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Meine 1. bewusste Umweltsünde 1972

Von Feierabend-Mitglied Samstag 02.02.2019, 17:35 – geändert Samstag 02.02.2019, 17:38

Mit meinen Töchtern, 4 und 7 Jahre, wohnte ich in einer sehr kleinen 2-Zimmerwohnung. Meine große Tochter schrieb auf fast alles ihren Namen und die Adresse, sie war stolz, da sie es gerade gelernt hatte. Beide Mädchen malten auch mit Begeisterung und so stapelten sich die Bilder, die manchmal nur 3 Striche, einen Kopf oder eine Sonne zeigten.
Meine Bitte, dass wir mal gemeinsam aussortieren wurde mit Protest abgelehnt. So wuchs der Berg immer mehr an und der Papierverbrauch war enorm.
Aus gesundheitlichen Gründen bekamen die beiden eine 4 wöchige Kinderverschickung, ich hatte keinen Urlaub. Als ich allein in der Wohnung war beschloss ich, im Kinderzimmer aufzuräumen, einiges zu entsorgen, darunter auch einen Teil der gemalten Bilder. Ich nahm einen Karton und füllte ihn mit kaputtem Spielzeug, mit Malereien und Bastelrückständen. ein schlechtes Gewissen machte sich in mir breit, aber ich verscheuchte diese Gedanken in der Hoffnung, sie hätten es nach dem Urlaub vergessen.
Zum Müllkasten musste ich durch den Keller, in dem es kein Licht gab und durch ein Plakat vor Ratten gewarnt wurde. Ich hatte Angst und konnte mich nicht überwinden. Gegenüber gab es noch eine große Ruine und ich schlich abends im Dunkel dort hin und stellte den Karton in eine Ecke.
Erleichtert ging ich zurück, besah mir mit stolz das aufgeräumte Kinderzimmer und war froh, es hinter mich gebracht zu haben.
Am nächsten Tag, es war Mittagszeit, klingelte es an meiner Tür, ein älterer Mann stand dort mit besagtem Karton. Woher er denn weiß, wer den Karton dort hingestellt hatte, fragte ich. Nun, sagte er lächelnd, ihre Kinder haben auf die Rückseite der Bilder überall ihren Namen und die Adresse geschrieben, drückte mir das Teil in die Hand und verschwand.
So stand dieses unselige corpus delicti eine Woche in unserer Wohnung, bis mein Bruder mich besuchen kam und es in den Keller brachte.

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