Die Würde des Menschen ist unantastbar
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Feierabend-Mitglied
Samstag 08.06.2019, 16:05
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Vor einigen Wochen besuchte ich eine 81 jährige Bekannte im Krankenhaus. Sie ist im Kopf noch sehr fit und setzt sich für ihre Belange selbstbewusst ein. Das erwartet man scheinbar von so einer alten Dame gerade in der Klinik nicht, da hat man gern Menschen, die unkritisch und dankbar alle Ratschläge und Behandlungen von Schwestern und Ärzten annehmen. Hanna hatte ein Einzelzimmer.
Als ich kam empfand ich sie verändert, sehr still und traurig. Irgendwie gebrochen. Sie nahm meine Hand und Tränen liefen ihr über das Gesicht.
"Hanna, was ist passiert, magst du es mir erzählen?" Hanna schluckte. " Ich hab mich nach der OP beschwert, habe 2 Untersuchungen abgelehnt, wollte wissen, warum ich manche Tabletten nehmen sollte, Schlaftabletten hab ich verweigert. Dann hab ich mir verbeten, mich vom Personal mit Oma anreden zu lassen und gewaschen wurde ich kaum, keiner hatte Zeit."
Nun schwieg Hanna und guckte mich nicht mehr an. " Bitte erzähl weiter, was kam dann?"
"Abends nehme ich doch immer meine Zähne raus und leg' sie zum Reinigen in eine Dose. Man hat sie mir in der Nacht weggenommen und 3 Tage nicht gebracht. Die Schwester, die mir zum Essen Pürriertes brachte, grinste und meinte, nun würde ich sicher ruhig sein. Ich war nur noch still, weil ich ohne Zähne nicht reden wollte und als man sie mir wieder brachte, da hatte ich Angst und habe alles gemacht, was sie wollten, habe auch dem Arzt nichts gesagt."
Ich war zutiefst empört, nahm Hanna in den Arm während sie hemmungslos weinte. Sie hat keine Angehörigen mehr und so ging ich anschließend zur leitenden Oberschwester und sagte ihr, dass ich diesen Vorfall entwürdigend und empörend finde und es ein Nachspiel haben wird. Ich werde schriftlich Beschwerde einreichen, auch an die Krankenkasse und dem Krankenhausmanager würde ich eine Kopie senden.
Die Oberschwester sagte, sie wüsste von dieserr Sache nichts, sie wird dem Nachgehen und sich darum kümmern, das wäre unmöglich und man wird sich bei der Patientin gebührend entschuldigen.
Hanna ist inzwischen zu Hause und wird einmal täglich von einer freundlichen Hauspflegerin betreut. Aber es hat Spuren in ihr hinterlassen. Auf die Antworten auf meine schriftlichen Beschwerden warte ich noch.