Fahrt ins Ungewisse 1956 Teil 4
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 26.07.2018, 08:43
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Nicht alle Menschen waren freundlich. Eines Abends, es war schon recht spät und es regnete. Dadurch konnten wir nicht im Wald schlafen. Wir klopften bei einem Bauernhof, erzählten unsere bewährte Geschichte und baten darum, in der Scheune schlafen zu dürfen. Der Bauer schimpfte laut, wir sollten abhauen, aber die Bäuerin beruhigte ihn und so wurden wir in die Scheune geführt. Wir mussten versprechen, kein Feuer zu machen, na klar, auf die Idee wären wir gar nicht gekommen. Wir hatten natürlich keine Schlafsäcke, das Stroh musste reichen und mein Bruder deckte mich mit seiner Jacke zu. In der Nacht wachte ich auf, griff zur Seite und Manfred war nicht da.
Oh Schreck und einen Panikanflug! Ich kletterte im Dunkeln vorsichtig die Leiter runter, durch das Scheunentor schien durch die Ritzen ein klein wenig Licht. Da wollte ich hin.
Am Scheunentor stand ein dunkler Schatten und ich schrie, wie am Spieß. Der Schatten stürzte auf mich und hielt mir den Mund zu. Es war mein Bruder, der mal musste. Aber durch mein Schreien kamen die Bauersleute im Nachthemd, der Bauer schlug meinen Bruder und beschimpfte ihn und ich schrie weiter, dass er mir doch gar nichts getan hat. Die Bäuerin wurde ans Telefon geschickt und sie rief die Polizei.
So verbrachten wir den Rest der Nacht auf der Wache, wo man sich unsere Geschichte anhörte und glaubte. Wir bekamen von den Broten der Polizisten was zu essen, ich nickte ein. Sie sagten, sie würden uns nach Hause bringen lassen, aber das durften wir ja vor der Zeit nicht. Also haben wir wieder gelogen und durften weiterfahren.
An vieles erinnere ich mich nicht mehr, mein Zeitgefühl hatte aufgehört. Ich weiß noch, dass wir zweimal auf einem Markt beim Obst klauen erwischt wurden. Sorfort stand eine Menschentraube um uns und ich heulte wieder mal. Unter Tränen log ich das Blaue vom Himmel runter. Am Anfang des Dorfes würde ein Bettler sitzen und wir wolten ihm das Obst bringen. Das rührte die Menschen scheinbar zu Tränen, sie schenkten uns noch Obst dazu, damit auch für uns was übrig bleibt und so fuhren wir mit verdammt schlechtem Gewissen wieder zurück. Wir mussten einen anderen Weg nehmen, nicht noch einmal durch das Dorf.
Beim nächsten Mal erzähle ich euch ein bisschen über unsere Nächte an Waldrändern. Mein Bruder hat mich nie mehr allein gelassen, ich bewundere ihn noch heute für die Geduld und die Fürsorge, die er mit seiner kleinen Schwester hatte, auch wenn er oft sehr genervt und auch wütend auf mich war.