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Träume

Von tastifix Montag 01.06.2020, 13:26

Zunächst waren es Kinderträume, Vorstellungen von Märchenwelten, mal bunt, mal traurig, mal bedrohlich. Zauberer, Feen, Zwerge und Geister begegneten mir. Kluge und schöne Prinzessinnen und Prinzen in wunderschönen Gewändern, die in prachtvollen Schlössern lebten und ihrer Seele in stillen Parks Ruhe gönnten. Ruhe vor dem Alltag und besonders Auszeit vor den Abenteuern und Kämpfen, die die Geschichten für sie bereit hielten.

Sie behaupteten sich gegen Hexen, hinterhältige Feen und böse, Furcht einflößende, in immer wieder anderen Verkleidungen Angst und Schrecken verbreitende Geister. Zudem kämpften sie auch oft miteinander um Rang und Macht. Der wichtigste Einsatz jedoch war der um das Herz einer lieblichen Prinzessin.

Das Wunderbare und Beruhigende an diesen Märchen ist, dass sie stets ein gutes Ende finden, was den Abenteuern ihren Schrecken nimmt. Zudem vermitteln sie fast unmerklich Lebensweisheiten.

Ich wurde älter und die Träume wurden andere. Die Märchenwesen aus Kindertagen waren nicht vergessen, aber eingeschlossen im Kämmerchen der Erinnerung. Es waren nun andere Prinzen, die mein jugendliches Herz im Traum zum Klopfen und dann mich zum Schwärmen brachten. Es kniete ein solcher Prinz vor mir und brachte mir auf seiner Geige ein Ständchen. Hätte er dagegen auf einer Gitarre gespielt, wäre ich genauso hin und weg gewesen.

Es lief meist so ab: Ich saß in einem romantischen Kleid unter einem Rosenbogen an einem kleinen Gartentisch, lauschte den werbenden Melodien und schaute nur ab und an verlegen in die schönen großen Augen, deren Blick mich tief rührte. Weiter geschah nichts. Denn ich bekam vor Freude kein Wort heraus. Meine Hände umklammerten ein Glas und ich hoffte, so meine Aufregung verbergen zu können. Leider war der jugendliche Verherer genauso gehemmt. So schauten wir uns dann nur stumm an. Aber es war einfach wunderschön: Nichts störte uns. Wir lebten in einer kleinen Welt, die nur uns gehörte und es machte uns froh.

Wachte ich morgens auf, war ich nicht etwa traurig, dass es vorbei war, sondern ging in Gedanken an ihn, meinen Traumprinzen, beschwingt durch den Tag. Denn ich war mir sicher: Bald würde es wieder so sein!


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