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Eine Giraffe auf der Brücke

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 06.06.2019, 14:22

Unser privater Kindergarten, in dem ich 7 Jahre tätig war, lag nur etwa 200 m vom Volkspark entfernt. Dieser war sehr groß, hatte eine riesige Wiese, Spielplätze und beide Teile waren durch eine hohe Brücke verbunden, die über eine große Straße führte. In diesem Park machten wir oft Picknick und feierten Feste mit Eltern und Kindern. Oft sangen wir Lieder, tanzten, auch Kreis-und Bewegungsspiele waren sehr beliebt und ich begleitete mit der Gitarre oder dem Akkordeon.
Das zog natürlich andere Gruppen, die dort waren, an und so knüpften wir Kontakte und waren manchmal für 1-2 Stunden ca 100 große und kleine Menschen.

Eines Tages nach dem Frühstück gingen die Kinder auf Erkundungstour oder zum Spielplatz, jedes Kind wusste genau, bis wohin es gehen durfte, es gab klar festgelegte Grenzen. Ich wollte keine ständige Kontrolle ausüben und vertraute ihnen, Kinder brauchen Zeiten und Orte, in denen sie sich nicht beobachtet fühlen. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein, die eigene Verantwortung und den Erfahrungsraum.Jedes.Kind hatte ein Herz umgehängt mit seinem Namen und der Tel.Nr. vom Kindergarten.

Die Kinder wussten, sie dürfen bis zur Brücke laufen, aber weder darüber, noch an die Straße und so liefen sie los und ich blieb mit den Kleinen auf der Decke.
Nach einer recht kurzen Zeit kam die ganze Gruppe angerannt, völlig außer Atem und schrieen:
" Gitti, Gitti, auf der Brücke steht eine Giraffe!". " und wieviel Heinzelmännchen stehen daneben?"
Ich dachte natürlich an ihre ausgeprägte Phantasie und blieb ruhig.
Aber sie zerrten mich mit und wollten mir das unbedingt zeigen.
Tatsächlich, mitten auf der Fußgängerbrücke stand eine große Giraffe und guckte mit gebeugtem Hals auf die Autostraße.

In meinem Kopf ratterte es, sie musste irgendwo ausgerissen sein, ich dachte an einen Zirkus. Inzwischen hatte sich eine Menschentraube gebildet, ich fragte die Leute und sie bestätigten mir, dass auf der anderen Seite seit 3 Tagen ein Zirkus war. Es gab noch keine Handys und so gingen wir ganz leise über die Brücke, vorbei an der großen Giraffe, vor der die Kinder einen Heidenrespekt hatten. Nach kurzer Zeit fanden wir den Zirkus und meine Mäuse überschlugen sich fast, den Zirkusleuten das zu erzählen.
Sehr freundlich hörte sie sich das an, dann kam der Clown angerannt, verteilte aus seiner riesigen Hosentasche Bonbons und bat uns hüpfend einige Minuten zu warten. dann kam er singend, mehr gröhlend zurück und ich bekam 20 Freikarten für die 10 Uhr-Vorstellung in 2 Tagen. Er versicherte meinen Kids, dass sie die Giraffe gleich nach Hause holen, aber möglichst niemand dabei sein darf, denn wenn sich das Tier aufregt, dann würde es vielleicht weglaufen.

Schnatternd und aufgeregt gingen wir zum Kindergarten zurück, an Mittagsschlaf war an diesem Tag nicht zu denken.
Beim Abhlolen durch die Eltern wurde das Erlebnis in vielen Variationen erzählt und durch die Phantasien der Kinder bekam das ganze ein interessantes Ausmaß.
Diesen Tag haben die Kinder und auch ich nie vergessen.

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