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Papa ist doof

Von Feierabend-Mitglied 10.03.2019, 09:40 – geändert 10.03.2019, 11:23

Thomas 6 Jahre, kam mit Papa in den Kindergarten, den Blick gesenkt, Hände in den Hosentaschen. Papa wollte sich verabschieden, aber Thomas drehte sich weg und ging ins Zimmer. Papa war in Eile und es blieb keine Zeit zum Fragen.

Ich hatte den Frühstückstisch schon vorbereitet, Thomas ging hinein, nahm demonstrativ seinen Teller und die Tasse und brachte sie in die Küche, dann setzte er sich hin, verschränkte die Arme und schwieg. Als alle Kinder am Tisch saßen machten wir erst einmal das, was wir immer morgens taten. Wir schwiegen wenige Minuten und jeder schaute in die Gesichter der anderen Kinder. Dann durfte, wer wollte, sagen was ihm auffiel.
"Marion hat heute Zöpfe"
"Michael hat einen neuen Pullover an"
"Gabi weint gleich"
"Thomas sieht ganz traurig aus".
David meinte, Thomas ist auch wütend, denn seine Hände sind heute Fäuste.

Wir fassten uns an den Händen, außer Thomas, wünschten uns einen guten Appetiet und ich meinte, wir werden nach dem Essen gemeinsam überlegen, wie wir Thomas helfen können.
Wir hatten einen männlichen Praktikanten, er räumte den Tisch ab und ich ging mit den Kindern ins Nebenzimmer und wir setzten uns auf die Erde in einen Kreis.
Ich holte eine Rolle Packpapier, dicke Filzstifte, der Praktikant legte sich auf den Boden und die Kinder malten seinen Umriss und das war dann Thomas Papa. Wir machten ihn mit Klebestreifen an der Wand fest, Thomas malte vorher noch ein hässliches Gesicht.-
Schweigen und erwartungsvolle Augen.

Ich legte einen großen Packen Zeitungspapier zurecht, riss es in einzelne Seiten, formte daraus eine feste Kugel und warf sie mit aller Kraft auf Papa. Fragende Gesichter.....
Nun, sagte ich, könnt ihr alle solche Zeitungspapierbälle machen, kräftig zusammendrücken und auf Papa schmeißen und ganz laute und viele Schimpfwörter schreien. Da war kein Halten mehr und Thomas fing mit Begeisterung an. Bestimmt 20 Minuten wurde lautstark gebrüllt, gelacht, die Kinder bewarfen sich auch gegenseitig und ich wurde auch nicht verschont.
Das Zimmer war übersät mit Papierkugeln, alle legten sich auf die Erde und waren fröhlich erschöpft.. Wir pusteten noch eine kurze Zeit im Liegen Papierblätter in die Luft um die Atmung zu regulieren, dann fragte ich, wie wir nun weitermachen, weil wir den Raum ja nicht so lassen können. David meinte, du gibst uns jetzt blaue Säcke, wir spielen Müllabfuhr und du gehst in die Küche und trinkst einen Kaffee. Wir sagen dir Bescheid, wenn wir ferig sind.

Als alles getan war kam Thomas in die Küche und sagte, Gitti, ich habe solchen Hunger. Er bekam ein Brötchen mit seinem Lieblingskäse, dann gingen wir mit föhlichen Kindern auf den Spielplatz und Thomas wollte an meine Hand. Wir verbrachten einen wunderbaren Tag zusammen und als Papa zum Abholen kam war Thomas Freude groß, beide nahmen sich in den Arm und lachten.

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