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Zitronentorte mit Pappeinlage

Von tastifix Montag 25.09.2023, 09:28 – geändert Mittwoch 27.09.2023, 06:45

Die Nachfeier von acht Geburtstagen stand an.
„14 Erwachsene und ein Baby! - Na, denn mal los!"

Tagelang stand ich in der Küche, bereitete Salate für 10 Personen vor, buk Kuchen und zwei Torten. Je näher die Feier rückte, umso nervöser wurde ich. Klar sollte es auch die Lieblingstorte meines Nachwuchses geben, eine doppelstöckige Zitronensahnetorte mit Baiserfüllung. Zuerst bereitete ich den unteren Boden vor, dann den oberen und drückte sie danach aufeinander. Zuletzt kleidete ich die Torte in einen Zitronensahne-Mantel und verzierte sie noch ringsherum mit Mandelblättchen. Sie sah prächtig aus. Ich umwickelte sie mit Alufolie und stolz fror ich sie ein.

Es wurde Samstag. Liebevoll deckte ich die Kaffeetafel:
„Wenn gleich noch die Kuchen drauf stehen ..."
Die beiden Torten hatte ich schon am Vorabend wieder aus dem Tiefkühlschrank geholt, damit sie ja rechtzeitig auftauen sollten. Wie eine Trophäe trug ich die Zitronentorte in die Küche und trennte das Kunstwerk mit einem Messer vom Springformrand. No Problem. Dann begab ich mich daran, die Torte in Stücke zu schneiden. Beziehungsweise ich wollte es ...

Vorsichtig ritzte ich den Sahnemantel erst nur oberflächlich an. Der Kuchen nahm es gelassen hin, ohne etwa seine Form zu verlieren, hin. Mutiger geworden, drückte ich das Messer tiefer hinein und gönnte ihn so das hübsche allbekannte Schnittmuster. Die obere Tortenhälfte zu zerteilen war keine Schwierigkeit, aber ab Mitte nach unten hin war Schluss, egal, wie kräftig ich schob und drückte.
„Ächz, komm nicht durch!"
„Die ist doch aufgetaut!", behauptete mein männliches Gegenüber.
„Ist sie nicht richtig!", hielt ich dagegen. „Siehste ja!"
Er sah es nicht, vor allem dann nicht ein:
„Wenn ichs Dir sage: Klar ist die aufgetaut!!"

Ich ärgerte mich. Wut auf das scheinbar unfähige Messer und auf die sich so unverschämt sträubende Torte bemächtigte sich meiner. Doch bremste ich mich davor, das Messer gar mit einem Hammer heftig zu tyrannisieren, damit jenes denn endlich bis nach ganz unten durchdringen sollte. Nein, meine Finger hätten garantiert arg gelitten und so verzichtete ich darauf. Dagegen erntete das Messer nur einen sanften Klapps mit der Hand. Kuchen als auch Messer stellten sich stur, letzteres steckte ülötzlich fest. Ich probierte es mit guten, darauf weniger guten Worten und auch mit heimlichen Flüchen. Vergebens. Es aber mit meinem wahrlich enormen Gewicht von 53kg zu beschweren, kam mir denn doch arg bekloppt vor. Dagegen ruckelte ich so lange an ihm, bis ich denn schaffte, es wenigstens wieder heraus zu ziehen. Ausgesprochen erleichtert, weil die Torte die Aktion nicht übelnahm und nicht etwa dabei zermatschte.

„Mönsch, so ein Mist!!"
Aber aufzugeben fiel mir so gar nicht ein. Mit dem Mut der Verzweiflung rammte ich wütend, dann total unsensibel, das Messer tief hinein. Kein Erfolg.
„Da stimmt was nicht ..."
Verärgert musterte ich die Schnittränder.
„Häh? Was ist denn das?"
Fassungslos starrte ich auf das hellgraue, mir eigenartig bekannt vorkommende Etwas, dass sich mittig hochgewölbt hatte und so den Kuchenstückspitzen einen besseren Überblick über die Küche gönnte. Ob sie diese Nettigkeit auch wirklich angemessen anerkannten, ließ sich leider nicht ausmachen.
„Darf doch nicht wahr sein!!"
So etwas war mir noch nie unterlaufen: Ich hatte in der Hektik der vielen noch ausstehenden Vorbereitungen nicht wie üblich die ganze Torte auf den Pappteller gestellt, sondern jenem den Platz genau in der Mitte zwischen den beiden Böden zugewiesen. Wohl aus Begeisterung darüber (endlich mal ne Abwechslung!) schlug er jetzt scheinbar charmante Wellen.
„Och nee, wie peinlich!"
Gut nur, dass ich mich da nicht im Spiegel sah. Bestimmt guckte ich recht dümmlich drein. Frustriert versuchte ich es mit fadenscheinigen Ausreden und murmelte ziemlich unsinniges Zeug. Mein Mann sollte ja nicht merken, wie bekloppt ich mir vorkam:
„Zitronentorte mit Pappeinlage. Kriegt nicht jeder hin!“
Ich entschied, eben nur ihre obere Hälfte, die mit dem Sahnemantel, zu servieren, trennte sie von dem unteren Boden und schob die einzelnen Stücke dicht an dicht auf eine Kuchenplatte. Zu meiner Genugtuung war von der vorausgegangenen Katastrophe nichts mehr zu sehen.
„Ist eben ´ne einstöckige Torte!", trumpfte ich auf.
„Ehem!", kam als Kommentar.
Die untere Tortenhälfte aber, die, zudem ohne schmückenden Sahnemantel, nun doch ziemlich jämmerlich ausschaute, entsorgte ich trotzdem nicht, sondern verwahrte sie nach einem Kontrollnaschen im Kühlschrank. Um die würde ich mich anderntags noch "kümmern".

Dann saßen wir in gemütlicher Kaffeerunde zusammen. Alle lobten die Torte über den Klee.
„Mama, aber wieso ist die diesmal so niedrig??“
Ich platzte damit heraus, wieso die nur halb so hoch war wie sonst. Mein Nachwuchs grinste vielsagend:
„Jaja, das Alter, Mama!"

Heute ist der nächste Tag und ich hab meinem verunglückten Tortenvorrat bereits ein Viertel geklaut. Mmmm-lecker!!

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