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Planung für eine größere Anschaffung - Ende

Von Feierabend-Mitglied 07.06.2020, 05:51 – geändert 07.06.2020, 05:52

Nachdem wir vor der Kita selbst gebackenen Kuchen verkauft, in den umliegenden Häusern auf den Etagen gesungen haben und auch im nahe gelegenen S-Bahnhof unsere Lieder mit unbändiger Lebensfreude schmetterten hatten wir in unserem Sparschwein inzwischen 260.-DM.
Ich besorgte bei der Sparkasse Spielgeld, um beim Spiel damit die Summe halbwegs vorstellbar zu machen. Nun stand der Flohmarkt, den David vorgeschlagen hat, an. Dazu bedurfte es einiger Vorbereitungen, wobei ich auch die Eltern mit einbezog.

Über einige Tage sortierten die Kinder zu Hause Spielzeug aus und brachten es mit ihren Eltern in den Kindergarten. Wir hatten einen kleinen Materialraum, in dem sich die Dinge häuften und alles Mitgebrachte wurde von meinen Zwergen begutachtet. Kathrin hatte eine Puppe mitgebracht, die sie am Abend wieder mitnehmen wollte, sie konnte sich doch nicht trennen. Das Aussortieren war ein Prozess zwischen den Kindern und den Eltern und führte zu mancher Diskussion. Auch lernten sie, für sie Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und sich von Dingen zu trennen.
Als wir alles zusammen hatten ging ich mit den Kleinen einzeln in den Materialraum und bat sie, noch einmal genau zu gucken, was sie lieber behalten wollten. So verschwanden einige wenige Spielzeuge wieder in den heimischen Kinderzimmern. Die Freiwilligkeit war so wichtig und ich wollte, dass sie sich bis zum letzten Moment entscheiden können.
Ein Vater, der einen Fotoladen hatte, fotografierte den Gymnastik- Musik-Wagen aus dem Katalog und vergrößerte ihn, machte ein Plakat, darauf stand: "Wir möchten so gern diesen Wagen kaufen und bitten um eine Spende dafür. Jeder gibt, was er kann und möchte. Jeder darf sich dafür etwas aussuchen. Wir singen für euch auch unsere schönsten Lieder!"
An einem Samstag morgen erklärte ich den Kindern, dass wir keine Preise für ihre Spielsachen nehmen, sondern die Leute freiwillig etwas für uns geben und selbst entscheiden, wie viel. Ich wollte keine Verkaufsaktion, weil die Kinder noch zu wenig Vorstellung vom Geldwert hatten und weil der Sinn des Flohmarktes ein Gemeinschaftserlebnis sein sollte, bei der die Gruppe etwas gestaltete. Und jeder trug, seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechend, dazu bei, ohne jede Konkurrenz und ohne Konsumdenken.

Dann gingen wir zum Rathaus, zum Glück war trockenes, sonniges Herbstwetter. Einige Eltern fuhren mit dem Auto die Spielsachen, Decken, etwas zum Knabbern und Getränke dorthin und begannen bereits aufzubauen. Die Aufregung und Begeisterung meiner Mäuse war kaum zu bändigen und so starteten wir mit dem Akkordeon unser erstes Lied. Dann setzten sich alle auf die Decken, neugierig, was nun passieren würde. Das Plakat war weithin sichtbar und die ersten Menschen blieben stehen, lächelten, nahmen Kontakt mit den Kindern auf und meine kleine Bande plauderte offen und ohne jede Scheu. Wir hatten ein zweites Sparschwein, eine Mutter und ein Vater standen an jeder Seite und nahmen das Geld in Empfang. Auch ich war aufgeregt, so etwas hatte ich ja noch nie gemacht und der Erfolg und die Reaktionen meiner Kinder war überwältigend. Ich hatte nicht mehr, als mein starkes Vertrauen in diese Kindergruppe und meinen chronischen Optimismus.
Mehr und mehr Menschen, mit und ohne Kinder, sammelten sich und großzügig wechselte das Spielzeug von den Kindern zu den fremden, fröhlichen Leuten, von lauten Erklärungen und Ermunterungen meiner Zwerge begleitet. Micha zögerte, als ein Junge seinen Saurier haben wollte. "Du musst ihn nicht weggeben, gib ihn mir, ich hebe ihn für dich auf," sagte ich und Micha strahlte.

Mit solchem Andrang hatte niemand von uns gerechnet, wir sangen zwischenduch unsere Lieder und viele Menschen klatschten begeistert mit. Nach drei Stunden hatte fast alles den Besitzer gewechselt, selbst das Fahrrad von Niklas brachte 40.-DM.
Wir packten alles zusammen, verstauten es in den beiden Autos und gingen gemeinsam Eis essen, um das zu feiern. Es war eine wunderbare Atmosphäre, Stolz, Lebensfreude und strahlende, teils hochrote Kindergesichter.

Das Zählen der Spenden erbrachte ein Summe von 330.-DM, das ergab eine Gesamtsumme von 590.- DM. Der Vater von Felix gab 100.-DM, den Rest gaben die Eltern dazu.
Zwei Wochen später wurde der Wagen geliefert, liebevoll und stolz eingeräumt und dann tagelang
damit gespielt und alles ausprobiert. Sie gingen mit diesem Wagen sorgsamer um, als mit den anderen Spielzeugen, weil sie an der Anschaffung selbst beteiligt waren.
Bei unserer Weihnachtsfeier machten wir für die Eltern eine kleine Aufführung mit den Dingen aus dem neu erworbenen Stück. Die Freude war riesengroß und die Kinder bekamen soviel Lob von den Eltern und mir, sie hatten etwas schier Unmögliches zustande gebracht. Und entsprechend wertschätzend wurde dieser Wagen auch immer wieder eingeräumt.
Ich habe in dieser Kindergruppe acht Jahre gearbeitet, es war die schönste Zeit meiner Berufstätigkeit mit Erinnerungen, die mein Leben sehr bereichert haben und unvergessen sind. Kinder sind die besten Lehrmeister, wenn wir ihr Potential ernst nehmen. Ich wünschte mir für meine Zwerge, dass solche Erfahrungen sie im Leben auch durch Krisen tragen.

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