Toni und die Schminke
Von
tastifix
Donnerstag 27.02.2020, 20:12 – geändert Donnerstag 27.02.2020, 20:15
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tastifix
Donnerstag 27.02.2020, 20:12 – geändert Donnerstag 27.02.2020, 20:15
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Gestern schon war Aschermittwoch und damit die Karnevalszeit zuende. Dennoch erinnere mich gerne eines lustigen Erlebnisses mit meiner damals fünfjährigen Enkelin vor zwei Jahren.
Klar schwärmte sie für Karneval, besonders für die Bonbons und noch mehr fürs Verkleiden und Schminken. Ach, es fiel ihr ja so schwer, sich für ein Kostüm zu entscheiden. Erst wollte sie Dornröschen werden, dann doch lieber Aschenputtel. Über dem bodenlangen gelbgoldenen, wie Seide schimmernden Kleid trug sie eine königsblaue Weste, die weithin leuchtete. Auch die schwarze Perücke fehlte nicht. So war also der Stil gewahrt.
Toni bestand auf viel Schminke, obwohl doch Aschenputtel eigentlich ausgesprochen blass durchs Märchen wandelte. Dieser Stilfehler war ihr total egal und der dann weitaus schlimmere erst recht. Damit Toni-Aschenputtel bloß nicht erfrieren sollte, trug sie über dem wirklich königlichen Look ihren buntgeblümten Anorak mit Kapuze und unter ihrem Festtagsstaat schauten zwei Pseudo-Bergstiefelchen in Braun hervor. Hauptsache, unser Kleines war zufrieden!
Mit der S-Bahn ging es drei Stadtteile weiter. Weil Toni genügend damit zu tun hatte, ja nicht über ihr Kleid zu stolpern, übernahmen Mama, Omi und Opi die Aufsichtspflicht über die zwei riesigen Einkaufstüten. Es wäre ja einer Katastrophe gleich gekommen, wenn die etwa geklaut worden wären.
Leider ließ sich der Zug noch viel Zeit, wir standen uns die Beine in den Bauch und klapperten vor Kälte mit den Zähnen. Die Einzige, die nicht fror, war Toni. Endlich wars dann soweit. Dienstbeflissen hielten wir brav die Tüten auf, Toni flitzte aufgeregt und immer aufgeregter hin und hier und schnappte sich alles, was sie erwischen konnte. Zwei Stunden dieses Fitnesstrainings hielt sie durch, doch danach wurde sie auffallend ruhiger und stiller.
Mit zwei vollen Tüten bepackt brachen wir auf zur S-Bahn, unser total erschöpftes Enkelkind an der Hand mit uns ziehend. Vor der Treppe zum Bahnsteig zeigte ich Toni, wie eine Quasi-Prinzessin ihre Robe anhebt und anmutig die Stufen nach oben schwebt. Aufmerksam schaute sie zu, raffte ihr Galakostüm und stieg vorsichtig Stufe für Stufe höher.
Oben auf dem Bahnsteig angekommen, rührte sie sich plötzlich nicht mehr von der Stelle und fing laut an zu weinen.
"Aber, weshalb weinst Du denn jetzt?"
Tränchen, Tränchen ... Mitleidige Blicke der Umstehenden. Toni schluchzte noch lauter:
"O...Omihiih, ich weine, weil, wenn ich jetzt noch länger weine, dann die ganze Schminke weg ist!!"
Ich bemühte mich verzweifelt, ernst zu bleiben:
"Du, da hab ich nen Tipp für dich: Hör` doch einfach auf zu weinen!"
Sie stutzte, schniefte noch ein paar Male und sah mich zweifelnd an. Ich versicherte ihr, dass die Schminke noch immer dort saß, wo sie sein sollte und sie beruhigte sich.
"Guck mal,Toni: Gleich daheim sehen wir uns in Ruhe an, was du alles gefangen hast ..."
"Omi, und dann zählen wir die Bonbons!!!"
Strahl.
"