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Mein Glück liegt anderswo

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 23.09.2020, 08:52 – geändert Mittwoch 23.09.2020, 09:13

Da man in dieser Werbeagentur nicht nur arbeiten, sondern auch fit bleiben sollte, wurde ein Sportverein gegründet. Nicht nur Bodenakrobatik kam ins Angebot, auch so attraktive Sachen wie Tennis und Reiten. Ja, reiten wollte ich schon immer können, seitdem ich den ersten Western gesehen hatte. Zwei Mark die Stunde eigene Kostenbeteiligung war zwar für eine 20jährige damals viel Geld, aber für die Liebe zu Pferden, die ich erst noch erwerben wollte, war mir kein Groschen zu viel.

Also ran an die Sache. „Valencia“ war eine kleine Stute, also linkes Bein in den Steigbügel und rechtes rüber über den Rücken. Oh, von oben sah es doch recht hoch aus. Trotzdem hatte ich das Gefühl, mit meinen langen Beinen mitlaufen zu können. „Terapp“ schrie der Reitlehrer, was wohl „Trapp“ bedeuten sollte. Das Tier setzte sich in Bewegung. Meine Fußhaltung wurde sofort kritisiert, die Knie ebenso. Bisher dachte ich immer, die Zügel sei zum Lenken da, jetzt erfuhr ich, es sind die Beine. Meinen Beinen jedenfalls fehlten offensichtlich die Sensoren und die Angst ritt ständig mit.

Ein paar Stunden hielt ich durch, dann hieß es: „Wir satteln selber auf.“ Die Richtlinie hieß: „Wenn wir den Stall von hinten betreten, dann sprechen wir das Pferd an, damit es uns erkennt.“ Ich also von hinten rein in den Stall. „Vaaleenccccia!“ Meine Stimme zitterte vor Angst. Diese kleine Stute erschien mir plötzlich riesengroß. Ich habe die Aufgabe dann doch geschafft, das Pferd war sehr großzügig.

Da ich ständig die kleine Größe dieser Stute bemängelt hatte, bevor ich im Stall so dicht an sie heran musste, verordnete mir der Reitlehrer ein „richtiges“ Pferd. Riesenhaft! Beim Aufsitzen drehte der Wallach seinen Kopf nach links und kniff mir in das Hinterteil. Aua! Ob diese Sportart wirklich die meine bleiben soll? Mir kamen leichte Zweifel. Ich zog mit der Zügel den Kopf des Tieres ganz nach rechts – der Lehrer hatte gerade weg geschaut – und stieg auf. Dann ging es los, nicht nur im Arbeitstempo, sondern im Galopp. Wegen der fehlenden Sensoren in meinen Knien kam ich langsam ins Rutschen. Ich hing und rutschte und hing noch mehr, und irgendwann war die Strecke nach unten kürzer als die nach oben und ich ließ mich in die Arena plumpsen. Das war wohl das Schlimmste, was man als Reiter tun darf. Jedenfalls schrie der Reitlehrer, der eigentlich immer schrie, jetzt noch viel lauter. „Aufsteigen ohne Steigbügel,“ brüllte er. Also Anlauf nehmen und springen. Ich lief und sprang und lief und sprang, und sprang dem armen Pferd immer wieder in den Bauch. Das wollte doch sowieso schon beißen. Jetzt hatte ich noch mehr Angst. Den Pferderücken habe ich auf diese Weise nie erreicht. Das Reitenkönnen auch nicht.

Es war die zehnte Stunde, Verlängerung abgesagt und jede Woche zwei Mark gespart.

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