Taub und Lahm
Von
Fiddigeigei
Donnerstag 03.09.2020, 10:36
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Fiddigeigei
Donnerstag 03.09.2020, 10:36
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Taub und Lahm- vereint schaffen wir das!
Das sind 2 Unbelehrbare Wanderburschen. Wind und Wetter unempfindlich und meist regnets.
Warum, konnte von uns Beiden keiner sagen, als wir gestern hoch über Stadt und Land sitzend, die Wasserflaschen an die ausgetrockneten Lippen hielten. Wir hatten es gemacht, obwohl man uns nachsagt, wenn die Beiden losziehen regnet es. Diesmal nicht, nein es gab gestern über 30° und Sonne an jeder Ecke wo man sie haben wollte.
Vielleicht wisst ihrs ja nicht aber mein Wandergeselle ist taub geworden, hört nur noch schwach auf einem Ohr, das andere wird gerade durch ein elektronisches ersetzt, was aber noch 4 Wochen dauert und ich der Lahme, der noch nicht dem Ausfall im letzten Jahr seinen wanderischen Höchstleistungen nachtrauert.
Einer göttlichen Eingebung folgend stiegen wir nicht durch einen baumlosen Pfad hinauf, sondern benutzten den schattenreichen Hochwald. Und nun sitzen wir nach 2 Stunden auf einem Ausguck der extra Klasse und nippeln völlig ausgedörrt an den Wasserflaschen.
Unsere gierigen Augen gleiten an die unter uns an den Hang geklebten Weindörfchen; an die sich Erdbeerfelder, Kirsch-, Birnen-, Äpfel- Gärten anhängen. Korn-und Mais- Plantagen, dazwischen Kirchtürme,auf den Storcheneltern sich bemühten ihren Nachwuchs zu richtigen Störchen zu erziehen.
Dann als glitzernde Bänder die Bahnlinie mit den schnellen Intercitys und TGVs die uns mit Italien , Frankreich und Spanien verbinden und Leute befördern, mit versteckten Geldtaschen, die eiligst nach Zürich müssen.
Neben der Bahnlinie die A5 auf der das selbe passiert nur das dort die Autos und Campingfahrzeuge ihren Weg vom und nachdem Süden wählen.
Mitten drinnen das grüne Band, der Vater Rhein, auf ihm geht alles ruhig und gelassen zu. Nur keine Hektik bitteschön.
Sind die Augen drüben angekommen in Frankreich kann man dem alten Münster in Straßburg einen Guten Tag wünschen und dann weiter wandern über die Französische Weinstraße des Alsac (Elsass) bis zu den bläuenden Schwestern des Schwarzwaldes, den Vogesen.
Aber das alles genügte uns beiden nicht und so stiegen wir höher und höher bis auf die Schwarzwaldhochstraße wo uns die Sonne sticht, aber doch ein kräftiges Windchen für Abkühlung sorgte.
Abwärts empfingen uns munterplaudernte Bächlein die sich über die Pfade stürzten und die Bergfinken lachten über uns, denn sie wussten, wie sich beim steilen Abwärtsgehen die Zehen in die Schuhkappen verbeißen, die Muskeln in den Schenkeln und Waden anspannen, die nun bremsen müssen und ungehörig zu brennen beginnen.
Dann endlich unten und an einem kühlen Bach entlang geht es fast geradeaus zum Parkplatz.
Müde aber glücklich nach 6 Stunden eines erst auf und dann ab.
Nur für mich heißt es noch Arbeit, denn ich muss dem Nochtauben über das Gluckern der Bäche, dem Begleitkonzert der Bergfinken und dem Rauschen in den hohen Tanne schreiben.
Carlos im Wanderglück