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Fahrt ins Ungewisse 1956

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 25.07.2018, 22:40

1956 am Tag vor den Sommerferien sagte mein Vater, er hätte beschlossen, dass ich mit meinem Bruder am nächsten Tag mit den Fahrrädern für 6 Wochen ins Bundesgebiet fahren "darf." Wir bekämen von ihm jeder 10.-DM, ansonsten müssen wir unterwegs arbeiten und uns durchschlagen. Das würde uns lebenstüchtig machen und wir dürften erst zurückkommen, wenn die 6 Wochen Schulferien zu Ende sind. Wir wohnten mit 9 Personen in 1.5 Zimmern und es wird Zeit, dass mal ein bisschen mehr Platz ist,sagte er.

Mein Bruder war 14Jahre und ich war 12 und hatte nur ein Kinderfahrrad. Mein Bruder sah mich an und nahm nur stumm meine Hand, bei uns wurde nicht diskutiert, was der Vater sagte war unumstößlich.
Am nächsten Morgen ging es los, Mutter hatte die Rucksäcke gepackt und weinte. Ich auch, aber erst, nachdem wir losgefahren waren. Ich glaube, wir beide standen etwas unter Schock, ich fühlte mich ausgesetzt und wir sprachen kein Wort bis zur Berliner Grenze. Dort mussten wir per Anhalter weiterfahren, denn durch die "Zone" durfte man nicht mit dem Fahrrad. Nach 6 Std warten nahm uns schließlich ein VW-Bus mit bis Hannover. Wir saßen hinten drin mit unseren Fahrrädern und realisierten eigentlich erst jetzt, in welcher Situation wir waren. Mein Bruder war großartig, ich wusste, ich kann mich auf ihn verlassen, obwohl er ja auch noch ein Kind war. Er nahm mich in den Arm und sagte wie Angela Merkel: "WIR SCHAFFEN DAS!!!"

Möchtet ihr, dass ich weitererzähle, wie wir diese 6 Wochen gelebt und überstanden haben?

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