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1955 - 3 Monate Kinderverschickung Schweden Teil 3

Von Feierabend-Mitglied Freitag 17.08.2018, 13:21

Ich verstand nicht, was sie sagten oder fragten. Es war nun ganz dunkel. Wo sollte ich hin, zurück um nichts in der Welt. So sagte ich nur immer wieder die Adresse von meinen Stadteltern: Kalmar- Fiscaregatan 12.
Die Frau setzte sich hinten zu mir ins Auto, nahm mich in den Arm und redete liebevoll und warm mit mir, auch wenn ich kein Wort verstand fühlte ich mich in Sicherheit und nun konnte ich weinen.
Wie der Abend bei den Stadteltern war habe ich vergessen, ich weiß nur noch, dass ich am nächsten Morgen erwachte und mich eine schmerzliche Ausweglosigkeit packte und unerträgliches Heimweh. Am nächsten Tag saß ich nur in einer Ecke, nahm an den Gebeten teil, nicht aber am Essen und verkniff mir jedes Weinen, obwohl ich glaubte, mein Herz springt entzwei.
An diesem Tag endlich änderte sich meine Zeit in Schweden zum Positiven, ich hatte noch viele wunderbare Wochen vor mir, von denen ich aber an diesem Tag noch nichts ahnte. Meine Stadteltern wussten sich wohl keinen Rat mehr und holten einen Mann aus dem Nebenhaus, der ein recht gutes gebrochenes deutsch sprach. Dem erzählte ich unter Tränen meine Geschichte, ich weiß noch, dass er die ganze Zeit meine beiden Hände hielt. Alles brach aus mir raus und ich wiederholte nur immer wieder: ich will hier weg, ich will hier weg....
Er sagte, er müsse mit seiner Frau sprechen , er kommt aber bestimmt heute noch wieder. Und ich saß stumm da und hoffte, dass er mich nicht nur vertröstet hat. Aber er kam wirklich wieder! Er sprach mit den Stadteltern lange auf Schwedisch und dann nahm er mich mit und sagte, ich könne den Rest meiner Zeit in Schweden bei ihnen wohnen. Damit begann eine wunderbare Zeit für mich, obwohl es einige Zeit brauchte, bis ich Vertrauen hatte und glaubte, dass ich wirklich bleiben darf.
Meine Pflegemutter war eine liebevolle Frau, die allerdings nur schwedisch sprach, da hab ich gelernt, dass man auch ohne die Worte zu verstehen vertrauen und liebhaben kann. Da auch mein Pflegevater, zu dem ich Eric sagen durfte, hauptsächlich schwedisch sprach, mir aber vieles übersetzte, lernte ich sehr schnell.
Annelie, meine neue Pflegemutter arbeitete als Friseuse, Eric war Ingenieur, beide waren voll berufstätig und auf ein Ferienkind gar nicht eingestellt. Kleine 2-Zimmerwohnung und ich bekam jeden Abend ein liebevolles Bett im Wohnzimmer auf der Couch gemacht. Wenige Tage später war Pfingsten und am Pfingstsonntag weckten mich beide mit einem Körbchen mit einem ganz jungen Kurzhaardackel, damit ich tagsüber nicht so viel allein bin. Emil Svenson, der Vorname deutsch, der Nachname schwedisch, begleitete mich seitdem auf Schritt und Tritt. Wir bummelten durch die Stadt, besuchten Annelie oder Eric auf der Arbeit, ich bekam immer ein paar Kronen, um mir mal ein Eis oder etwas zum Trinken zu kaufen. Ich hatte soviel Freiheit, bekam Liebe und Aufmerksamkeit, ging mit einem Zettel einkaufen und Emil Svenson immer an meiner Seite. Abends aßen wir zusammen, wir drei und Emil, es gab wunderbares Essen, Dinge, die ich nicht kannte.

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