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Das waren noch Zeiten

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 19.07.2018, 13:15

Nach der Hochzeit kommt gleich die Fortsetzung:

Ich war verheiratet, 24 Jahre alt, als bei mir der Verdacht aufkam - schwanger. Es folgte mein erster Besuch bei einem Frauenarzt. Oh Gott, wie peinlich. Auf die Frage des schon etwas betagten Arztes, ob ich gerne ein Kind haben möchte, kam die schüchterne Antwort “Vielleicht später”. Nach gründlicher Untersuchung bekam ich ein Medikament gegen eine leichte Unterleibserkältung und “Danke schön, auf Wiedersehen.”

Zwei Tage später ging’s in Urlaub. Der Flug nach Palma de Mallorca war nicht gerade ruhig, trotzdem blieben alle gesund. Das Hotel hatte einige Mängel, aber wir kamen damit zurecht. Womit ich nicht zurecht kam, war meine ständige Übelkeit. Ich konnte keine Zähne putzen, ich konnte nicht essen und nicht trinken. Das einzige, was ich bei mir behalten konnte, war Pernod mit Wasser. Es blieb nichts anderes übrig als drei Wochen Alkohol. Ich habe in dieser Zeit acht Kilo abgenommen, was mich trotz der widrigen Umstände ziemlich freute.

Nach der Rückkehr vom Urlaub rannte ich braungebrannt schnurstracks zum Arzt wegen der Medikamentenunverträglichkeit. Was soll ich lange drumherumreden: Diese Erkältung läuft heute in Hamburg herum und ist 53 Jahre alt. Ob die Abneigung dieses Kindes gegen Alkohol von meiner “Abhängigkeit” auf Mallorca herrührt, lässt sich heute nicht mehr klären.

Nach der Entbindung wurde ich dann weiter ärztlich betreut - immer noch von oben erwähntem alten Arzt. Drei Monate später drückte er mir ein Rezept in die Hand mit dem Hinweis, diese Tabletten regelmäßig und pünktlich entweder morgens oder abends einzunehmen, und zwar drei Wochen lang hintereinander, um danach eine Woche auszusetzen. Ich weiß nicht mehr, ob es Monate oder Jahre gedauert hat, bis ich dahinter kam, dass ich Hormone schluckte und wozu sie überhaupt gut waren. Beipackzettel habe ich nie gelesen und kein Mensch in meiner Umgebung sprach 1964 das Wort Anti-Baby-Pille überhaupt aus. Der Arzt gab kurze Zeit später seine Praxis auf und schied aus dem Berufsleben aus - vermutlich genau so ahnungslos wie ich.

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