt dar. Sowas zieht bei Männern immer, einen Harem zu haben und damit Gottes Wille erfüllen.
Langsam stehe ich auf. Mein Gott das dauert auch immer länger, ob dass das beginnende Alter ist? Ich bin schließlich schon 78 Jahre Jahre alt. In diesen Momenten am frühen Morgen gegen 10 Uhr, fühle ich mich aber bedeutend älter. Vielleicht sollte ich ein paar Diener einstellen? Das würde gut zu meinem Bett passen. Es hat mal Ludwig dem XIV. gehört, dem Sonnenkönig, und ich habe es ersteigert. Was für ein Fehler. Heute würde ich nur die Bitte äußern und wehe, es würde mir nicht geschenkt. Warum Ludwig den Beinamen Sonnenkönig bekommen hat entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich weil in seinem Reich die Sonne nicht unterging oder so was ähnliches. Das werde ich auch noch schaffen. Ein paar Länder über die Erde verteilt zu finden, die ich den USA einverleiben kann, werden sich doch noch finden lassen. So schwer kann das nicht sein, sie entweder mit Geld oder Druck gefügig zu machen. Ein Reich über die ganze Erde verteilt gab es noch nie und es würde mir gehören. Meins, meins, alles meins. Was für eine Vorstellung. Der Gröfaz hatte es im Kleinen schon mal versucht, nur war die Ausführung suboptimal verlaufen. Mir würde das nicht passieren, das schwöre ich.
Genug philosophiert, jetzt heißt es erst mal anziehen. Im Stehen in die Hose zu schlüpfen ist schon lange vorbei. Vielleicht sollte ich ein paar Kammerdiener einstellen natürlich auf Staatskosten. Eigentlich steht es jemanden, der in einem königlichen Bett schläft, rangmäßig zu. Noch besser wären allerdings ein paar weibliche Bedienstete. Als Dienstkleidung schwebt mir so etwas wie die Bunnies im Playboy vor. Es würde sich aber dann ein Problem ergeben. Beim Hochziehen des Slips würde sich dann ein sperriges Hindernis in den Weg stellen. Das wäre aber nicht schlimm, die sexy Häschen könnten da für schnelle Abhilfe sorgen. Die Stelle bei mir wäre allerdings immer auf vier Wochen beschränkt, wer hält es als richtiger Mann schon länger mit denselben Frauen aus.
Ich klingele, lass mir zusätzlich zum Frühstück einen Eisbeutel bringen. Dieser beruhigt jedenfalls vorläufig die angespannten Nerven unter meiner Schädeldecke. Nach Rührei mit Speck und einem starken, schwarzen Kaffee geht es langsam besser. Auf ins Oval Office und überlegen, wessen Regierung ich heute mal ärgern kann. Es gibt immer so schöne Bilder, wenn ich das Schriftstück mit meiner markanten Unterschrift im Blitzlichtgewitter der Fotografen hochheben kann. Manchmal steigert sich mein Ego dabei so sehr, als ob mir gleich einer abgehen wird. Es ist wirklich erhebend, eine solche Macht zu besitzen. Ich bin gespannt was Graphologen aus meiner Unterschrift herausfinden mögen. Bestimmt nur positive Eigenschaften, Intelligenz, Empathie, Frauenverstehen usw.. Wenn ich jetzt alle meine positiven Wesensmerkmale aufzählen sollte, würde der Tag nicht langen.

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