Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

6 7

Vorahnungen

Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 19.07.2018, 13:10

Als Miriam erwachte, hörte sie ihren Mann in der Küche hantieren. Sie dachte an den schlechten Traum, der ihr in der Nacht wie ein böser Geist erschien. Dann erhob sie sich, und schaute zum Fenster hinaus. Der Wind wirbelte die bunten Herbstblätter durch die Luft, und es schien ihr, als hätten sie Freude daran. Sie lächelte über den Gedanken und guckte ins Zimmer ihrer fünfjährigen Tochter. Die Kleine schlief wie ein Engel. Sie soll bald eine Schwester oder einen Bruder bekommen, dachte Miriam, und ging in die Küche.

„Guten Morgen Thomas, ich komme gleich, gehe nur schnell ins Bad.“ „Ist gut Schatz, dein Kaffee wird auf dich warten. Ich leider nicht, muss heute früher ins Büro.“
„Ach, na dann komm und lass dich umarmen.“

Das tat sie, und sie spürte währenddessen eine tiefe Trauer in ihrem Herzen.

Eine merkwürdige Atmosphäre schlich an diesem Morgen durch die ganze Wohnung. Im Bad passierte der Traum der letzten Nacht noch einmal Revue vor Miriams Augen.

Es klingelte an der Wohnungstür und Miriam lief aufgeregt hin, um sie zu öffnen. Vor ihr stand Thomas mit blutverschmierten Gesicht. Er murmelte etwas, bevor er zusammen brach. Miriam hob ihn auf, und trug ihn auf ihren Armen zum Garten hinaus, legte ihn auf den Rasen und hörte ihn sagen:
„Ich muss jetzt gehen, es muss sein, verzeih mir , und sage unserer Tochter, dass sie gut auf dich aufpassen soll. Adieu Liebste, wir sehen uns wieder.“
Und bevor Miriam erwachte, streichelte sie sein blutverschmiertes Gesicht.

Im Bad hörte Miriam ihre Tochter kommen. Sie tippelte wie eine kleine Katze mit ausgefahrenen Krallen über den Flur.

„Mama, ich habe Hunger. Wo ist Papi?“
„Der musste heute früher los meine Süße. So, und jetzt frühstücken wir beide, okay?“
„Ja Mama, ich wasche mir nur noch die Hände.“

Während des ausgiebigen Frühstücks fragte die Kleine ihre Mutter, wann sie endlich einen Bruder oder eine Schwester bekäme.

„Fühlst du dich einsam, mein Schatz?“, fragte Miriam zurück.
„Manchmal schon, Mama. Aber heute ist sowieso alles komisch, findest du nicht auch?“

„Oh ja!“

Es klingelte an der Wohnungstür, und die Kleine lief hin, um zu öffnen.

„Mama, Mama, komm, hier sind zwei Polizisten, die dich sprechen wollen!“, schrie sie.

Miriam stand auf, und die dunkle Atmosphäre begleitete sie. Sie sah in die Gesichter der beiden Polizisten... und wusste Bescheid.

„Guten Tag Frau Heine, wir haben leider eine schlechte Nachricht für Sie. Ihr Mann hatte vor einer halben Stunde einen Unfall, der für ihn tödlich endete.
Wollen Sie …?“...

„Ja, wo kann ich ihn ein letztes Mal sehen?“, fragte sie mit rauer Stimme.

Die Kleine bekam weder eine Schwester noch einen Bruder. Ihre Mutter lebte seit jenem schrecklichen Tag alleine. Der bloße Gedanke, dass ein anderer Mann an ihrer Seite wäre, bereitete ihr Schmerzen.

Miriams Tochter und ihr Schwiegersohn schenkten ihr dafür einen Enkelsohn, der ihr viel Freude bereitete. Nein, sie fühlte sich nie alleine, sondern führte ein zufriedenes Leben. Ein Leben, in dem Thomas nicht wirklich fehlte ...




Bildquelle: Pixabay.com/kostenlos









Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Vorahnungen