Fahrt ins Ungewisse 1956 Teil 7 Ende
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 26.07.2018, 18:00
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Noch 2 Tage bis zur Heimreise, ein beklemmendes Gefühl im Bauch, merkwürdiger Weise intensiver, als bei der Hinfahrt. Mein Bruder studierte die Karte, wie wir an Besten fahren könnten, denn wir mussten zur Autobahnauffahrt nach Berlin und dort wieder per Anhalter durch die Zone fahren. Ich wusste nicht, wo wir waren und verließ mich ganz auf Manfred.
Wieder ging es 2 Steigungen hoch, mein Bruder hängte sich an einen Lastwagen und ich schob mein kleines Rad. Ärger stieg in mir auf, grummel, grummel... es passte zu meiner Stimmungslage. Oben angekommen fluchte mein Bruder, er hatte einen Platten. Er war so wütend und schmiss in seinem Zorn die Werkzeugtasche in hohem Bogen den Berg runter. Es schepperte und alles fiel raus und er musste es wieder einsammeln. Was tat ich? Ich lachte und lachte und ein Gefühl von Schadenfreude breitete sich in mir aus. Sein Blick sagte alles.... ich fuhr ein Stück weiter und wartete dort, wir brauchten Abstand und ich musste mich in Sicherheit bringen.
Nach langanhaltender schweigsamer Weiterfahrt lud ich Manfred ein, mit mir eine Wurst mit Kartoffelsalat zu essen, denn ich hatte noch Geld von der Hochzeit und ein schlechtes Gewissen. Danach war Frieden zwischen uns, ein voller Bauch macht viel aus.
Wir entschieden uns, die letzte Nacht noch einmal im Freien zu schlafen, es war warm und wir wollten die letzte wunderbare Erfahrung noch einmal wiederholen und so war es auch. Ein herrlicher Sternenhimmel, auch Traurigkeit, denn es war ein Abschiednehmen von Freiheit, Selbständigkeit, Natur, lauter Dinge, die ich vorher nicht kannte.
Am Grenzkontrollpunkt angekommen warteten wir viele Stunden auf ein großes Auto, das uns mitnahm, ein Lastwagen hielt an. Wir verstauten unsere Räder und kletterten vorne in die Fahrkabine, das war ein supertolles Gefühl.
Zu Hause angekommen, es war schon spät, griff etwas nach mir, dass mich flacher atmen ließ. Enge, Großstadt, Lärm, Schule, na ja, der Alltag war da mit all seinen Zwängen, Disziplinierung und Kontrolle. Dazu kam die dauernde Angst vor dem strengen Vater. Unsere Mutter weinte, ich nahm sie in die Arme und begriff erst später, welche Ängste sie ausgestanden haben musste. Stolz zeigten wir dem Vater das verdiente Geld..... er nahm es mit den Worten: "Ihr seid alt genug, um zum Unterhalt der Familie etwas beizutragen" und steckte es ein.....Kein Wort mehr und keine Frage.... Fassungslos und starr waren mein Bruder und ich, da war es wieder wie ein Schlag, das vertraute Gefühl meiner ganzen Kindheit. Wenn man 6 Wochen ein ganz neues, anderes Lebensgefühl kennenlernte, dann ist das besonders schmerzlich.
Scheiße flüsterten wir beide, hätten wir doch bloß nichts gesagt!
Diese Wochen waren angefüllt mit so tiefen Erfahrungen, noch oft gaben sie mir in Krisenzeiten Kraft und Zutrauen in mein Sein. Manfred ist für immer von 3 Brüdern mein Lieblingsbruder geblieben.