Versetzt nach Klasse Drei
Von
tastifix
Samstag 27.04.2019, 13:01
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tastifix
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Stolz stellt Schuldirektorin Martina ihren Eltern ein Zeugnis aus. Im vergangenen Jahr hat sie sie streng getestet und nun der Versetzung in die zweite Klasse für würdig befunden. Wichtigstes Hauptfach:
„Was ertragen sie?“
Fast ebenso wichtiges Nebenfach:
„Wie krieg ich sie dazu, dass sie das tun, was ich will?“
Mit den bisherigen elterlichen Leistungen ausgesprochen zufrieden, unterzeichnet sie das wichtige Dokument mit einem Kritzelkreuzchen. Martina ist nämlich erst vier Jahre alt.
Die Abschlussprüfung des ersten Schuljahres ist sehr pulverig gewesen.
„Mama und Papa haben doll geschwitzt! Und dann haben sie ganz lange geputzt … "
Und doch hat sie keine Schimpfe bekommen! Brave Mama, lieber Papa. Solch ein tolles Lob ... und die Zwei ahnen noch nichts davon.
Aber sie sollen ja in der zweiten Klasse noch tüchtiger werden, damit die Kleine dann noch stolzer auf sie sein kann. Martina grübelt:
„Die zweite Klasse ist schwieriger als die erste, hat Alexandra gesagt."
Ihre älteste Schwester geht schon in die dritte Klasse. So denkt sich Martina eine entsprechend schwierigere Bewährungsprobe für ihre Eltern aus. Denn sie will ihnen ja ganz viel beibringen.
„Denn dafür ist die Schule da!", hat Alexandra auch gesagt.
Die Kleine möchte ihre vielen Ideen am liebsten alle gleichzeitig ausprobieren. Aber das wird denn doch zu kompliziert. Sie wählt halt die anspruchsvollste Aufgabe aus. Ahnungslos leistet ihre Mama noch Hilfestellung.
Wieder einmal ist Großputz angesagt. Eine gute Gelegenheit, meint Martina, die Eltern zu testen.
Im mit Teppichboden ausgelegten Hobbyraum toben sonst meist vier Kinder. Sie alle schwärmen für Schluckerzeug. Auch Martina denkt:
´Ohne Schokolade, Gummibären und Bonbons ist das schönste Spiel doof.`
Und besonders mit Gummibärchen lässt sich toll spielen.
´Bärchen brauchen eine Höhle!`
Die Bonbons sind schon angelutscht. Doch so pappen sie auf dem Teppich besser fest und fallen nicht so schnell um. Sehr besorgt um das Wohlergehen der patschpfotigen Lieblinge, legt Martina ein dickes Schokoladenfeld an, sorgfältig in ständig weiteren Kreisen um die Bärenfamilie herum. Glücklich beobachtet sie, welch große Kulleraugen ihre bunten Freunde daraufhin machen. Martina hat eben eine blühende Fantasie.
Nun gibt es ja auch große Gummibärchentüten. Martina schwärmt dafür. In denen sind besonders viele Bärchen. Die brauchen dann entsprechend viele Höhlen und genauso viel Schokolade. Die Kleine ist eifrig zugange und freut sich auf noch mehr Kulleraugen. Als sie denn die Bemühungen um die klebende Tierwelt einstellt, hat sich der Hobbyraum in einen Naturschutzpark eigener Art verwandelt. Menschen sind hier fehl am Platze. Wildschweine allerdings würden im sechsten Himmel schweben. Martinas Fantasiewind hat den Schokoladensamen in alle vier Ecken des Raumes geweht. Vom Teppichboden ist vor lauter Braun fast nichts mehr zu erkennen. Ein Paradies für Gummibärchenbäuche und die wahrlich überaus lieblichen Suhlexperten!
Kurz danach aber ist sie sich nicht mehr so sicher, ob Mama und Papa tatsächlich von all dem begeistert sein werden. Sie verzieht sich sicherheitshalber - auf verdächtig leisen Sohlen.
Bei zu großer Stille im Haus wird ihre Mama auffällig unruhig. So dann auch heute. Sie düst durch sämtliche Räume und macht sich aufs Schlimmste gefasst. Jugendetage: Nichts. Aufatmen. Runter ins Erdgeschoss, mit fliegenden Fahnen durch Küche, Esszimmer und Wohnzimmer. Ebenfalls nichts. Sollte sich etwa der Nachwuchs nur zum Mittagsschlaf entschlossen haben? Siedend heiß fallen ihr die Kellerräume ein.
