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Wir schmückten den Weihnachtsbaum ...

Von tastifix Samstag 26.12.2020, 17:26 – geändert Montag 28.12.2020, 13:39

Wir erstanden eine wunderschöne Blautanne, etwa 2,80m hoch und Tannenbaumdeko.
Daheim stutzte Papa den Baum auf Zimmerhöhe. Auf der Leiter balancierend, sprudelte er Regieanweisungen zum Fußvolk, leider zur Mehrheit noch im Krabbel-/ Kleinkindtrotzalter und somit als möglicher Hilfstrupp untauglich. Darum musste ich dran glauben.
„Halt den Baum mal ´nen Moment!“
Unter Aufbieten sämtlicher Kräfte umklammerte ich den Stamm.
´Wann sitzt der Stern endlich fest?`
Leider dauerte es eine ganze Weile, denn der oberste dünne Zweig krümmte sich abwechselnd nach allen Seiten und dann nach unten.
„Sch... !“
„Und das unterm Weihnachtsbaum!!?“

Statt einer Antwort kam von oben:
„Au, verdammt!“
Entsetzt starrte Papa auf die winzige Wunde am Finger. Besorgt beobachtete ich ihn:
´Wird er etwa bleich?`
Hoffentlich nicht, denn bei einem Sturz aus luftiger Höhe wäre es nicht allein bei dem etwas ungesunden Teint geblieben. Dagegen hielt er sich tapfer aufrecht und augenscheinlich am mittlerweile festgezurrten Stern fest.
„Darf ich den Baum jetzt los lassen?“
Ich durfte. Papa stieg aufatmend herunter und begutachtete alles kritisch von unten.
„Sieht gut aus!“
Die Kinderschar strahlte begeistert zur Baumspitze.
„Ein Tearn ...“
„Der is aber schöhöön!“
„Papa, wie haste den denn festgemacht?“
Wichtiger Miene begann er es zu erklären, aber bereits nach wenigen Sekunden erlahmte das Interesse des Nachwuchses und er verdrückte sich, um sich in der angrenzenden Diele nach Herzenslust zu zanken.
„Kannst aufhören! Die sind weg!"
Keine Antwort.

An eine Erholungspause war dennoch nicht zu denken. Das vierfache Kreischen aus der Diele verdrängte die aufkommenden sentimentalen Gedanken. Ich hastete hinzu und entwand noch rechtzeitig Tochter Drei den Federballschläger, bevor sie damit noch bei ihrer jüngeren Zwillingsschwester eine Kopfmassage durchführen konnte.
„Die hat abaa den Teddy gehauen!“
Im Stillen gab ich ihr Recht:
´Tut man auch nicht!`
Und schimpfte:
„Man haut keine Stofftiere. Und erst recht nicht die Schwester!!“
„Mamaa!“, kam von hinten. „Die Doofe hat mir das schöne Kleid dreckig gemacht!“
„Lass mal sehen!“
Ein verheultes Etwas streckte mir den Ärmel entgegen. Ich sah nichts.
´Gebe ich das jetzt zu, brüllt sie noch mehr!`
„Komm, das kriegen wir mit einem feuchten Tuch wieder ab!“
Unter den argwöhnischen Blicken meiner Tochter rieb ich auf dem Ärmel herum.
„Guck`, nichts mehr da!“ -´Bitte, liebes Christkind, verzeih` mir! Fällt ja unter Notlüge!`
Derweil wischte sich mein Kleines dankbar die Schniefnase am scheinbar gereinigten Ärmel ab. Jetzt prangte dort wirklich ein Flecken.

„Gibste mir mal die Kugeln an?“
Fix zurück ins Wohnzimmer.
„Welche Kugeln?“
„Hääh??“
„Auf dem Tisch sind keine. Sind die vielleicht noch im Keller?“
„Ich spinn` doch nicht. Klar habe ich sie mit hoch genommen!!“
Es klang leicht gereizt.
„Aber, wieso liegen se denn dann nicht dort?“
„Frag mich etwas Leichteres!“
Leider fiel mir so schnell nichts Passendes ein, aber nun immerhin, wo die Dinger wahrscheinlich abgeblieben waren: Die Kinder!
´O je!`
Auf dem Weg zur Diele kontrollierte ich den Boden, ob eventuell verdächtig rote Scherben weihnachtlich vor sich hin glänzten. Nein, nichts. Doch, am Ziel angekommen, konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen: Meine Mini-Architektinnen hatten ihrer Lego-Stadt ein toll romantisches Outfit verpasst.
„Wer hat Euch erlaubt, die Christbaumkugeln ... ?“
„Aber unsere Stadt hat auch Weihnachten und die leuchten so schön ... !“, argumentierten die Älteren.
Die Zwillinge bekräftigten dies mit einem Kulleraugenblick. Gegen den waren mütterliche Argumente machtlos. Seufzend sammelte ich die Kugeln wieder ein und flitzte zurück ins Wohnzimmer.
„Hier!“
„Nicht zu fassen!“, feixte Papa.
„Und keine kaputt!“, erklärte ich stolz.
In den nächsten Minuten leisteten wir Konzentrationsarbeit, denn wir wollten uns beim Kugelaufhängen nicht dauernd pieken. Trotzdem sahen die Hände kurz darauf aus, als ob wir unentwegt Igel gestreichelt hätten. Wenigstens war aus der Diele nichts Beunruhigendes mehr zu hören.
„Hach, ist das schön, diese Ruhe!“
Es wurde uns weihnachtlich zumute.

