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Fahrt ins Ungewisse 1956 Teil 6

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 26.07.2018, 14:43

Einige Tage vor unserer Rückreise lud mich mein Bruder zu einem Eis ein, welch ein Luxus. Er hatte noch etwas Geld, das er unterwegs verdient hatte. Wir setzten uns auf eine kleine Mauer und Manfred sagte, er müsse mit mir reden. Schluck... was kam jetzt?
Er sagte, er hätte sich fest vorgenommen, unserem Vater Geld zu zeigen, das wir selbst verdient hatten. Diese kleine Rache würde er brauchen. Und mit mir ginge das nicht, weil er ohne mich schneller und flexibler wäre. Er hat sich überlegt, mich für 3-4 Tage bei einer Familie zu lassen, die eine Gastwirtschaft hatten. Er würde das gut aussuchen und nicht die erstbesten Leute nehmen. Dann würde er weiterfahren, sich Arbeit auf dem Feld suchen, ohne kleine Schwester wäre das leichter. Ich könnte meinen Teil dazu beitragen, indem ich beim Putzen oder in der Küche helfe.
Das war zuviel für mich und ich begann ganz furchtbar zu weinen. Aber der Gedanke mit der Rache gefiel mir mehr und mehr und so war ich schließlich einverstanden und nahm mir vor, ganz tapfer zu sein.
Nachdem wir von, ich glaube, 4 Gaststätten abgelehnt wurden klappte es dann doch. Die Wirtin sagte, ihre Hilfe wäre krank geworden und eine Hochzeitsfeier stünde ins Haus und uns schickt der Himmel. Tapfer geschluckt, gelächelt, die Angst in den Bauch geschoben und mich von Manfred verabschiedet. Ich schlief im Zimmer der 5 jährigen Tochter, man legte eine Matratze auf den Boden und ich war nachts nicht allein. Das waren schöne Tage, immer reichlich zu essen, ich durfte baden, welch ein Luxus, denn das hatte ich dringend nötig. Ich war fleißig, immer freundlich und zu jeder Arbeit bereit. Wenn ich endlich ins Bett kam schlief die Tochter schon und ich weinte mich in den Schlaf, mein Bruder fehlte mir sehr.
Am Tag der Hochzeit kam ich nicht zum Nachdenken. Ich bediente die Menschen und sang meine Volkslieder, bekam viel Beifall und auch Geld. Die Wirtin strahlte mich an und lobte mich, das tat mir gut.
Am nächsten Tag kam mein Bruder, ziemlich verdreckt aber froh und stolz. Ich fiel ihm um den Hals, aber ihm war das sehr peinlich. Für mich war es, als ob ich ihn wochenlang nicht gesehen hätte. Wir verabschiedeten und bedankten uns, die Wirtin lobte mich nochmal und gab mir 20.-DM.
Wieder auf der Landstraße zeigte Manfrd mir 30.-DM. Mit je 10.-DM losgefahren, mit 50.- DM kamen wir zurück. Ein Haufen Geld und wir wollten uns in Berlin was Schönes kaufen.

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