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Eine weitere Begebenheit - Kindergarten 1988

Von Feierabend-Mitglied 06.01.2019, 16:23 – geändert 06.01.2019, 16:25

Einige unser Kinder waren im Sommer mit dem Flugzeug im Ausland. So wurde also viel erzählt und gemalt über Flugzeuge, Rollbänder, Starten und Landen. Da kam mir der Gedanke, mit 15 Kindern den Flughafen Berlin Tegel zu besuchen. Das Problem war, es stand nur eine zusätzliche Erzieherin zur Verfügung und wir hätten 3 Mal umsteigen müssen. Das fanden die Eltern zu riskant.
Also kurbelte ich in meinem Hirn und suchte nach einer kreativen Lösung
Ich rief bei der Polizei an und erzählte dem Beamten, dass ich mit der Gruppe gerade das Projekt "Kind und Polizei" vorbereite und dass ich dazu Kontakt mit Polizeibeamten und den Kindern aufnehmen will und fragte nach einem Vorschlag. Wobei ich bereits genau wusste, was ich erreichen wollte.
Der Beamte schlug vor, wir könnten mit den Kindern den Fuhrpark der Polizei besuchen, die Autos, Wasserwerfer, Mannschaftswagen und einen Panzer besichtigen. Das war nicht das, was ich wollte.
Ich erzählte ihm, unsere Kinder hätten noch große Angst vor den Uniformen und sie glaubten, Polizisten sind sehr streng. Das wäre der zweite Schritt, im ersten Schritt möchten wir erst einmal ein Vertrauensverhältnis und einen unbefangenen Umgag mit Polizeibeamten entwickeln, das fand er gut und fragte, wie das aussehen könnte.
Nun kam mein Part. Ich erzählte ihm, dass wir den Flughafen Tegel besichtigen wollen und ich vorschlagen würde, man könnte uns mit einem Mannschaftswagen abholen und zum Flughafen bringen. Schweigen..... Er sagte, er rufe am nächsten Tag zurück und müsse das mit den Kollegen besprechen.
Am nächsten Tag kam der Rückruf mit der Zusage, einem Terminvorschlag in 3 Wochen, er ruft vorher noch einmal an. An besagtem Tag, alle Kinder waren sehr aufgeregt, stand um 10 Uhr ein Polizeiwagen (man sagt bei uns grüne Minna) vor der Tür und hupte laut.
Die Beamten halfen den Kindern in das große Auto, ich nahm mein Akkordeon mit, im Wagen empfing uns eine pädagogische Begleiterin in Uniform mit ihrer Mundharmonika. Draußen standen die Mütter und winkten. Wir machten erst einmal eine ziemlich lange Stadtrundfahrt mit plaudern, viel lachen und Musik.
Am Flughafen empfingen uns Flughafenmitarbeiter, beim Sicherheitscheck wurden alle Kinder abgepiepst, dann ging es mit 4 kleinen Autos auf das Rollfeld, wir fuhren 2 Mal unter einem großen Flugzeug durch, dann halfen die Beamten den Kindern in die Maschine. Alle setzen sich und die Kinder wurden nacheinander in das Cockpit geführt, während die Anderen einem kindgemäßen Vortrag folgten und viele Fragen stellten. Ich war so überwältigt, weil ich gar nicht damit gerechnet hatte, dass die Polizei alles vorbereitet und uns total überrascht hat. Dann ging es noch auf die Aussichtsplattform und wir sahen einige Zeit den Flugzeugen beim Starten und Landen zu.
Auf der Rückfahrt strahlende Kinderaugen, unendliches Geplapper und ich war glücklich.
Am nächsten Tag gingen wir mit einem großen Blumenstrauß und zwei Flaschen Wein auf die Wache und bedankten uns ganz herzlich. Ich denke, es ist für Kinder wichtig, dass sie lernen, sich zu bedanken, wenn ein Tag so wunderbar und emphatisch vorbereitet und durchgeführt wurde.
Zwei Tage später kam ein Beamter und die Pädagogische Mitarbeiterin in den Kindergarten mit einer Tiefkühlbox und Eis für alle. Sie blieben eine ganze Stunde und es war sehr vertraut miteinander.
Hat es mir doch wieder einmal gezeigt, dass auch scheinbar unmögliche Dinge machbar sind. wenn man entspannt und zuversichtlich ein Projekt in Angriff nimmt.

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