Weihnachten 1945
Von
Muehlbachhexe1
23.12.2018, 16:19 – geändert 23.12.2018, 16:22
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Muehlbachhexe1
23.12.2018, 16:19 – geändert 23.12.2018, 16:22
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Meine Mutter war nach der Vertreibung von unserem Hof in Mähren, mit meinen vier Geschwistern – im Alter von 6 Monaten bis vier Jahren- in ein Lager in Tschechien gebracht worden, während mein Vater in Norddeutschland interniert war. Über ein Jahr lang wusste keiner vom anderen, ob er überhaupt noch am Leben- und wenn ja, wo er gestrandet ist. Am Heiligen Abend 1945 schrieb mein Vater folgendes Gedicht:
Gedankenschwer trägt mich die Stunde
dahin, wo meine Wiege stand
und heißer brennt die Heimwehwunde
denn keiner bringt mir frohe Kunde
aus meinem lieben Heimatland.
Und keiner kann die Nachricht bringen
die mir zum heiligen Weihnachtsfest,
wenn durch die Nacht die Glocken klingen
den Schmerz der Seele kann bezwingen
und sie in Freude jauchzen lässt.
Doch wenn auch alles dumpf und trübe
und wenn kaum ein schwacher Schein
von zukunftsfroher Hoffnung bliebe,
stärker als die Kraft der Liebe
kann die Not ja doch nicht sein.
Drum glaub ich heute gerne
dass der Liebe heilige Tat
meine Lieben in der Ferne
unter einem guten Sterne
in ihren Schutz genommen hat.
(Hans Heuschneider)