Wir verwöhnen unsere gefiederten Freunde im Garten
Von
tastifix
Donnerstag 06.04.2023, 09:04
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tastifix
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Im Garten zwitschert es in sämtlichen Tonlagen. Die erste Stimme vertreten Winzlinge wie Rotkehlchen, Zaunkönig und Meisen. Der zweiten widmen sich Spatzen und Amseln, ab und an unterstützt von einem Eichelhäher. Damit es wirklich ein beeindruckender Chor wird, beteiligen sich noch Frau und Herr Elster und stellen die dritte Stimme. Sie alle singen nach eigenen Regeln, notfalls auch gegeneinander und kennen zudem keine Hemmungen, mitten während des harmonischen Vieletts eben schnell einem aufdringlichen Nachbarn die Meinung zu piepen. Dass sie damit die kreativen Proben stören, kreative Schaffen total durcheinander ist ihnen egal. Denn da hat tatsächlich der blöde Herr Spatz gewagt, dem Kollegen ausgerechnet den Lieblingszweig aus dessen Nest zu klauen. So etwas darf nicht ungesühnt bleiben.
Zum Glück hat am Nachbarteich vier Meter weiter ein quicklebendiger Frosch sein Revier. Zu jeder Tages- und Nachtzeit verkündet er es nachdrücklich und wir machen uns seinetwegen schon Sorgen:
„Kriegt unser Froschkönig überhaupt genügend Schlaf?"
Mittlerweile stehen wir wegen des durchdringenden Konzertes auf dem Schlauch, aber das nehmen wir in Kauf. Wir sind Tierliebhaber.
„Hauptsache, er fühlt sich wohl!“
Wird ihm das Gezeter der gefiederten Nachbarn zu wild, ruft er die Vogelschar mit durchdringender Stimme streng zur Ruhe.
„Quaak!!“
Es wirkt sofort, denn gegen diese Stimme, dieses kaputte Motorengeräusch kommen sie nicht an. Weil sie klug sind, versuchen sie es gar nicht erst.
Meine Tochter und ich möchten den Piepzoo keinesfalls missen. Es macht uns riesigen Spaß, die Federbälle zu beobachten und wir haben eine verrückte Idee. Vernünftige Menschen tippen sich an die Stirn:
„Bei denen piept`s!!"
Wenn sie wüssten, dass sie uns damit eher ein großes Kompliment machen, würden sie bestimmt noch eins drauf setzen:
„Die haben ´ne Meise unterm Pony!"
Kameraden, das stellen wir fix richtig:
„Doch nicht nur eine. Nein - einen ganzen Meisenschwarm!!"
Wir nehmen zwei Puddingschalen, füllen die eine mit Vogelfutter, die andere mit frischem Leitungswasser und stellen beide nah auf die Terrasse, denn wir möchten die Kleinen beim Naschen beobachten. Es ist Sommer und die Vögel brauchen derzeit wirklich keine Unterstützung, zumal nach den starken Regenfällen der letzten Tage überall extra leckere Regenwürmer aus dem Boden gucken. Uns ist des aber völlig egal. Schnell beziehen wir
unseren Beobachtungsposten hinter dem Küchenfenster und warten. Allzu viel Geduld braucht es nicht. Vögel sind pfiffig und kriegen schnell spitz, dass Hotel Meisenschwarm-unterm-Pony offensichtlich einen Spezialitätentag begeht. Und die ersteht man sogar mit nur einem einzigen ´Piep`.
„Nichts wie hin!“, sagt sich Mama Elster.
Zu Hause wartet erstens eine hungrige Kinderschar, zweitens ist sie hier im Revier zusammen mit ihrem Herrn Gemahl die größte. Darum stolziert sie ziemlich selbstbewusst einher, trippelt um die beiden Schalen herum und verschafft sich einen Überblick über das Angebot. Prüfend legt sie den Kopf nach rechts, dann nach links und wieder zurück. Der Leckerbissen besteht den Test mit Bravour. Mama Elster schräpt ihr Lob kund und begibt sich dann fix ans Werk. Als Dame der besseren Gesellschaft setzt sie elegant Kralle vor Kralle. Hier ein paar Körnchen, dann, damit es besser rutscht, ein paar Schluck des köstlichen Nasses.