Gerade wollten wir dies genießen, als das Gebrüll wieder einsetzte. Eindeutig hatten die lieben Kleinen viel neue Energie getankt.
„Gib mia sofort die Puppe wiedaa!“
„Ist ja meine!“
„Gar nich wahr. Sag ich dem Christkind! - Dann kriegste nichts geschenkt. Bääh!“
„Sag doch!!“
„Ich mach dir gleich das Haus kaputt, wenn du mir die Ute nich wieder gibst!“
Leider besagte ´gleich` ´sofort`. Prompt herrschte ein Krach, gegen den die Posaunen von Jericho gar nichts waren. Die Älteste rannte triumphierend mit der Puppe unterm Arm herum, die Zweite zunächst brüllend hinterher, entschloss sich aber dann zu dem bereits angekündigten Rachefeldzug und latschte kreuz und quer durch die Legostadt. Kein Stein blieb auf dem anderen. Es tröstete wohl ungemein.
„Mamaa!! Die macht alles kaputt!“
„Nee, mach ich gar nich ...“
„Mamaa, die gibt mir die Puppe nich wiedaa!!“
Brüll, heul.
Die Zwillingen ließen sich nun auch etwas Schönes zur Unterhaltung ihrer bereits reichlich genervten Eltern einfallen. Dort lagen doch so viele Holzklötze herum ...Tochter Drei griff sich einen Klotz, zielte und traf Schwesterchen Vier am Arm. Das kreischte jämmerlich und Tränen flossen. Alle brüllten und heulten um die Wette.
„Es sind ja nur drei Tage!“, suggerierten wir uns.

Unterstützung bekam ich letztendlich von Eurasier ´Knödelchen`. Flennende Ersatzgeschwister ertrug er nicht. So schmuste er zunächst mit der Ältesten, trabte danach zu Tochter Zwei, lief dann zu den Zwillingen und verabreichte immer abwechselnd Vollwäschen.
„Du bist lieb, Knödelchen! - Der ist viel lieber als ihr!“
„Die sind doof, nich Knödel?“
„Wauwau, ei!“
„Ei, lieber Wauwau!“
„Wauwuff!“
Stolz setzte sich Knödelchen vor mich.
„Na, jetzt hab ich wohl ein dickes Lob von aller oberster Stelle verdient!“. schien er zu sagen.
„Ach, Knödel, das haste prima gemacht!“
Zum Glück war ich ja noch nicht geschminkt. Die daraufhin erfolgende Vollwäsche dauerte etwa drei Minuten. Meine Kinderschar hatte das Mama-Knödelchen-Rendezvous beobachtet, der Streit war vergessen, sie lachten und Knödel stimmte sein Freude-Wolfsgeheul an:
„Wuwuwuuh!!“
„Jetzt weiß wenigstens die ganze Nachbarschaft, dass Knödel ein Erfolgserlebnis hatte! - Mensch, gehts denn nicht leiser? Der Krach ist ja nicht mehr auszuhalten!“, beschwerte sich Papa.
„Sei doch lieber froh, dass sie sich mal nicht zanken!!“
„Wuff!“, bekräftigte Knödel.
Offensichtlich hatte er Oberwasser.

Genau dies bewies er denn auch. Er wartete damit so lange, bis der Tannenbaum im Festtagskleid erstrahlte. Seine Vielleicht-Überlegungen konnte ich gut verstehen:
´Ich hab` Frauchens Kinder getröstet und die haben mich deswegen gelobt. Und Frauchen mich dann noch doller! - Zur Belohnung darf ich mir jetzt den Baum angucken!`
Was Knödel sich vornahm, setzte er auch stets in die Tat um. Mit hoch gestreckter Nase bis zur Deke marschierte er ins Weihnachtszimmer:
„Wuff! Ist der toll und der gehört zu meinem Revier!“
Darum muste der jetzt unbedingt markiert werden! Nicht, dass etwa so katzenblöde, fremde Rüden gar ... Mit ernstem Seitenblick zu mir und nur einem flüchtigen zum Papa schritt er auf den Baum zu, schnüffelte und hob das Bein ...
„Neeiin!!!“
Jetzt brüllten wir.

Trotzdem wurde es noch eine schöne Feier und die Kinder waren mit den Gaben des Christkindes sehr zufrieden. Ausschließlich Knödelchen spielte den restlichen Abend lang ´beleidigte Leberwurst` und ignorierte uns eisern.

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