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Wir müssen leider draußen bleiben

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 09.07.2020, 18:48

Dies gilt nicht nur für Hunde, auch einige Menschen werden nicht eingelassen.

So kam ich im letzten Herbst aus der U-Bahn, am Ausgang saß eine alte Frau auf einer Decke. Ich ging vorbei, blieb aber dann kurz stehen, sah zurück, zögerte und ging dann auf die obdachlose Frau zu. Ich sprach sie an, sie sah so unendlich müde aus und es berührte mich. Ich nahm aus meiner Tasche eine Tafel Schokolade, die ich für meine Tochter gekauft hatte, gab sie ihr und einen Geldschein. "Gehen Sie etwas essen und wärmen Sie sich auf", sagte ich freundlich.

Ich sah ihre trostlosen Augen, als sie mich anguckte und ich schämte mich, denn ich fühlte plötzlich, wie reich ich bin. "Ich heiße Pia" sagte sie, "mich lässt niemand in eine Gaststätte rein, so wie ich aussehe!" Ein kurzer Blick auf die Uhr, dann lächelte ich sie an und schlug vor, wir gehen zusammen essen. "Wenn ich dabei bin wird sie niemand rauswerfen." "Schämen sie sich nicht mit mir?" "Nein Pia, wir nehmen jetzt Ihren Einkaufswagen und die Decke, dort drüben ist eine Pizzeria." Zögernd kam sie mit.

In dem Lokal kam uns ein Kellner entgegen und sagte:"Ich kenne diese Frau, sie sitzt immer an der U-Bahn," er zog die Augenbrauen hoch. Ich erwiederte: "Ich möchte 2 Plätze am Fenster, 2 Kaffee und die Speisekarten!" Wir setzten uns. Pia ging zur Toilette und meinte, sie wolle sich erst einmal gründlich die Hände waschen.

Dann saßen wir uns gegenüber und kamen ins Gespräch. Sie war mit ihrem Mann nach Amerika gegangen, hatte in seiner Firma mit gearbeitet, 3 Kinder bekommen, die alle weit weg von ihr lebten. Nach dem Tod ihres Mannes verlor sie den Halt, unerträgliches Heimweh nach Deutschland quälte sie. Sie verkaufte das Wenige, was sie noch hatte und kam nach Berlin. Sie fand eine kleine Wohnung, sie fühlte sich fremd, glitt weiter in die Depression, öffnete keine Post mehr, bezahlte keine Rechnung und wurde zwangsgeräumt. So wurde sie vor 3 Jahren obdachlos, lebte auf der Straße und schlief in Hauseingängen. Selten ging sie zur Bahnhofsmission, bekam warmes Essen, machmal neue Kleidung und konnte duschen. War es zu kalt oder regnete es setzte sie sich in eine Kirche. "Die sind ja heute leider geschlossen," sagte sie.

Wir aßen beide eine Pizza, während ich überlegte, was ich tun könnte. Ich versprach ihr, mich mit einer Sozialarbeiterin in Verbindung zu setzen, die sie in den nächsten Tagen an diesem U-Bahnhof besuchen würde. Ich lächelte sie an und ermunterte sie: "Ein Nachtisch hat auch noch Platz, Pia." Sie wollte mir den Schein zurückgeben, aber ich lehnte das freundlich ab.

In den nächsten Tagen ging ich öfter zu ihr, brachte ihr etwas zu essen und Obst, die Bekannte von mir hatte mit ihr Kontakt aufgenommen. Nach ca. 3 Wochen rief mich die Sozialarbeiterin an, Pia wäre nicht mehr da, sie wüsste nicht, wo sie abgeblieben ist. Auch ich fand sie nicht mehr.

Ich bin immer wieder traurig, wenn ich an sie denke, was ist mit ihr passiert? Eine namenlose Frau, die für mich einen Namen hatte.

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