Bedingungslose Liebe 1957
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Feierabend-Mitglied
29.07.2018, 19:00
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Heute will ich Euch eine Geschichte erzählen, von der ich glaube, dass sie prägend für mein Leben war, da war ich 13 Jahre alt:
Oft konnte ich nachts nicht schlafen, auf die Gründe will ich hier nicht näher eingehen. Morgens bin ich dann mit einer bleiernen Müdigkeit in die Schule gegangen. Manchmal passierte es in der Schule, dass ich vor Müdigkeit im Unterricht eingeschlafen und vom Stuhl gefallen bin. Meinem Überlebensprinzip entsprechend habe ich dann daraus eine Parodie gemacht, getan, als ob es absichtlich passiert ist und die ganze Klasse hat gelacht und die Bestrafung durch den Lehrer habe ich in Kauf genommen. Nichts sollte nach draußen dringen!!!
So passierte es auch einmal im Handarbeitsunterricht, eine liebevolle Lehrerin bat mich freundlich, nach der Schule einmal zu ihr ins Lehrerzimmer zu kommen. Sie bot mir an, am Nachmittag zu ihr nach Hause zu kommen und über Nacht zu bleiben. Ich war maßlos erschrocken, sagte, dass alles bei mir in Ordnung wäre und mein Vater das sowieso nie erlauben würde.
Als ich nach Hause kam sprach mein Vater mich an, sagte, er hätte einen Anruf von meiner Lehrerin bekommen, heute fände bei ihr eine Probe für ein Theaterstück statt, es würde spät werden und ob ich über Nacht bleiben könne. Mein Vater hatte zugestimmt.
So machte ich mich mit klopfendem Herzen und dem inneren Versprechen, nichts, gar nichts zu erzählen, auf den Weg.
Frau Ruhnke war selbst schon um die 60 Jahre alt, hatte eine gemütlich kleine 2 Zimmerwohnung. Sie zeigte mir alles, auch mein Bett in ihrem Schlafzimmer, weißes Daunenbett mit frisch duftender Wäsche. Sie schlief im Wohnzimmer auf der Couch.
Am Abend machte sie für uns beide ein liebevolles Abendbrot, dann guckten wir Fotoalben an und sie erzählte aus ihrer Kindheit. Ich erinnere mich nicht mehr an den Inhalt, aber ich war verwirrt und auch erleichtert, weil sie mich nichts nach meinem Zuhause fragte.
Irgendwann sagte sie, es wäre Zeit, schlafen zu gehen, ich solle sie rufen, wenn ich noch etwas brauche oder mir wünsche. Im Übrigen hätte sie mir ein Bad eingelassen. Ich kannte keine Badewanne, sie war mit duftendem Wasser und herrlichem Schaum gefüllt und mein innerer Panzer begann mächtig zu bröckeln. Als ich aus der Wanne kam lag auf dem Hocker ein Badetuch und darin eine Wärmflasche und ich trocknete mich mit diesem warmen Tuch ab. Da liefen die ersten Tränen.... die ich mühsam runterkämpfte, tief in meinen Bauch.
In ihrem weichen Daunenbett hielt ich es kaum aus und dachte, es gibt etwas, was ich mir wünschen könnte und das würde sie mir bestimmt abschlagen müssen und dann würde ich zur Ruhe kommen, weil es in mein System passen würde. Liebe macht so wehrlos!
Ich rief sie und bat um eine Tasse heiße Milch mit Honig. Sie ging lächelnd in die Küche und brachte mir, was ich mir gewünscht hatte. Ich trank meine Milch, alles in mir bebte und mühsam lächelte ich sie an und sagte, ich könnte ihr eine sehr lustige Geschichte erzählen. Da liefen ihr die Tränen runter, sie streichelte über meinen Kopf und meinte, ich sehe überhaupt nicht aus, als ob mir nach lustigen Geschichten zumute wäre. Da waren bei mir alle Dämme gebrochen und ich bin schluchzend in ihrem Arm eingeschlafen
Zwei Tage später war sie an einem Herzinfarkt gestorben. Ich hatte sie nie wiedergesehen.
Ich weine noch jetzt manchmal, wenn ich an sie denke.