Begegnung der "dritten Art"
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Feierabend-Mitglied
Freitag 18.01.2019, 21:15
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Vor 10 Jahren lebte ich noch allein in einer 3.5 Zimmerwohnung in einem Berliner Altbau in der4.Etage. Abends gegen 22 Uhr hörte ich auf dem Dachboden merkwürdige Geräusche, es schien das Gemurmel einer Frau zu sein. Erst etwas ängstlich gab ich mir dann einen Ruck und ging leise nach oben. Ich hätte nicht schlafen können ohne zu wissen, was dort oben vor sich ging.
Ich schlich vorsichtig die Treppe hoch, auf dem Boden saß eine Frau, ca.60 Jahre, eingewickelt in einen Mantel.
Ich begann ein Gespräch mit ihr, sie war seit 5 Jahren. obdachlos und es war draußen bitterkalt. Auf meine Frage, ob ich ihr etwas zu essen und eine Kanne heißen Tee bringen kann lächelte sie mich an. Also ging ich zurück in meine Wohnung, schmierte Brote, legte noch einen Apfel und eine Mandarine dazu und kochte Tee. Dann ging ich mit einem kleinen Kissen unter dem Arm und einer warmen Decke und einem Tablet wieder nach oben und wünschte ihr eine gute Nacht. Ich bat sie, nicht zu rauchen und keine Kerze anzuzünden.
Beruhigt legte ich mich schlafen und dachte noch so, dass es für eine Frau noch schwerer ist, als Obdachlose gefahrlos zu überleben.
Mein Wecker war auf 6 Uhr gestellt, ich musste zur Arbeit, aber ich wurde bereits vorher durch leises Singen wach. Ich kochte Kaffee und ging ins Bad. Fertig angezogen wollte ich frühstücken, da klopfte es leise an meine Tür. Sie brachte alle Dinge zurück und sagte freundlich, es riecht so wunderbar nach Kaffee und ob sie vielleicht eine Tasse bekommen kann. Selbstverständlich bekam sie den Kaffee, den sie oben trank. Sie brachte die Tasse zurück, bedankte sich und fragte, ob sie mal auf die Toilette gehen kann. Na klar, meinte ich und damit begann das Drama.
Sie schloss die Tür, ließ sich Badewasser ein, föhnte sich die Haare und kam nach 1.5 Stunden frisch und geschminkt wieder raus, bedankte sich und war verschwunden. Nach einem Blick ins Bad sah ich, dass sie alle Handtücher benutzt hat, ebenso meine Zahnbürste und sämtliche Kosmetika und der Duft meines wundervollen Schaumbades machte die Szene für mich unwirklich.
Zunächst packte mich großer Ärger, denn ich musste mich auf der Arbeit krankmelden, weil ich viel zu spät gekommen wäre und die Situation nicht hätte begründen können. Auch eine gewisse Fassungslosigkeit breitete sich in mir aus.
Dann beruhigte ich mich und dachte, warum ärgern. Wann hatte diese Frau das letzte Mal die Möglichkeit, so in Würde und satt in den sicher wieder schweren Tag zu gehen. Ich hatte doch nichts verloren, musste.nur mein Bad gründlich reinigen, ein paar neue Artikel kaufen und war dankbar, dass ich ein Dach über dem Kopf und alle Annehmlichkeiten so selbstverstänlich hatte.
Dazu ein unerwartet freier Tag.
Nur eins nahm ich mir fest vor: Am Abend nicht mehr zu öffnen, weil ich befürchtete, dass sie vielleicht noch 2--3 weitere Frauen mitbringt. Aber sie kam nie wieder.