„Leute, es geht nichts über frisches Leitungswasser. Ist doch viel besser als die Brühe dort vorne im Teich!"
So dürfte sie sich ohne Bedenken äußern, denn der Frosch nebenan versteht kein Elsterisch. Bei dem drolligen Anblick amüsieren wir uns königlich. Offensichtlich schmeckt es ihr vortrefflich. Mindestens fünf Minuten ist sie zugange. Dann ist sie endlich satt und flattert mit einem fröhlichen Knarren zurück zum Nachwuchs.
Die Herrin über unsere Wiese, Gänseblumen und vor allem über die besagten zwei Schalen hat sich verzogen. Die Spatzen tauschen Blicke und aufgeregtes Schilpen. Jetzt sind sie und die übrige Vogelschar an der Reihe.
„Es ist genug für alle da!"
´Alle` nehmen sie wörtlich. Mindestens zwanzig Vögel stürzen sich gleichzeitig auf den begehrten Superschmaus und futtern sich die Bäuche voll, bis sie erschreckende Ähnlichkeit mit Tennisbällen haben. Doch wie auf Kommando beenden sie die Futterorgie. Einer der Altvögel sitzt im Gras und zwitschert auffallend energisch. Der Frosch von nebenan kann kein Spätzisch, aber meine Tochter und ich haben im Laufe der Jahre die Vogelsprache gelernt. Papa Spatz ermahnt gerade:
„Nun ist es genug! Sonst klappts mit dem Fliegen nicht mehr!“
Die Schar beschließt, auf die letzten drei Minikörner in der Schale besser zu verzichten. Außerdem sind sie ja längst satt. Super gutgelaunt, schwingen sie sich hinauf in die Weide. Einige entschließen sich zum kurzen Dösen, andere wiederum sehen ´Mittagspause` gar nicht ein und jagen sich spielerisch kreuz und quer durch den Garten, immer haarscharf an der offenen Terrassentür vorbei.
„Gleich landet noch einer bei uns in der Küche!", grinst meine Tochter.
„Nicht schlimm, ich weiß, wie man sie fängt!"
„???"
„Mit ´nem leichten Tuch! - Nicht etwa mit einer Bettdecke. Das hätten sie bestimmt nicht so gerne!"
„Mamaa!!"
Gleich unseren gefiederten Freunden draußen sitzen übrigevögel mögen Nudeln. ns auch wir am Mittagstisch. Es gibt ein tolles Menü: ´Makkaroni mit Soße`. Tja, und auch Vögel mögen Nudeln. Ich erinnere mich meines Kanarienvogels, der da so gar nicht abgeneigt war - es sei denn, es winkte eine Minifliege, die ich für ihn gefangen hatte. Kurz entschlossen picke ich mir eine kleine Makkaroni vom Teller und befördere sie mit kühnem Aufschlagschwung wie beim Tennis zielsicher auf die Terrasse. Zumindest rechne ich damit, dass sie dort landen wird. Aber ich habe schon sehr lange nicht mehr Tennis gespielt ...
Die Richtung zur Terrassentür hält die Nudel ein. Aber dann fliegt die Makkaroni-Spende statt nach draußen auf den Innenrahmen der Tür und pappt dort in anderthalb Metern Höhe keck fest. Mit angehaltenem Atem beobachten wir das emanzipierte Ergebnis unserer Kochkunst.
„Fällt sie oder fällt sie nicht?"
Die Makkaroni, diese veredelte Regenwurm-Schluckerei gibt mitnichten ihren Aussichtsplatz auf. Es ist ein Bild für die Götter. Helle Nudel auf fast schwarzem Untergrund: Unwillkürlich denke ich an den berühmten Loriot-Sketch:
„Dessen Nudel hing ja nur im Gesicht! Meine dagegen ...“