Zwerg Rotmützchen verreist
Von
tastifix
Donnerstag 16.03.2023, 11:31 – geändert Montag 31.07.2023, 08:22
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tastifix
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Diesen Spitznamen hatte ihm seine rotweiß karierte Mütze eingebracht. Generell schwärmte er für Rot. Schaute er auf die Wiese vor seinem Häuschen mit all den roten und weißen Blumen, träumte er oft vor sich hin ...
„Juchuuh, ich verreise.Werde mindestens drei Wochen weg sein!“, verriet er seinem besten Kumpel, der besonders für Blau schwärmte, wenn er an seinem Gartenteich arbeitete, deshalb meist eine blaue Schürze trug und darum von seinen Freunden Blauschürzchen genannt wurde.
„Wo geht’s denn hin und wieso so lange?“
„Ist eine sehr weite Reise!“
„Achherrjee, und wie heißt des da, wo Du hin willst?“
„Bleibt mein Geheimnis, bis ich wieder hier bin. Dann erzähl ich Dir alles.“
„Fährst mit dem Zug, oder??“
„Nö, hab schon mehr als genügend zu tragen, den Rucksack mit Trinkflasche, mein Zergenhandy usw ..“
„Wieso? So schwierig ist des doch nicht!“,meinte Blauschürzchen.
„Das ist überhaupt nicht schwierig, sondern schwer!“,korrigierte ihn sein Freund.
„Na gut. Dann eben schwierig schwer!“
„Eben! Und im Zug müsst ich ja obendrein ne Maske anziehen! Das würd mir dann zuviel.“
„Hääh, wieso das denn? Du willst doch keine Bank ausrauben, oder?“
„Nee, wegen der blöden Krankheit. Geht des so weiter, werden die Menschen die nie wieder los!“
„Verstehe ich des richtig? Du willst doch nicht zu Fuß ...“
Blauschürzchen dachte, er hätte sich verhört. "Von Düsseldorf bis ins Münsterland ... !!???"
„Klar doch! Das schaff ich schon!!"
"Aber dann meld` Dich wenigstens zwischendurch, damit wir wissen, dass es Dich noch gibt!“
„Versprochen, mach ich!“
Anderntags stand Rotmützchen sehr früh auf, packte den Rucksack und zog los. Sein Zuhause lag zum Glück nicht inmitten der sieben Berge in der Nähe der berühmten sieben Zwerge. Erstens erwartete ihn also keine Kletterei und zweitens würde er jene Verwandten nicht treffen. Die mochte er nämlich gar nicht.
„Die arbeiten ja nur und sind immer so ernst!“
Er dagegen hüpfte, fröhlich ein Liedchen pfeifend, über seine kunterbunte Wiese. Die hübschen Blumen schienen ihm lieb zuzunicken:
„Bis bald. Vergiss uns nicht!“
„Bestimmt nicht!“, lachte er.
Der Weg führte ihn an Feldern entlang und durch Wälder. Brauchte er eine Pause, hockte er sich unter einen Baum und genoss einen Schluck Mineralwasser. Der reichte aus, denn Rotmützchen war ja sehr klein. Danach wanderte er weiter. Nur selten begegneten ihm Tiere, sahen ihn erstaunt an, er erklärte kurz, wieso und warum und sie guckten genauso zweifelnd wie zuvor Blauschürzchen.
„Überleg` mal: Ich kann so schnell flitzen … Aber, was Du da vor hast …“, ließ Hase Lampel besorgt die Ohren hängen. „Spätestens am zweiten Tag würd` ich aufgeben!“
„Ich aber nicht!“, trumpfte der Zwerg auf.
Am nächsten Tag überprüfte er nochmals im Handy seine Reiseroute.
„Noch stimmts!“
Ein paar Stunden sptäer begegnete ihm eine Menschenfamilie.
„Mama, guck mal, ein Zwerg! - Wo willst Du denn hin?“
„Ich besuche jemanden und der wohnt weit weg!“
„Musst Du dann noch ganz lange laufen?“, meinte das Kind. „Hätte ich keine Lust zu!“
„Ich doch! Ich muss mich aber beeilen.Tschüss!“
Und er winkte ihm zum Abschied noch fröhlich zu.
Gegen Abend bezog sich der Himmel, es regnete.
„Mist!“
Zu dumm! Er hatte den Schirm daheim vergessen. Darum suchte er sich rasch eine Höhle, deckte sich mit Blättern zu und schlief ein.
Am dritten Tag blitzte die Sonne wieder vom Himmel. Nun ging es an kleinen Dörfern vorüber.
„Nee, da gehe ich nicht hin! Ich mag nicht schon wieder erklären, wieso ich einen Rucksack mit mir herum schleppe!“
Ohne den Zwischenstopp schaffte er denn bis zum Abend eine viel längere Etappe. Zufrieden legte er sich unter einen Busch und träumte bis zum Morgen.
