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Zwei Kanadagänse unterhalten sich ...

Von tastifix Montag 13.02.2023, 14:59 – geändert 19.02.2023, 10:54

Bereits seit Jahren residiert ien großer Schwarm Kanadagänse im Benrather Schlosspark. Selber sehr elegant anzuschauen, befanden sie diesen Park wohl als angemessen, um ihn in den wärmeren Monaten des Jahres mit ihrer Schönheit zu schmücken. Diejenigen, die trotz des Anbruches der kälteren Jahreszeit hier blieben, ersparten sich sorglos um Futter und Gesundheit den anstrengenden Flug gen Süden. Denn sie wurden von den Spaziergängern selbst im Frühjahr und Sommer und erst recht dann im Herbst und im Winter eifrig gefüttert, darbten also keinesfalls und wurden so zutraulich, dass sie oftmals auf eigenen Schnabel die mitgebrachten Tüten nach Leckereien durchsuchten. Manche allerdings zogen es denn doch vor, aus einem Mindestabstand von 50cm abzuwarten, ob die Parkbesucher sich durch Bettelblicke erweichen ließen. Meist klappte dies recht schnell und die Mitbringsel trafen genau den Geschmack der Vögel, die also mit dem zweibeinigen Service mehr als zufrieden waren.

Nun ists ja noch Winter und der Großteil des Schwarmes genießt garantiert die Sonne in den wärmeren Ländern. Doch frage ich mich, ob sie vielleicht in ihrem dichten Federkleid ein Vogelhandy versteckt halten, um sich gegenseitig über Tausende von Kilometern den Lagezustandsbericht mitzuteilen. Denn gestern stolzierten an die zehn Tiere auf den Wiesen herum und es kamen noch mehr hinzu. Die sowieso anwesenden Schwäne ließen sich durch den Begrüßungskrach nicht stören, bewiesen eben Haltung und Geduld.

Wieder mal brauste es über meinem Kopf und ich beobachtete ein Kanadagänseliebespaar, das übermütig kreischend sein Revier anflog und auf der Wiese direkt am Weiher landete. Wer von uns Zweibeinern jetzt annahm, dann würde wieder Ruhe einkehren, täuschte sich gewaltig. Irgendetwas erboste den jungen Herrn Kavalier sehr und seine Angebetete dann, dass er sich so aufregte und also regte sie sich genauso heftig auf. Jedenfalls machten sie einen die Ohren betäubenden Lärm und schauten so auffällig oft auf die um das Wasser angelegten Spazierwege. Mir kam der vage Verdacht, das Gekreisch könne uns gelten. Zu einem entgegen kommendem Besucherpaar äußerte ich dies, sie lachten.
„Die unterhalten sich über uns!“
Meine Fantasie bekam Flügel und ich hörte zu.

Das Weibchen, von mir Charmi genannt, war anscheinend mittlerweile ein wenig sauer auf seine andere Hälfte. Denn Stolzi gab und gab nicht klein bei, egal, wie oft sie ihm über den Schnabel fuhr, es reiche so allmählich.
„Soo schlimm sind die Menschen gar nicht. Immerhin bleiben sie auf dem Weg und lassen uns hier auf der Wiese in Ruhe!“
„Hm!“, wollte er noch dagegen setzen, aber es fiel ihm so schnell nichts Passendes ein.
Und dann fiel ihm zum Glück doch noch etwas ein:
„Jaja, die sind ja soo lieb! Hast Du vergessen, dass im letzten Sommer, als unser Schwarm sehr groß geworden war, eines Tages Einige fehlten? Möchte lieber nicht wissen, was mit denen passiert ist!“
Charmi war entsetzt, dass Stolzi, ihr Stolzi, so schlecht von den Menschen dachte.
„Sag doch sowas nicht! Bist Du etwa in der Nähe gewesen und hast es beobachten können, dass die Menschen gar …?“

Nein, war er nicht. Doch ein paar seiner Freunde hatten überlegt, vielleicht besser das Revier zu wechseln und das ausgedehnte Naturschutzgebiet nur wenige Flügelschläge entfernt in Augenschein zu nehmen. Dort gabs auch kleine Seen, Wiesen zuhauf und angeblich drohten keine Gefahren. Aber letztendlich blieben sie halt doch hier in dem Park. Die Verlockung, sich bezüglich Futtersuche kaum mehr anstrengen zu müssen, war echt zu groß. Dazu kam noch, dass sie lärmen konnten, wie sie wollten und den Triumph auskosten durften, die Menschen mit derem Straßengetöse um Vieles zu übertönen.
„Naja,“. meinte Stolzi einlenkend, „waren ja auch nur Gerüchte.“
Erleichtert guckte Charmi ihm in die Augen, was sie sowieso so gerne machte, denn Stolzi hatte die schönsten Augen aller Kanadaganter, die sie so kannte.
„Eben!“, bekräftigte sie. „Und denk mal dran, wie sehr sich die Erwachsenen und auch die Kinder freuen, uns hier bewundern zu können!“
„Ja!“, antwortete Stolzi, „aber etwas sauer sind sie trotzdem auf uns, weil wir die Wege so verschmutzen!“
Es war der Versuch, vielleicht doch noch das letzte Schräpen zu haben. Aber da scheitern auch Gänsemänner, keine Chance gegen die Weiblichkeit.
„Dann sollen sie uns doch Katzenklos spendieren. Eigene Schuld!“
Eindeutig hatte seine Liebste Oberwasser und schon wieder wusste Stolzi so fix keine schlagfertige Antwort. Sie gewährte ihm auch keine Zeit, noch eine zu finden. Charmi hatte nämlich zwei Parkbesucher mit Tüten entdeckt. Die waren groß und verrieten viel. Aufgeregt flatterte sie hin und Stolzi dann, ebenfalls recht neugierig geworden, hinterdrein.

Nach den Spenden aus den Tüten hätten die Beiden noch nicht mal mehr ein Würmchen runter würgen können, so satt. Die Zwei waren wieder einer Meinung:
„Egal, was manche bösen Menschen sich Tieren gegenüber erlauben … Die in unserem Park jedenfalls sind sehr fürsorglich zu uns!“

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