Adventszeit 1972
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 27.12.2018, 14:13 – geändert Donnerstag 27.12.2018, 14:45
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ich war seit 6 Monaten geschieden und mit zwei kleinen Mädchen, 3 und 6 Jahre,allein. Mein geschiedener Mann hatte eine Dienstwohnung und zahlte keinen Unterhalt. Wir zogen in eine winzig kleine Zweizimmerwohnung und das Geld von einer Halbtagsstelle reichte hinten und vorne nicht. Tannenzweige holte wir aus dem Wald und ein kleines Bäumchen bekamen wir umsonst kurz vor Ladenschluss. Sterne zum schmücken hatte wir gemeinsam gebastelt.
Nun stellte sich die Frage nach einem Adventskalender.
So bastelte ich, wenn die Kinder schliefen, einen Geschichtenkalender. Das hieß, 24 Papierollen herzustellen und eine fortlaufende Geschichte darauf zu schreiben bis zum Höhepunkt am Heiigen Abend. Jeden Tag wurde eine Rolle abgeschnitten und abends im Bett vorgelesen.
Was aus der Not geboren war wurde zum totalen Erfolg. Die Große in der Schule und die Kleine im Kindergarten erzählten, sie hätten den schönsten Adventskalender der Welt. Manchmal kamen Freunde zu Besuch und ich musste die Geschichte immer von Anfang an vorlesen.
Ein Jahr später bekam ich die ersten Aufträge von Müttern aus der Schule und vom Kindergarten, weil die Kinder so etwas auch haben wollten.
So bekam ich meine erste kleine Nebentätigkeit und es war finanziell ein Segen.
Bei meinen Enkelkindern setzte ich auf Bitten meiner Tochter diese Tradition fort, dann aber erweitert. Ich knackte Walnüsse, vergoldete sie und legte kleine Zettel hinein. Da stand z.B. drauf: Du bekommst heute eine wunderbare Massage oder Mama kocht heute dein Lieblingsessen oder du darfst dir heute einen Blumenstrauß für dein Zimmer aussuchen usw. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Jedes Jahr kamen neue Ideen dazu.
Die Enkelkinder sind nun groß, aber sie erzählen noch heute davon und meine Töchter auch. So begann und entwickelte sich meine Kreativität.....