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Prävention

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 30.05.2019, 19:05

Während meiner Tätigkeit als Erzieherin fiel mir auf, wie schwer es für manche Kinder, vorallem für Mädchen ist, ein klares NEIN zu sagen. Fühlten sie sich bedrängt zogen sie sich zurück, ließen es gescheh'n oder weinten. Nahm ihnen jemand etwas weg wehrten sie sich nicht. Es betraf vorallem Mädchen ab 4 Jahren, die immer wieder in die Opferrolle fielen. Entweder hatten sie bereits erfahren, dass ein Nein eine Ablehnung zur Folge hatte oder es mangelte ihnen an Selbstbewusstsein und am Aufzeigen oder nicht Erkennen der eigenen Grenzen.

Dem wollte ich entgegenwirken, da dieses Thema auch für erwachsene Frauen immer wieder zum Problem wird. Männer sind auch betroffen, aber viel seltener.

So setzte ich einen JA-Nein-Tag an. Nach dem Frühstück schrieb ich jedem Kind in die Handfläche mit Filzstift links ein großes JA in grün, rechts ein großes NEIN in rot, wie bei einer Ampel. Wir setzten uns auf den Boden in einen Kreis und jedes Kind sollte ein Anderes etwas fragen oder um etwas bitten, ich beteiligte mich an dem Spiel und hatte auch eine JA und eine NEIN-Hand.
Die Regel hieß:
wir antworten laut, in dem wir sichtbar die linke oder rechte Hand heben, jenachdem ob die Antwort ein JA oder ein NEIN war.
Es war interessant, zu beobachten, dass einige Mädchen zwar die NEIN-Hand bei bestimmten Fragen oder Bitten demonstrativ hoben, aber dabei stumm blieben und nicht wagten, ihre Stimme einzusetzen. Ich merkte sehr schnell, wieviel Angst das NEIN-Sagen macht, aber auch, ein NEIN auszuhalten. Sehr viel Ermutigung war nötig, bis sie entdeckten, dass Hand und laute Stimme mehr Spaß machten. Ich hatte den Eindruck, dass in diesen Kindern etwas befreit wurde, das ihnen mehr Sicherheit gab.

Im freien Spiel setzten sie sehr lustbetont das NEIN-Sagen in den Kindergartenalltag ein. Dabei kam es z.T. zu urkomischen Situationen, weil das Nein sagen und dann noch laut geschrieen viel mehr Freude machte und manchmal an den unpassendsten Stellen eingesetzt wurde. Auf diese Weise war dieser Tag mit sehr viel Lachen verbunden. Wenn ein Kind die Hand hob, das rote NEIN gleichzeitig sichtbar wurde und die Stimme dazu kam, dann hatte es viel mehr Kraft und es konnte das sich Abgrenzen körperlich spüren und die anderen Kinder nahmen es auch wahr.

Für die Eltern begann eine schwierige Woche, denn selbstverständlich setzten sie das auch zu Hause, nicht immer passend, um. Man muss ja üben, wenn man etwas Neues lernt, aber für die Eltern war ein angepasstes und gehorsames Kind viel einfacher. Viele Gespräche waren notwendig und immer wieder die Bitte, die Kinder für ein NEIN nicht zu bestrafen, sondern es mit Humor zu nehmen und dem Wissen, dass es sich regulieren wird.

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