„Oh nein, der Hobbyraum!“
Hastig flitzt sie die Treppe hinunter. Beim Betreten des 40qm-Spielparadieses prallt sie entsetzt zurück. Denn sie schaut auf ein riesiges Schokoladenfeld. In dem liegen Mengen umgekippter, weil mittlerweile überfressener Gummibärchen zwischen hübsch um sie drapierten Weingummi-Blumenhecken. Mamas Wutschrei lässt fast das Haus erzittern. Eine Minute später brüllt auch der Papa. Die Eltern klemmen sich alle Reinigungsmittel - mit Ausnahme von Ata - unter den Arm und verbringen einen nur scheinbar gemütlichen Nachmittag und Abend bei einer wirklich ausgesprochen ungemütlichen Beschäftigung. Viel zu spät erst bemerken sie, dass Martina, am Türrahmen lehnend, ihnen jetzt fasziniert zuschaut, wie sie den Teppichboden mit Teppichschaum bearbeiten. Leider ist es von nur mäßigem Erfolg gekrönt. Schon sehr bald verlassen sie frustriert den Ort der Untat, flüchten zum Sich-wieder-Beruhigen ins Wohnzimmer und rühren sich nicht mehr von dort weg. Die Sehnsucht nach dem Keller hält sich auffällig in Grenzen.
Der Kleinen dagegen hat das weiße, so schön schäumende Zeug sehr gefallen. Mit dem haben Mama und Papa den Schokoladenfeldern ja einen großen Schrecken eingejagt, so dass die fix kleiner geworden sind.
´Arme Gummibärchen! Aber satt sind sie ja und sie halten jetzt eben Winterschlaf!`
Martina selber aber könnte gar nicht einschlafen. Ihr Gewissen hat sich gemeldet.
´War das vielleicht doch nicht so toll?`
Sie möchte alles wieder in Ordnung bringen. Wo bloß ist diese Dose mit dem weißen Schaum hin?
„Hm, weiß nicht!“
Die Eltern meiden ja immer noch den Keller. Sie hat also freie Bahn und schnell die passende Idee.
´Wenn kein Schaum da ist, dann mach eben selber welchen!`
Im Vorratskeller schnappt sie sich alles, was weiß ist: Eine Tüte Mehl, eine Packung Zucker und damit es schön breiig wird, dazu noch eine große Dose Penatencreme. Sie patscht, mengt und rührt. Auf der kleinen Stirn sammeln sich Schweißtropfen. Die Mini-Möchtegern-Hausfrau hebt den völlig verkrusteten Arm und wischt sie sich stöhnend ab. Statt Schweißtropfen klebt dort nun Penatenmehl. Kritisch betrachtet sie den Mehl-Zucker-Penatenbrei:
´Der ist zu fest!`
Entschlossen mischt sie noch etwas Wasser darunter.
´So, jetzt sieht der besser aus!`
Auf den Knien rutschend, knetet sie die Pampe kräftig in den Teppichboden ein. Danach sieht der erstaunlich frisch aus. Beinahe so weiß wie Martina, wenn sie gebadet hat. Begeistert rubbelt sie ständig fester. Na, ihre Eltern werden stolz sein, dass sie sich solche Mühe gibt, alles wieder ordentlich zu machen.
´Äätsch, Mama!`, triumphiert sie, ´dein Schaum war blöd. Der ging wieder weg. Das hier ist viel besser. Das bleibt fest drauf und sieht viel schöner aus!“
Dummerweise reicht der Pampevorrat nicht aus. Aber Martinas Herz klopft bereits bedeutend ruhiger. Ja, sie ist der Überzeugung, alles wird gut.
Als die Eltern sich nach fast zwei Stunden Ausruhen zwingen, dem Rest der Unmöglichkeiten im Keller den Kampf anzusagen und dann die Bescherung entdecken, schwanken sie dagegen zwischen Wut und Frust. Dennoch lassen sie es ihr Töchterlein nicht spüren, denn sie ist ja noch soo klein! Mit dem Entfernen der Sauerei sind sie dann das ganze Wochenende lang bestens beschäftigt.
Wiederum erreichen Martinas Eltern das Klassenziel:
Wegen des mehr als untadeligen Benehmens diesmal sogar mit ´Super toll!`