Am vierten Tag befragte er sein Handy nochmals, doch ein Funkloch machte ihm einen fiesen Strich durch die Rechnung.
„Ausgerechnet jetzt!“
Ein wenig verunsichert stapfte er drauflos. Bald traf er einen Storch, der gleich ihm im Wald eine Pause eingelegt hatte. Er hatte gerade ein Baby abgeliefert.
´Der kennt sich hier aus!`
„Kannst Du mir sagen, wo ich langlaufen muss? Will nach ...“
Und nannte den Namen des Städtchens.
„Ist nicht mehr weit. Immer geradeaus! - Ich muss jetzt leider los. Der nächste Auftrag wartet. Machs gut!“
Etwas später lichtete sich der Wald, der Zwerg stand auf einer Anhöhe und schon erspähte er jenes zwischen Feldern gelegene Städtchen. Fix tippte er eine Sms zu Blauschürzchen:
„Alles okay. Ich bin fast da!!“
Dort angekommen, bog er in eine etwas ansteigende Straße ein. In der standen mehrere hbüsche Häuser. Eines war rötlich angestrichen, wirkte sehr romantisch und er freute sich daran. Kurz darauf überquerte er eine schmale Straße und blieb vor dem Haus Nr.4 stehen. Sofort fielen ihm die süßen Geranien in den Blumenkästen auf dem unteren Balkon auf.
„Ich habs gefunden!“
Rotmützchen stellte sich auf die Zehenspitzen und schellte. Es brummte, er drückte die Tür auf und stieg ein paar Stufen hinauf. Dort stand ein Mann und schaute ihn überrascht an.
„Wer bist Du denn und weshalb kommst Du?“, fragte er.
„Ich heiße Rotmützchen. Und Du? Heißt Du eventuell … ?“
„Ja, aber …“
„Ich komm von weither. Du hast dort eine Freundin ...“
„ Ja, aber woher weißt Du das denn?“
„Na, sie und ich haben uns bei einer Zwergentheateraufführung kennen gelernt. Sie hat mir auch verraten, dass Du heute Geburtstag hast und mich gebeten, doch Postbote zu spielen, denn die Menschenpost streikt ja mal wieder so frech. - Übrigens auch von mir herzlichen Glückwunsch!“
„D..Danke!“, stotterte der Mann total perplex.
„Hier, der Brief ist für Dich und ich hab noch etwas ...“
„Waas, Du bringst mir einen Brief von ihr?“
„Jahaah, aber nicht nur den ...“, lachte Rotmützchen und kramte ein Päckchen aus seinem Rucksack.
„Komm erst mal rein! Solch eine weite Reise!!“
Als er drinnen erst den Brief und dann noch sein Geschenk in der Hand hielt, strahlte er. In dem Päckchen lagen drei Baumkuchen, sein Lieblingsgebäck. Gerührt schlug er vor:
„Wie wäre es denn, wenn Du bei mir übernachten würdest?“
Jetzt freute sich auch Rotmützchen und die Zwei erzählten und erzählten. Der Mann hatte viele Fragen, wie denn wohl Rotmützchens Häuschen ausschaute und wie er dort lebte.
„Ich hab sogar eine moderne Einbauküche. Zum Kochen nehme ich Puppentöpfe und Puppenbesteck. Klappt prima. Überhaupt hab ich tolle Puppenmöbel in jedem Zimmer und ´nen Minifernseher und einen Laptop auch!“, berichtete der Zwerg stolz. „Und ganz viele Pflanzen und vorm Haus eine Wiese mit Blumen.“
Daraufhin erzählte der Mann nun über das Städtchen, die schöne Landschaft des Münsterlandes und erwähnte auch ein bestimmtes Museum, in dem es um die Urzeitmenschen ging.
„Ich weiß!“, meinte der Zwerg. „Die sahen schon fast so aus wie Ihr heute! - Ob es wohl auch Ur-Zwerge gegeben hat??“
„Hm, davon hätte ich bestimmt schon gehört!“, lächelte sein Gegenüber. .
Es wurde immer später und erst kurz vor Mitternacht legten sie sich zu Bett.
Am nächsten Morgen frühstückten sie ausgiebig in der urgemütlichen Küche mit den niedlichen rotweiß-karierten Gardinen vor den Fenstern und den dazu passenden hübschen roten Sets auf dem Tisch. Danach wollte sich Rotmützchen denn doch sehr bald auf den Heimmarsch begeben. Er bedankte sich herzlich für alles und der Mann klar umgekehrt fast noch mehr bei ihm.
„Vergiss nicht, ihr einen lieben Gruß von mir auszurichten!“
Als dann der Zwerg das Haus verließ, sah er den Mann froh lächelnd am Fenster stehen und ihm mit dem Brief zum Abschied zuwedeln.
„Wenn ich das dessen Freundin erzähle, dann freut sie sich genauso!!“