Affektkontrolle
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Feierabend-Mitglied
Montag 02.09.2019, 15:18 – geändert Montag 02.09.2019, 15:42
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Montag 02.09.2019, 15:18 – geändert Montag 02.09.2019, 15:42
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David, fast 6 Jahre war ein kreatives Kind, mit dem ich tolle Gespäche führen konnte. Sein und damit auch unser Problem war sein unbändiger Jähzorn, wenn ihn das packte, dann hatte er keinerlei Affektkontrolle mehr.
So kam er einmal mit Lars in einen Streit um ein Spielzeug, war völlig außer sich und schlug auf Lars ein. Lars war kleiner, es wäre kein fäirer Kampf gewesen und ich ging sofort dazwischen und hielt David fest. Das steigerte seine Wut und mit seiner freien Hand griff er nach meinem Hals und riss mir die Kette ab und trat mit dem Fuß drauf. Ich bat meine Praktikantin, sich um Lars zu kümmern und zog David mit in die Küche und machte die Tür zu.
"Wirst du mich jetzt bestrafen?", fragte er etwas verunsichert. "Nein, ich bestrafe niemanden, ich möchte nur erst einmal, dass du etwas zur Ruhe kommst. Du kannst mir helfen, Kartoffeln zu schälen, den Quark rühren oder dich einfach hinsetzen und nachdenken. Wenn du mit mir reden möchtest, dann kannst du es gern tun."
Schweigen... und er setzte sich an den Tisch.
So verging eine Weile, ich bereitete das Essen vor, schwieg, aber beobachtete ihn so unbemerkt, wie möglich. Er entspannte sich langsam. Schließlich fragte er: "Warum bestraft du mich nicht, das macht Mama immer, wenn ich so eine Wut kriege, ich hab doch deine Kette kaputt gemacht?"
" Ich bin nicht deine Mama und jeder Mensch ist anders. Ich seh doch, dass du selbst gerade ganz unglücklich bist, lass uns gemeinsam überlegen, wie wir das mit Lars und mit meiner Kette wieder in Ordnung bringen können." Ich unterbrach das Kochen und setzte mich zu ihm. "Darf ich auf deinen Schoß?" "Na klar David, du bist ein ganz tolles Kind und ich habe dich sehr lieb!"
Nach einigen Minuten strahlte er mich an und sagte: " Ich kenne einen guten "Schuwelier", da geht Mama manchmal hin, der kann sie wieder ganz machen und ich kann das von meinem Geld bezahlen, ich hab' gespart." "Das ist eine supergute Idee und was machen wir mit Lars?"
"Der darf heute beim Mittagessen neben mir sitzen und morgen bringe ich ihm ein Matchboxauto mit." Ich gab ihm in einer kleinen Tüte meine kaputte Kette und dann wollte er zu Lars und drückte mich nochmal.
Am nächsten Tag brachte ich ihm zwei kleine Edelsteine mit, einen Türkis und einen Amethyst.
Wir setzten uns nochmal kurz in die Küche, ich gab ihm die Steine und erklärte ihm:" Steck einen in jede Hosentasche und wenn du merkst, du wirst wieder so wütend, dann steck' die Hände in die Tasche, reibe die Steine, bis sie warm werden und dann ist die ganze Wut in den Steinen. Am Abend legst du sie auf dein Fensterbrett und der Mond nimmt die ganze Wut weg.
"Ja, das will ich mal versuchen."
Wochenlang trug er in seiner Hosentasche die Steine mit sich herum und wenn ich sah, dass er wieder einen Jähzorn bekam dann rief ich: " David, die Steine!" Es hatte etwas bewirkt, zwar wurde er nicht zum Lamm, aber die Anfälle wurden seltener.
Einige Tage später fehlten die Steine und ich fragte nach. "Gestern Abend war Papa so wütend auf Mama und da hab ich ihm meine Steine geborgt und da mussten beide ganz doll lachen und ich auch, aber heute gibt er mir die Steine wieder."