Toni und das Auto
Von
tastifix
Freitag 07.09.2018, 11:29
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tastifix
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Ich bummelte mit meiner süßen Enkelin an der Hand am Feld entlang. Nach Spielplatz war mir so gar nicht zumute und ich vermied tunlich, einem zu nahe zu kommen. Aber Toni, 21 Monate jung, sehr aufgeweckt und genauso gesprächig - je nach Belieben im Babykauderwelsch oder auch in 4-Wort-Sätzen, marschierte trotzdem begeistert mit. Überall wuchsen ja bunte Blumen, trillerten Vögel in der Luft oder hüpften sogar am Wegesrand und vor allem kamen uns viele Hunde in allen Größen und Farben entgegen. Einer beschnupperte sogar ihre Hand. Toni war sich offensichtlich nicht sicher, was sie davon halten sollte und wurd für wenige Minuten merklich stiller.
„Ihr jetzt zu sagen, dass Hunde vor allem mit der Nase gucken … Nee!`
Also erklärte ich, dass der ´Wauwau` sich gefreut hätte und das freute dann sie. Im Stillen hoffte ich, dass wir noch sehr viele Vierbeiner treffen würden, denn bis nach Hause war es noch weit. Hunde haben wohl telepathische Fähigkeiten, denn wir sahen dann vor lauter Vierbeinern die Rudel nicht mehr und Toni geriet außer Rand und Band.
„Wauwau!! Upps, Wauwau wieder weg!! Da, noch eine Wauwau!!!“
Das ´eine` verzieh ich ihr. -
Wir hangelten uns also von Pieppiep, Miau und Wauwau zu nochmals eben den gleichen und näherten uns allmählich unserem Ziel. Toni wirkte weder erschöpft noch gar gelangweilt, sondern musterte kritisch alles, was entgegen kam oder auch nur im Weg herumstand. Noch ahnte ich nicht, dass dieser Spaziergang noch recht anstrengend werden würde.
Wir bogen in unsere Straße ein. Plötzlich entdeckte Toni ein halb in der Luft baumelndes Auto, dem es offensichtlich schlecht ging, denn es fehlte ihm der rechte Hinterreifen. Davor hockte ein junger Mann und handwerkelte eifrig an ihm herum. Toni wäre nicht Toni gewesen, wenn sie so so einfach akzeptiert hätte, dass das arme Auto dem so hilflos ausgeliefert war. Zunächst guckte sie nur verunsichert, dann guckte sie prüfender und fällte empört ihr Urteil:
„Auto putt gemacht!“
Allein bei dieser Feststellung blieb es nicht. Es bedurfte ihrer Ansicht nach mehr. Breitbeinig stellte sie sich vor den jungen Mann und straffte die Schultern. Sie blitzte ihn, der sich im Anblick des meckernden Ein-Käsehochs das Grinsen nicht verkneifen konnte, wütend an und spielte entsetzte Schallplatte mit Sprung:
„Auto kaputt gemacht! Auto putt gemacht ...“
Um die Schwere des Vergehens zu betonen, streckte sie die Arme zur Seite, Handinnenflächen nach oben, fast päpstlicher als der Papst beim Segen spenden, aber schüttelte sehr anders als jener dabei nur fassungslos den Kopf. Mir gelang es nicht, die lädierte Schallplatte zu stoppen und so schimpfte sie mit zunehmender Lautstärke weiter:
„Auto putt gemacht! Auto einfach putt gemacht!!“
´Die Schallplatte ist gleich auch hinüber!`, sagte ich mir.
Um zu retten, was vielleicht noch zu retten war, startete ich einen letzten Versuch, das Toni-Möchtegern-Oldtimerchen zu bremsen.
„Tonilein, das Auto bekommt ein neues Rad. Dann ist es wieder ganz.“
Dies beruhigte sie nicht. Omi hatte ja keine Ahnung. Jenes Auto war kaputt, hatte sie ja gesehen und nun war sie es, die versuchte, mir, ihrer dummen Omi, etwas klarzumachen.
„Auto putt gemacht! Auto putt gemacht!! Auto putt gemacht …“
Ich gab es auf.
Gerade in diesem Augenblick kurvte ein weißes Fahrzeug um die Ecke. Das kannte Toni. Da saß ja der Opi drin.
„Eine Omi!“, rief sie.
„Toni, ist der Opi!!“
Brav verbesserte sie sich:
„Eine Opi!!“
Ich gab mich zum zweiten Male an diesem Tag geschlagen.
Eine Opi ahnte ja nicht, was ihn erwartete, freute sich aufs Enkelkind und hielt an. So ein hoch gelegter Wagen ist noch zu hoch für ein 21 Monate altes Etwas. Das Fenster fuhr also runter und Toni machte einen Klimmzug. Denn sie hatte ja einer Opi etwas Wichtiges mitzuteilen.
„Oomi, Auto putt gemacht!!“
„Opi!!“, verbesserte ich flüsternd.
Vergeblich. Die kleine Schallplatte an meiner Seite stellte fest, dass sie ja noch längst nicht alle Rillen abgespielt hatte und drehte auf. Unsere mehrfachen Versuchen, den Redefluss zu unterbrechen, scheiterten kläglich. Toni quasselte ohne Punkt und Komma und kam dabei erstaunlich gut ohne Luft zu holen aus. Ums kurz zu machen: Die Tatsache, dass das Auto kaputt gemacht worden wäre, posaunte sie auch dann noch heraus, als wir unser Haus betraten. Denn dort warteten ihre Tante Tina samt Verlobtem aufs Nichtchen und die wussten ja noch nichts davon.
„Huhuuh Toni!“
Toni sparte sich die Begrüßung und legte prompt los.
„Padpack: Auto putt gemacht!!!“
Erst, als sich Toni dann des Kühlschrankes und der Weintrauben darin erinnerte, für die sie so sehr schwärmte, war ihr auf einmal das kaputte Auto völlig egal und sie futterte wie ein Scheunendrescher.
„Wie gut, dass dort eine ganze Schüssel voller Trauben steht. So ist sie wenigstens endlich abgelenkt!!“