Weihnachten 1952
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Feierabend-Mitglied
Dienstag 01.12.2020, 13:01
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Weihnachten 1952
Weihnachten 1952. Das Christkind hat warme, gestrickte Pullover gebracht, die natürlich gleich angezogen werden. Ich darf bei Papa auf dem Schoß sitzen, ganz links mein Bruder Roger. Die Jüngste, Helene, bei der Mama. Seit einem Jahr ist Papa im Stahlwerk und zum ersten Mal ist neben dem Bauernbetrieb ein regelmäßiges Einkommen im Haus. Und die Bergmänner und die Stahlarbeiter sind damals Spitzenverdiener. Und die Stahlwerke Röchling zahlen sogar Weihnachtsgeld. Papa verdiente damals
30 – 35.000 Franc im Monat, das entsprach etwa 250,00 – 300,00 DM.
Der Umrechnungskurs war: 100 Frs. = 0,8507 DM. (1 DM "kostete" also 117,50 Franken.) Seit dem 15.November war der Französische Franc offizielles Zahlungsmittel. Bis dahin konnte man noch mit Reichsmark bezahlen. Damit war dann endgültig Schluß. Die Franc konnte man in Trier in der Bank in DM zum o.g. Kurs tauschen.
Da gab es dann auch schon mal für Mama und Papa Sonntags eine Kanne "echten" Bohnenkaffee und am Abend trank man schon einmal ein Glas Wein von der Mosel. Viel wichtiger aber war, daß die Kinder gute Schuhe und warme Kleidung bekamen. Ein Paar Romika – Schuhe für uns Kinder kosteten etwa 15,00 DM, also 1.800,00 Franc.
Ich erinnere mich an kratzige, aber warme lange Strümpfe, die mit einer weißen Bohne an Strapsen festgemacht wurden, die an einem "Leibchen" baumelten. Und nur am Samstag, wenn wir alle in der Küche in einer Zinkwanne gebadet waren, stellte die Mama eine Kanne Milch auf den Herd und rührte dunklen Van Houten Kakao und reichlich Zucker in die aufkochende Milch und wir bekamen herrlichen Kakao. Dazu gab es eine dicke Scheibe Hefekranz mit guter Butter bestrichen. Butter und Hefekranz waren natürlich hausgemacht. Und nach dem Abendessen dudelte der alte Volksempfänger Musik und wir warteten auf die Gute Nacht Geschichte vom Sandmännchen.