Kinderhospiz
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Feierabend-Mitglied
Mittwoch 29.05.2019, 11:49
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Im Jahr 2002 machte ich eine 2 jährige Ausbildung zur Sterbebegleitung und war dann für 4 Jahre in einem Berliner Hospiz ehrenamtlich tätig. Dies war eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Nicht nur die eigene Beschäftigung mit diesem Thema, auch der Austausch mit Kollegen und Menschen, die sich bewusst mit dem Tod auseinandersetzten war ein innerer Reichtum für mich und hat mir viel von meinen eigenen Ängsten genommen.Die Selbstverständlichkeit, offen und täglich bewusst mit dem Sterben umzugehen, mich beschenken zu lassen mit Gedanken, Gefühlen und Fragen hat in mir viele Türen aufgeschlossen und dem Dunklen und Unbekanntem seine Schatten genommen.
Wir haben zusammen gelacht und geweint, eine äußere Maske zu tragen war nicht mehr wichtig. Der Augenblick zählte und mir wurde deutlich, was wir alles tun, um diesem Thema aus dem Weg zu gehen.
Nach 4 Jahren wagte ich mich an die Begleitung von sterbenskranken Kindern und wechselte ins Kinderhospiz, allerdings mit einer gewissen Beklemmung. Aber ich war offen und hatte ja bereits eine Grundlage in mir geschaffen. Außerdem hatten wir wöchentlich Supervision und ich fühlte mich getragen.
In der ersten Zeit begleitete ich andere Kolleginnen in ihrerTätigkeit, erst dann übernahm ich Einzelbegleitung, nicht nur der Kinder, sondern auch deren Familien, die in kleinen Appartments mit ihren kranken Kindern lebten.
Das Erstaunliche für mich war, zu erleben, dass Kinder anders sterben als Erwachsene. Sie reden ganz offen über ihren Tod, nur nicht zu ihren Eltern, um sie nicht traurig zu machen. Sie verbreiten mit ihrem Lachen und Plänen viel Hoffnung, die sie selbst auch haben, aber ganz anders, als wir uns das vorstellen. Für die Familie und Freunde ist es eine Hoffnung, die die reale Zukunft betrifft, für sie selbst ist es die Zuversicht auf das, was auf sie zukommt.
Ein Beispiel, dass ich nie vergessen werde: Die 5 jährige Nina war in ihrer letzten Phase angekommen, durch Palliativmdizin fast schmerzfrei. Ich saß an ihren Bett, ich sang für sie ihre Lieblingslieder, zwischendurch schwiegen wir und sie hielt die ganze Zeit meine Hand. Sie war so entspannt und es war ein solcher Friede im Raum, dass ich Mühe hatte, die Tränen zurückzuhalten. Ich fragte sie, ob sie Angst hätte vor dem was nun sehr bald kommt. Sie lächelte und es war eine unbeschreibliche Schönheit in ihrem Gesicht. " Warum sollte ich Angst haben, ich weiß doch, wo ich hingehe. Du hast es vergessen, du bist schon so lange hier, weil du alt bist. Ich weiß doch alles noch und ich bin gespannt, wie es jetzt dort ist. Ich bin nur etwas traurig wegen Mama, Papa und Joschi, aber ich werde von dort auf sie aufpassen. Sag ihnen das und tröste sie."
Dann sind meine Tränen gelaufen und Nina stereichelte meine Hand.
In der kommenden Nacht ist Nina friedlich eingeschlafen.
Mit meiner Seniorengruppe gehe ich 2 Mal im Jahr ins Ricam-Hospiz, zum Tag der offenen Tür und zum Sommerfest. Ich freue mich, dass bei unseren Alten, die sich darauf eingelassen haben, viele Vorurteile abgebaut wurden und wir viel offener über dieses Thema reden können.
Im letzten Jahr sind fünf unserer Mitglieder verstorben, ich konnte sie bis zum Schluss begleiten, da haben mir meine Erfahrungen und die Kraft, die ich daraus gezogen habe, sehr geholfen.