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Flyanair

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 08.08.2018, 14:03

Eine alte Geschichte, die ich für MD hier noch einmal wiederhole. Einige Modalitäten haben sich inzwischen geändert.
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Ich habe den Billigflieger genommen. Flyanair bot sich an, diese Gesellschaft hält bei mir in Spanien gleich um die Ecke. Die Spielregeln des günstigen Anbieters sind mir bekannt. Flugpreis nur ein paar Cent, dann die Sicherheits- und Bearbeitungsgebühren. Und wenn man nicht aufpasst, hat man auch noch eine Reisekostenversicherung am Bein. Die steht nämlich in der Länderskala zwischen Afghanistan und Zypern unter K = keine Versicherung. Entweder kommt man nach Jahren selbst auf den Trichter oder man nimmt an einem Seminar teil. Solch eine Lehrstunde hat allerdings den Nachteil, dass genau in diesem Moment die Bedingungen bereits wieder geändert werden.

Also ich kenne die Fußangeln und gönne mir dieses Mal ein zusätzliches Gepäckstück, 15 Kilo für 15 Euro. Obwohl ich nur 14 Kilo auf die Waage bringe, wollen sie mir den einen Euro nicht zurückgeben. Schade. Das besondere Highlight meiner Buchung war für 4 Euro das Priority Boarding. Nie wieder werde ich darauf verzichten. Priority Boarding hat den Vorteil, dass man das Flugzeug stürmen darf, bevor der Rest der Meute im Schweinsgalopp hinterher sprintet. Während am Gate die “einfachen” Fluggäste bereits eine Stunde vor Abflug Schlange stehen, kann man als Priority in Ruhe seinen Kaffee zu Ende schlürfen. Aber auch in diesem kleinen Pulk steht man noch etwa 20 Minuten bis die Barriere Richtung Boeing geöffnet wird.

Achtung! Fertig! Los! Ich nehme den hinteren Einstieg. Auf diese Idee kommen die wenigsten. Alles Erfahrungssache. Und dann gleich die dritte oder vierte Sitzreihe von hinten belegen. Natürlich alle drei Plätze, auch für Alleinreisende. Man wühlt ganz langsam seine Jacke und sein Handgepäck kopfüber ins Gepäckfach. Bis dahin sind die meisten Passagiere schon an einem vorbei und bis zur Mitte des Flugzeugs durchgerannt. Dort treffen sie auf die, die von vorne kommen, um dann aneinander vorbeizudrängeln. Inzwischen sitze ich am Fenster, Handtasche neben mir auf dem Mittelplatz. Ich weiß, wie es weitergeht. Irgendwann kommt dann noch eine einzelne Person und setzt sich an den Gang. Dadurch besteht eine große Chance, den Mittelplatz frei zu halten. Allerdings ist eine große Chance in einem dicht besetzten Flieger doch eher eine kleine. Irgendwann wird eine 13-Jährige von ihrer Oma zwischen uns placiert. Das Mädchen ist todunglücklich. Links eine alte Frau und rechts ein stummer Mann. Aber die Oma kann organisieren, nach zehn Minuten hat sie alle Sitzreihen umgesetzt und zwei nebeneinander liegende Plätze für sich und den Teenager freigemacht. Auch unser Mittelplatz bleibt frei. Hab ich doch gewusst, alles Erfahrung.

Zwei Jahre war ich mit Flyanair nicht mehr unterwegs. In zwei Jahren hat sich offensichtlich mein Körper gegenüber diesem Flugzeug stark verändert. Mein Body ist etwa 50 x 50 cm im Quadrat und meine Beine reichen in der Länge so an die 1,50 m. Obwohl ich in den letzten Jahren mindestens 10 Kilo abgenommen habe, passt der Gurt so knapp, dass mir das Blut abgeschnürt wird. Billigflieger müssen sparen. Und die Kniescheiben der angewinkelten Beine pressen sich in die Rückenlehne des Vordermannes, so dass dieser annimmt, die Federung sei kaputt. Durch den freien Mittelplatz könnte ich quer sitzen, der Gurt hält mich zurück. Schade, dass ich nicht den Gangplatz genommen habe. Da könnte ich wenigstens mal ein Bein ausstrecken. Während ich dieser Idee noch nachhänge, wird der Unterschenkel meines dort sitzenden Nachbarn abgetrennt, vom Getränke-Wagens des Kabinenpersonals.

Unsere Stewardess heißt Elena, und wenn sie Englisch spricht, dann braucht sie einen Dolmetscher. Die Fluggesellschaft hat das Problem so gelöst: Erst spricht Elena Englisch, dann wird ihr Englisch ins Englische übertragen und anschließend noch einmal vom Band abgespult. Für die paar Euro Reisekosten ein wirklich gastfreundlicher Service.

Elena sieht aus wie eine Spitzmaus mit blond-gesträhnten mittellangen Haaren. Diese sind seit mindestens einer Woche nicht gewaschen. Wann denn auch? Vermutlich lebt dieses Mäuschen direkt hier an Bord, und da gibt es nicht mal eine ordentliche Waschgelegenheit. Irgendwo muss ja gespart werden. Mir war bei der Ankunft dieses Aeroplanes schon aufgefallen, dass, sobald die Gangway an das stehende Flugzeug herangeschoben wird, das gesamte Personal zum Lüften an die offene Tür tritt.

Langsam fallen mir die Augen zu, schließlich hatte bereits um 5 Uhr der Wecker geklingelt. Kaum bin ich entschlummert, da quakt es. Es quakt und quakt und quakt. Irgendwo sitzt eine Ente. Es ist nur eine, aber sie quakt unendlich laut. Ich kenne Spanierinnen, die haben oft Stimmen wie verrostetes Blech, aber diese hier quakt. Die Sprache ist nicht zu erkennen. Dieses Gequake weckt zuerst das eine Kind, dann das nächste, anschließend das dritte. Das erste Kind fängt an zu plärren. Das tut dem zweiten leid, das schließt sich an. Das dritte denkt, wo zwei plärren, da muss etwas passiert sein, also plärre ich auch.

Keine Ahnung, wie man alle zur Ruhe gebracht hat. Ich hatte den Gurt gelöst, das gestaute Blut floss wieder durch die dafür vorgesehenen Gefäße und ich war sanft entschlummert. Kurz vor der Endstation im Hunsrück werde ich wach, so dass ich zur Landung noch mal kräftig meine Knie in den Vordermann pressen kann. Und der Ausstieg, so direkt an der hinteren Klappe, hat einen großen Vorteil: Man ist die erste am Gepäckband. Aber wozu? Zum Warten

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