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Wenn ´s in mir sprudelt

Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 31.01.2019, 21:01 – geändert Donnerstag 31.01.2019, 21:04

Dieser Laptop! Ich könnt ihn...
Das Internet will in meinem Wohnzimmer einfach nicht besser werden. Obwohl schon gute Freunde Tipps gaben, ein Techniker hier antanzte - es bleibt lahm, hakt, bremst. Sogar eine Antenne bastelte ich, aber, trotz Anleitung eines Könners, meine wurde Murks und so muckert es weiter mit dem, was da unsichtbar durch mein Haus schwirrt. Ich könnte... Ich könnte ja auch in ein anderes Zimmer gehen, aber ich habe mir den Kaminofen angemacht und sitze saubequem im Fernsehsessel, diesen vertrackten Laptop auf dem Schoß.

Mir gefällt es, hier die eine oder andere Geschichte zu lesen. Ich mag die Texte, die das Leben schreibt. Vielleicht kann es mancher nicht verstehen, aber Krimis lese ich seit Jahren nicht mehr. Und an Fantasieromane komme ich, entgegen meiner jüngsten Tochter, schwer ran. Bei ihr biegen sich die Bücherregale unter der Last der dicken, bunt gestalteten Bände.
Dabei spinne ich mir seit meiner Kindheit Geschichten aus und klapperte diese einst auf einer ollen Schreibmaschine auf dünnes, rosafarbenes Durchschlagpapier. Ständig klemmte irgendein Buchstabenhebel fest und meine Finger nahmen die Farbe des schwarzen Bandes an, das zum weiteren Ärgernis zu gern aus der Führung flutschte.
Hei, Laptop! Hast du endlich das Wlan gefunden? Mannnooo....
Irgendwann entsorgte mein Papa diesen alten Buchstabenklapperkasten und ich durfte seine neuere Erikamaschine benutzen, selbstverständlich nur dann, wenn er nicht gerade an einem Lehrbuch arbeitete.
Was tippste ich alles so auf das viel zu dünne Papier! Gedichte, Geschichten, ja ich versuchte mich sogar an einem Drehbuch.
Es übte ungemein, jedoch gewöhnte ich mir eine Tippweise an, die jede Sekretärin gruseln lassen müsste.
Wenn Papa schrieb, er hinterließ mir neben einiger Lehrbriefe eine dicke Klemmmappe voller Zeitgeschichten aus seiner Sicht der Dinge, also wenn er schrieb, lagen viele Seiten aufgestapelt auf dem Fußboden. Er hatte an den Finger überall Duosan und schnippelte Absätze raus, klebte sie in neuer Reihenfolge auf ein neues Blatt. Das ging nie ohne Fluchen ab, weil ja seine Duosanfinger manchen Satz nicht mehr zum Umsiedeln frei geben wollten. Sein Haar war total verwuschelt, und wir Kinder schwebten auf seinen Hilfebrüller hin an ihm vorbei, um bloß keine Schnipsel zu verwehen, zuppelten ihm das widerspenstige Papierstückchen vom Finger. Reste der Blätter bekam ich als Schmierpapier, zum Neubeschreiben oder Bemalen. Neulich fand ich sogar noch welche!

Ich glaube, diesen Drang, manches aufzuschreiben, von ihm geerbt zu haben. Das erwies sich in schlimmen Lebenszeiten als ein Rettungsanker für mich: von der Seele schreiben und abgearbeitet. Die Gefühle und Gedanken, die sich zu Wörtern, Sätzen und sprachlichen Bildern formen, werden plötzlich derart mächtig, dass sie aus mir heraus müssen. Ansonsten droht Erstickungsgefahr. Ich vermute, es geht euch hier ähnlich.

In den letzten Jahren sammelte sich daher so einiges an Tagebuchseiten, Episoden, Erlebnissen in meinem alten Computer an, die von dort auf eine externe Festplatte wanderten. Leider fraß die etliches von meinem Tagebuch. Anderes Geschriebenes kam von meiner alten Webseite oder einem Blog. Schlußendlich trug dieser Laptop schwer daran und ich wollte es mit ihm ausspucken sozusagen, damit wir beide nicht daran ersticken. Auch meinten einige, ich solle das endlich tun: "Schreib ein Buch!"

Vor ein paar Tagen kam das Manuskript von der Lektorin zurück. Vorsichtig öffnete ich die Datei, so wie man das eben nur kann, blätterte mich über die mehr als 200 Seiten und las all die Hinweise, Korrekturen von ihr. Die Frau kanns! Übrigens, sie selbst ist Autorin von Krimis und Fantasiebüchern. So kann es gehen.

Jetzt verschnaufe ich hier bei euch, schreibend, hab mir vier Wochen zum Einarbeiten all der Kommentare gegeben. Ich muss jedoch jetzt diese Gedanken aufschreiben, abhaken, eure Geschichten lesen, um meine ordnen zu können.

Laptop, ich könnt ... dich ja doch nicht! Gut, dass ich das eben alles spontan aufgeschrieben habe, dadurch Papamit den Klebefingern zwischen seinen Blätterstapeln sitzen sah und nun weiß: Ist das super mit dieser neuen Technik!

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