Wenn Rache stinkt
Von
fleurbleue
Montag 25.09.2023, 18:07 – geändert Montag 25.09.2023, 18:12
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fleurbleue
Montag 25.09.2023, 18:07 – geändert Montag 25.09.2023, 18:12
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Lena war neu in der Firma und zunächst als Unterstützung für ihre beiden Kolleginnen eingestellt worden. Im Büro nebenan saß der Abteilungsleiter, ein Mensch, der es meisterhaft verstand, seine Mitarbeiter auf den Arm zu nehmen, sie an der Nase herumzuführen oder gar aufs Kreuz zu legen. Dadurch machte er sich keineswegs beliebt. Aber „seine Damen“ kannten seine Späße und nahmen ihm (fast) nichts mehr übel.
Natürlich konnte Lena seine Eigenheiten noch nicht kennen und war als Neuling ein wenig ängstlich.
An einem Vormittag rief der Abteilungsleiter Lena zu sich. Seine Stimme war laut und ungehalten. Erschrocken ließ Lena ihren Stift fallen und erhob sich zitternd. Mit einem Kloß im Hals wankte sie ins Nebenzimmer.
„Setzen Sie sich!“, befahl der Chef mit todernstem Gesicht und wies auf den Stuhl an seinem Schreibtisch. Lena fürchtete, sie müsse aus irgendwelchen Gründen die Abteilung wieder verlassen.
Da richtete sich der Chef wichtigtuerisch auf und holte tief Luft:
„Die Personalabteilung hat mich informiert“, sagte er gedehnt, kramte dabei umständlich in seiner Schreibtischschublade und holte eine Schachtel hervor,
„dass Sie Karamellbonbons mögen. Wenn Sie eines genommen haben, dürfen Sie wieder gehen.“
Dabei grinste er breit und genüsslich.
Verwirrt stand Lena auf, griff in die Schachtel und stolperte leichenblass wieder hinaus.
Unverschämtheit !
Jetzt aber wurde sie von Anne und Regine aufgeklärt, und gemeinsam sannen die drei auf Rache.
Am nächsten Morgen sollte im Büro des Chefs die wöchentliche Abteilungsleiter-Besprechung stattfinden. Deshalb wollten die drei Kolleginnen früher als üblich an ihrem Arbeitsplatz sein. Und wie am Vortag verabredet, hatte Regine einen Franzosen "im fortgeschrittenen Alter" mitgebracht, dessen intensiver Charakter nichts zu wünschen übrig ließ.
Lena war überrascht, nun einen "Franzosen mit Charakter" kennenzulernen, hatte sie doch immer nur von „charaktervollen Limburgern und Harzer Rollern“ gehört.
Vorsichtig befreite Regine den stark duftenden Franzosen aus seiner Verpackung, wickelte ihn nur leicht in ein Stück dünnes Seidenpapier und klemmte ihn hinter den Heizkörper des Chefbüros.
Hier in der Wärme konnte der Franzose nun seinen Charakter voll und ganz entfalten.
Kichernd und in Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, huschten die drei in ihr Büro zurück.
Gegen neun Uhr trafen die Kollegen des Chefs im Büro nebenan ein, und die Tür wurde geschlossen. Anne, Regine und Lena waren aufs Äußerste gespannt auf das, was nun wohl geschehen würde.
Während der Besprechung wurde das Fenster mehrfach geöffnet und wieder geschlossen. Dann ein wiederholtes Hüsteln.
Aber nach einer Weile hörten sie den Chef verkünden:
„Meine Herren, irgendetwas stimmt hier nicht. Es ist ja nicht zum aushalten. Ich schlage vor, wir gehen in die Teeküche und setzen dort unsere Besprechung fort. Bitte nehmen Sie ihren Stuhl mit.“