Weihnachten 1962
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Feierabend-Mitglied
Freitag 16.10.2020, 01:13
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In meiner Kindheit war Weihnachten in der großen Familie immer
etwas ganz besonders. Entsprechend habe ich mich darauf
gefreut. 1962, ich war gerade 14 Jahre alt, lebte ich ganz
allein in Paris. An eine Heimfahrt zu Weihnachten war nicht zu
denken. Viel zu teuer. Also saß ich Heiligabend allein in
meinem kleinen Zimmer in der Rue Piemontesi Nr.6. Auf dem
kleinen Tisch stand ein geöffnetes Päckchen von Zuhause.
Mamas wunderbare Plätzchen waren darin und ein halber Christstollen.
Zumindest ein wenig Weihnachtsstimmung von zuhause.
Lange hielt ich es nicht aus, so allein im Zimmer und ich
spazierte durch das nie ganz stille Paris. Hinter den
erleuchteten Fenstern sah man hie und da Kerzen
schimmern. Als ich am Louvre vorbei war, sah ich von fern die
mächtigen Türme der Cathédrale Notre-Dame de Paris. Dort hinein
ging ich. Die Cathédrale war hell erleuchtet und wunderschön
geschmückt. Am Altar zelebrierte der Bischof von Paris die
Christmette und der wunderbare Chor sang eine feierliche
Messe. Ich fühlte mich geborgen. Sechs Jahre lang, solange ich
in Paris lebte, verbrachte ich den Heiligen Abend in der
Cathédrale Notre-Dame de Paris. Unvergessen.
Und wenn vom Chor die Orgel aufbrauste und in der
mächtigen Cathédrale das Lied zu Weihnachten angestimmt wurde:
Douce nuit, sainte nuit!
Dans les cieux! L´astre luit.
Le mystère annoncé s´accomplit
Cet enfant sur la paille endormi
C´est l´amour infini!
sang ich mit lauter Stimme auf deutsch mit:
Stille Nacht, heilige Nacht!