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Oh, wie schön ist doch Karneval!

Von tastifix Montag 17.02.2020, 10:18

Ach, welch eine tolle Zeit. Die halbe Welt lacht, singt, schunkelt. Viele verkleiden sich als Figuren ihrer Wunschträume und leben für ein bis zwei Tage diesen Traum. Auf den grellbunten Karnevalswagen stehen die genauso farbenfroh gestylten Jecken. Es regnet Bonbons, Schokolade. Sogar kleine Blumensträuße und lustige Stofftiere segeln in kühnem Schwung in die wartende Zuschauermenge. Mit hoch gerissenen Armen versucht jeder eine der Kostbarkeiten zu erwischen. Die preisgünstigen Bonbons werden zu ersehnten Trophäen.

Und ich wäre so gerne mit von der Partie. Aber mir ist es nicht gegeben, alle Disziplin zur Seite zu lassen und ohne alle Hemmungen mitzumischen. Auf der Strasse herum zu schreien und zu hopsen, bis mir die Puste ausgeht. Nein, ich stehe abseits und beneide die Leute, die diese Gabe haben.

Doch all das reicht den Karnevalisten längst nicht aus zum wahren Vergnügen. Was wäre Karneval ohne die Stände, die Bratwurst, Bockwurst, Erbsensuppe oder Gulaschsuppe anbieten, mit denen sich sowohl durchgefrorene Aktive als auch zuschauende Narren aufwärmen. Und selbstverständlich dürfen Bier und Schnäpse nicht fehlen, die sich viele von daheim mitgebracht haben. Nüchterner Karneval lohnt sich offensichtlich nicht!
Grölende enthemmte Menschen. Noch ein Bier und noch ein Schnaps. Egal, wie viele. Nach jedem weiteren fühlt man sich freier, fröhlicher, was kostet die Welt. Einfach herrlich diese Unbeschwertheit, diese innere Freiheit. Aber Viele kennen ihre Grenzen nicht oder ignorieren sie bewusst. Nach mindestens drei Schnäpsen und entsprechend viel Bier kümmert die Meisten gar nichts mehr. Es wird gerempelt und gestoßen. Was macht es da schon aus, wenn der Nebenmann einen ordentlichen Puff einstecken muss. Schließlich möchte man ja was sehen da vorne. Man selber ist der Mittelpunkt der Welt. Sollen die Anderen schauen, wo sie bleiben.

Nach nur wenigen Minuten fliegen die ersten leeren Bierflaschen, rollen auf die Strasse und hindern manchmal gar den Zug am Weiterfahren. Oder noch schlimmer, treffen Umstehende im Gesicht. Das wird von den betrunkenen Werfern höchstens noch mit bierseligem Lachen registriert. Stattdessen die dringlich angebrachte Entschuldigung zu stammeln, haben die Dosenballer überhaupt nicht nötig oder sind nicht mehr fähig dazu. Die schweben inzwischen im achten Himmel und merken schon gar nicht mehr, was sie mit ihrem Verhalten anrichten. Dagegen können sie von Glück sagen, dass sie noch aufrecht stehen und nicht schon längst in irgendeiner Ecke hocken wie viele der Gleichgesinnten, die vor Übelkeit vor sich hin kotzen. Oder platt im Halbschlaf dort liegen. Man muss noch aufpassen, dass man in dem Gedränge nicht auf sie tritt. Wahrhaft lustiger Karneval!

Jecken sind von ausgesprochen heiterem Gemüt. Denkt man. Traurigerweise gibt es Gegenbeweise. Oft in extremer Ausprägung. Nicht jeder wird einfach nur fröhlich und für die ihm fremden Nachbarn zugänglicher. Je nach Veranlagung und Temperament kommt es auch zu Brutalitäten. Denn man identifiziert sich zunehmend mit seiner Verkleidung, wird eventuell zum echten Piraten oder zum echten Schläger. Manche führen echte Waffen bei sich. Ein paar von ihnen sind so berauscht vom Alkohol, dass sie sie tatsächlich einsetzen, auf Andere zustürmen und ihnen Wunden zufügen, auf sie einschlagen oder -stechen. Die Polizei hat alle Mühe, sie zu überwältigen und dingfest zu machen. Im Rausch entwickeln diese Kerle enorme Kräfte. Zurück bleiben unschuldige Verletzte, die sich am Boden krümmen vor Schmerzen. Für sie endet der ach so heitere Karnevalstag im Krankenhaus. Eigentlich hatten sie sich diese Tage total anders vorgestellt, Deren absoluter Albtraum ist damit in Erfüllung gegangen. So nach dem Motto: Man gehe zum Karneval, um dann ... !

Am nächsten Tag liest man in der Zeitung, was man teilweise am Rande selber mitbekommen hatte. Vierzig Menschen mussten abgeführt werden. Es gab Betrunkene en masse. Ein Mann mit 10 Promille war dabei. Man schüttelt den Kopf: Der muss doch halbtot gewesen sein. Dass der überhaupt noch lebt.
Aber es ist nicht die traurige Krönung dieser Festivität. Es kommt noch weitaus schlimmer:
Eine junge Frau stieg aus einem der noch fahrenden Wagen aus. Wahrscheinlich alkoholisiert, stürzte sie rückwärtig auf die Strasse und wurde vom Wagen überrollt. Diagnose: Tod im Karneval.
Nach all dem überlege ich sehr ernsthaft, ob ich nicht in Zukunft solcherlei Veranstaltungen meiden solle???


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