Stress pur ... , gg!
Von
tastifix
Dienstag 08.10.2019, 18:11 – geändert Montag 14.10.2019, 21:29
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
Dienstag 08.10.2019, 18:11 – geändert Montag 14.10.2019, 21:29
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Ich zockele mit meiner Isetta ´Blitzchen´ kreuz und quer durch Deutschland. Unser Ziel ist der Nürburgring, auf dem ich gegen die Super-Rennwagen dieser Welt um den Sieg kämpfen will.
´Die Chancen stehen hervorragend. Blitzchen schafft immerhin 40 km/h!`
Mehr als die Hälfte der Reise liegt schon hinter uns und wir sind zunehmend guten Mutes. Blitzchen, weil ich mich dermaßen überzeugt von ihrer Tüchtigkeit zeige und ich, weil die Anfahrt sich endlich ihrem Ende nähert. Ohne Staus oder sonstige ungemütlichen Vorkommnisse gleiten wir an Städten und auch Dörfern vorüber. Entspannt genieße ich den Ausblick auf Wiesen, Felder und Wälder .
Dann passiert es: Ich biege, selbstverständlich auf der linken Fahrspur für die Schnellfahrer, um eine Kurve. Im nächsten Moment trete ich erschrocken das Bremspedal durch. Blitzchens Räder quietschen auf. Vor uns befindet sich eine Mini-Kreuzung und an der leuchtet eine Ampel unleugbar feuerrot.
´Mist!!`
Dummerweise kommt Blitzchen erst kurz hinter ihr zum Stehen, so dass wir beinahe die Kreuzung blockieren. In wenigen Sekunden bildet sich eine Autoschlange. Neben wie auch hinter uns hupt es wild. Hastig will ich zurücksetzen, würge aber nervös den Motor ab. Beim zweiten Versuch klappt es dann zum Glück. Dennoch bleibt Blitzchen wie festgewachsen stehen.
Die Hand hebend, um die anderen Wagen höflich vorbei zu winken, werfe ich einen raschen Blick zur Seite und reiße fassungslos die Augen auf.
´Das gibt es nicht!!`
Dort rumpelt gerade eine Art Seifenkiste an mir vorbei. Es ist aber keine, sondern unbezweifelbar ein Riesen-Brötchen auf vier Sesamkörnern. Dessen Fahrer erweist sich als einer der wahrlich extrem freundlichen Sorte.
"Mensch, wenn Du nicht fahren kannst, dann zieh Leine mit Deiner Blechbüchse!"
Der Fahrer hinter ihm leistet mir Unterstützung:
"Wie soll se denn? Geht gar nicht. Das Ding ist ja nur ne Brosche!"
Mir fällt die Kinnlade runter und dies für die nächsten Minuten ohne Hoffnung auf Rückkehr. Alles Nachfolgende spielt sich dermaßen unwahrscheinlich und unlogisch ab, dass ich mich mehrmals ins Bein kneife. Es bringt mir jedoch ausschließlich prachtvoll schillernde blaue Flecken.
Jenem Wagen folgt nämlich in ihrem Becher eilig kullernd eine Dino-Zahnbürste. Schlechten Gewissens fällt mir ein, dass ich morgens glatt vergessen habe, deren Mini-Schwester vor der Abreise noch fix zum Einsatz zu bringen.
"He, wart`doch mal!", rufe ich.
"Denkste, stehe unter Exklusivvertrag bei Horst Schlämmer!", spritzt sie eingebildet ein paar Tropfen Nässe in meine Richtung und bürstet sich im Wasserfalltempo davon.
´Ich wundere mich besser über gar nichts mehr!`, suggiere ich mir und mache mich denn wunderbar gelassen auf vielleicht weitere verwunderliche Eventualitäten gefasst.
Der vierte Wagen lässt mir das Wasser im Munde zusammen laufen. In einem Outfit wie ein Ufo, versehen mit einem hübschen Führerhaus, rollt auf vier Rosinenrädern im nur knappen Zentimeterabstand eine Mega-Rosinenschnecke heran. In ihrem Teigkleid entdecke ich in Höhe des Führerhauses mehrere größere Löcher. Als ich dann des Fahrers ansichtig werde, gerät mein Vorsatz, alles gelassen zu ertragen, arg ins Wanken. Hinter dem über und über mit leckeren Rosinen bespickten Lenkrad hockt ein Marsmännchen in Orange mit lila und neongrünen Antennen auf dem Kopf. Es schießt mir, als ich gierig zugreifen möchte, flehend gleichfarbene Lichtstrahlen entgegen.
"Bitte, bitte nicht! Hier zieht es sowieso schon wie verrückt!!"
Mitleidig hungere ich weiter.
Danach drängt sich mit weit ausladenden Schritten ein Monsterkamm auf Zinkenstelzen vorbei.
"Will mich bei Tina Turner bewerben!", verrät er wichtiger Miene.
"Kannste vergessen. Die hat ihre eigenen Frisöre - für jedes Haar einen!"
Beleidigt legt der Kamm an Tempo zu und verschwindet. Währenddessen habe ich trotzdem noch versucht, Blitzchen zur Fortbewegung zu animieren. Vergebens. Die Sicherheitsnadel verrichtet ihre Aufgabe beeindruckend eindrücklich.
Wenig später dann ists endgültig um meine Gelassenheit geschehen. Das Blitzchen und mich passierende Ende der Schlange beschert mir das Fürs-Irrenhaus-reif-Etikett. Vier Esel auf Skateboards tragen eine luxuriöse Sänfte. In der sitzt tatsächlich der Papst, ernster Miene in eine Handarbeit vertieft. Es ist ein bunter Schal mit einer goldfarbenen, allerdings leicht angegrauter Kante. Aufstöhnend starre ich den Heiligen Vater an.
´Jetzt bin ich wirklich durchgeknallt!`
Verzweifelt versuche ich mich an einem letzten klaren Gedanken..
´O je! Sonst strickt der doch ausschließlich politische Strickmuster!!` ...
Der Schock sitzt tief und ich erwache, schlage die Augen auf und finde mich am Tisch sitzend wieder. Verschlafen betrachte ich auf dem Teller die bereits halb verzehrte Rosinenschnecke. In ihrer mitte klafft ein großes Loch.
"Deshalb also hat sich das Marsmännchen so arg über Zugluft beschwert!"