Fahrt ins Ungewisse 1956 Teil 5
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 26.07.2018, 12:29
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Wenn wir kein Quartier fanden oder abgewiesen wurden schliefen wir im Freien, bei Regen suchten wir einen Bahnhof und ließen uns dort nieder. Nicht immer klappte es mit Nahrung und manchmal knurrte der Magen, aber Wasser hatten wir immer. Bei jeder Quelle, oder bei den Bauern füllten wir unsere Flaschen.
An eine Nacht kann ich mich besonders gut erinnern. Es war eine laue Sommernacht, wir fanden ein schönes Plätzchen am Waldrand. Mein Bruder sagte, er würde jetzt für kurze Zeit weggehen, er käme bestimmt bald wieder, er würde etwas zum Essen organisieren. Inzwischen vertraute ich ihm, ich jammerte nicht mehr soviel, war kräftiger und tapferer geworden. Es war ja lange hell und nach einiger Zeit kam er fröhlich wieder mit Kartoffeln vom Feld, einigen Äpfeln und zwei Rüben. Wir aßen die Kartoffeln roh und mit Schale und lachten über das Knirschen in unseren Zähnen. Manfred erzählte spannende Geschichten, wir alberten viel und vergaßen die Welt rundum.
Irgendwann wurde es dunkel und Manfred schlief ein, nachdem er mich vorher mit seiner Jacke zugedeckt hatte. Er nahm mich in den Arm und sagte, er sei stolz auf mich und er hätte nie gedacht, dass ich diese Zeit so gut durchhalte. Ich war so glücklich und froh!
Als er tief im Schlaf lag streckte auch ich mich aus, sah den wunderbaren Sternenhimmel über mir, lauschte auf die Geräusche des Waldes, auf den Gesang vom Wind, auf das Flüstern der Tiere, auf Manfred's ruhigen Atem und alles war gut. Ich war eins mit der Welt und erinnere mich, dass ich nie so eine grenzenlose und beglückende Liebe gespürt habe. Es ist unvergessen und wenn ich in meinem späteren Leben Kummer hatte konnte ich mir dieses Gefühl immer ein Stück zurückholen. Hingabe an das Leben ohne wenn und aber!
Der Alltag holte uns wieder ein, trotzdem war es für mich nicht mehr, wie vorher. Ich begann, die Freiheit zu genießen und dachte manchmal an die beklemmende Enge zu Hause, an die Reglementierungen, an Schule und Pflichten, denn die Zeit der Heimreise rückte fast bedrohlich näher.
Die letzten Tage waren noch einmal eine große Herausforderung, aber davon erzähle ich im letzten Teil.