Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

10 6

Anna und Cora

Von Bremerin Dienstag 17.04.2018, 11:31

Anna und Cora
Vorwort: Anna lebt allein. Sie ist 75 Jahre alt.
Aber sie hat nie etwas vermisst, war immer ausgeglichen … auf jeden Fall bis jetzt.
Sie war immer die gute Seele im Betrieb, auf die man gerne zurückgriff wenn es zwackte.
45 Jahre gearbeitet als kaufm. Angestellte. Allerdings in den letzten Jahren, vor der Rente, war es schwieriger geworden
.Sie war die „ Alte“ im Betrieb. Es war nicht mehr so kollegial wie früher. Die Firmenleitung spielte die Leute gegeneinander aus. Es war nur noch ein Hauen und Stechen. Wohl einfach die neue Zeit. Allerdings waren Annas Erfahrung und Routine mit nichts zu vergleichen. Und so war ihr Pluspunkt, dass Kollegen doch wieder bei ihr Rückfragen oder Rat holten. Das tat Anna gut.
Es brachte Ruhe in den Hexenkessel „ Firma“.
Aber das ist seit ihrem Renteneintritt vorbei. War schon komisch, ausschlafen, keinen Stress mehr.
Rente stimmte auch finanziell. Kann man gut von leben. Das ist auch nicht mehr so, in der heutigen Zeit.
Die Wohnung ist ihr Eigentum. Sie war doch froh, damals das Richtige getan zu haben und gegen alle Einreden der Freunde dass sie sich eine Eigentumswohnung gekauft hatte. Ein kleiner Restbetrag war noch zu bezahlen an die Bank.
Aber sie denkt auch manchmal daran, was wäre, wenn da eine Familie gewesen wäre? Kinder oder sogar Enkel, Urenkel?
Quatsch, sie schiebt die Gedanken schnell weg. Es ist so wie es ist.
Im Herbst in diesem Jahr war ihr langjähriger Nachbar verstorben, und es änderte sich noch etwas. Er hinterließ eine alte schwarz/weiße Katze, die „ Cora.
Keiner wollte sie übernehmen. Arztkosten, Futter etc. Lösung! Ins Tierheim? Nein, das hatte Cora nicht verdient. Anna bat die Erben, ihr Cora zu überlassen? Die Tochter des Verstorbenen wollte 50 € für Cora!!
Anna sah Cora an! Cora sah sie an. Sie musste lachen. Auch in Coras Augen blitzte es, so kam es Anna vor! OK, sie übergab der Tochter das Geld. Die fragte spitz, ob sie vielleicht eine Quittung haben wollte? „Ja, “ sagte Anna, “ dann gehört sie mir schwarz auf weiß, und keiner kann sie mir nehmen“. Gesagt, getan.
Sie bekam eine Quittung für den Kauf von Cora.
In seinem Testament hatte der Verstorbene einen Betrag für seine Katze festgesetzt, was aber keiner wusste, weil das Testament noch bei dem Anwalt lag. Anna hatte Cora sofort zu sich genommen als der Nachbar verstorben war. Die beiden kannten sich, denn wenn der Nachbar in Urlaub fuhr, dann zog Cora bei Anna ein. Futter, Streu und Katzenklo stand immer alles bei Anna. Wenn der Nachbar packte, dann marschierte Cora gleich zu ihr rüber. Die Beiden verstanden sich gut und das seit Jahren. Cora schlief im Bett mit Anna. Groß genug war es ja. Sie waren inzwischen ein Team.
Anna liebte die Katze. Cora schmuste abends immer mit Anna. Dann gab es noch ein Leckerli für Cora und die Welt war in Ordnung für Beide. Sie saßen auf dem Sofa und schauten oft Fernsehen oder hörten Musik.
Anna genehmigte sich zum Tagesausklang ein kleines Gläschen Sherry. War Ritual geworden.
Ein paar Wochen später kam dann Post vom Anwalt. Anna wunderte sich. Ein Schreiben vom Nachlassgericht? Vorladung !!!! Sie marschierte am Termintag zum Gericht.
Die Tochter vom Nachbarn und eine weitere Nachbarin saßen auch auf den Flur und warteten. Man kannte sich vom Sehen. Anna redete mit der anderen Frau. Sie hatte immer mal beim Nachbarn im Haushalt geholfen. Warum sind wir hier? Anna zuckte mit den Schultern. Irgendwie waren beide Frauen sich auf Anhieb sympathisch. Komische Atmosphäre war das Ganze.
Die Tochter schaute sie und die Nachbarin feinselig an. Dann wurden sie aufgerufen. Die Tochter drängelte sich an den Beiden vorbei, um als Erste vor dem Notar zu sitzen.
War fast feierlich, auch wenn der Anlass traurig war. Also, die Tochter bekam die Möbel. Sie war enttäuscht und tat das auch lautstark kund. „Sperrmüll“, meinte sie geringschätzig.
Der Anwalt sah über seinen Brillenrand und fuhr mit dem Verlesen des Testaments fort.
Die Nachbarin bekam einen Betrag in Höhe von 5000 € für die Hilfe in den ganzen Jahren im Haushalt.
Anna, staunte. Aber dann war sie dran. Er hatte ihr auch einen Betrag in Höhe von 5.000 € vererbt .Und für Cora !!! Sie war das Baby, sein Baby gewesen. Die Beiden waren seit Jahren unzertrennlich gewesen. Wenn er in Urlaub war, rief er immer wieder an, ob denn alles Ok sei? 10.000 €. Das Geld war vorgesehen, der Cora übernimmt ohne Wenn und Aber und sie bis zu ihrem Tod behält. Nur ins Tierheim sollte sie nicht. Arztkosten waren auch mit eingerechnet. Anna schluckte gegen ihren Kloß im Hals an und kämpfte gegen die Tränen und in diesem Moment wusste sie auch schon was auf sie zukommen würde .Und so war es dann auch. Die Tochter rastete im Gericht aus. Sie fochte sofort das Testament an. Sie wurde ausfallend und beschimpfte die beiden Frauen. Ihre vornehme Haltung war wie weggewischt. Der Notar fragte Anna, wann sie denn Cora übernommen hatte? Gleich nach dem Tod des Nachbarn, sagte Anna. Nach der Sitzung gingen die beiden Frauen zum Bus und ab nach Hause.
Dort setzten sie sich erst mal gemeinsam bei einer Tasse Kaffee und Kuchen, den sie beim Konditor gekauft hatten, gemütlich hin. Und noch ein kleines Gläschen Sherry. Dabei freundeten sich die Beiden auch weiter an. Ein trauriger aber auch entspannter Nachmittag wurde es noch.
Cora setzte sich zu ihnen.
Ein paar Tage später kam was kommen musste, die Tochter hatte Anna verklagt. Sie stritt sogar ab dass Anna die Katze gekauft habe.
Der Kauf von Cora war verbindlich. Klagen war nicht möglich. Das Gericht schmetterte die Klage ab. Böse Worte von der Erbin. Erbschleicherin. Anna bekam die zugestandenen Beträge auf ihr Konto.

Nun war der 4. Advent, noch 3 Tagen bis Weihnachten. Die beiden Frauen wollten zusammen das Fest feiern, natürlich mit Cora.
Es wurde ein schönes, ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest. Der Nachbar war gedanklich immer mit dabei und es war harmonisch und friedlich. Sein Bild stand auf dem Kamin. Sie tranken mit ihm ein Gläschen Sherry. Was sonst?
Die Wohnung war ausgeräumt und neue Mieter würden auch bald kommen.


Das Leben geht einfach weiter.

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Anna und Cora