Statt Ruhe Abenteuer mit Blitzchen
Von
tastifix
Mittwoch 23.09.2020, 14:14 – geändert Mittwoch 23.09.2020, 14:17
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tastifix
Mittwoch 23.09.2020, 14:14 – geändert Mittwoch 23.09.2020, 14:17
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Ich zockele mit Isetta ´Blitzchen` kreuz und quer durch Deutschland zum Nürburgring, auf dem ich gegen die Super-Rennwagen der Welt um den Sieg kämpfen will.
„Die Chancen stehen hervorragend. Blitzchen schafft immerhin 40 km/h!“
Mehr als die Hälfte der Hinreise liegt bereits hinter uns und wir sind beide zunehmend guten Mutes. Blitzchen, weil ich mich dermaßen von ihrer Tüchtigkeit überzeugt zeige und ich, weil wir bald am Ziel sein werden. Ohne Staus oder sonstige ungemütliche Vorkommnisse gleiten wir an Städten und Großstädten vorüber. Entspannt genieße ich die Aussicht auf Wiesen, Felder und Wälder.
Dann passiert es: Ich biege - selbstverständlich auf der linken Fahrspur für Schnellfahrer - um eine scharfe Kurve. Im nächsten Moment trete ich das Bremspedal durch. Blitzchens Räder quietschen erschrocken auf. Vor uns liegt eine Minikreuzung und an der leuchtet eine Ampel unleugbar feuerrot.
„Mist!“
Dummerweise kommt Blitzchen erst kurz hinter ihr zum Stehen, so dass wir die Kreuzung blockieren. Schon bildet sich eine Autoschlange. Neben sowie auch hinter uns hupt es wild. Hastig will ich zurücksetzen, würge nervös den Motor ab und starte einen zweiten Versuch, bei dem er zum Glück anspringt. Aber Blitzchen bleibt wie festgewachsen stehen. Beunruhigt kurbele ich das Fenster herunter, um nach dem Grund zu forschen. Blitzchens Räder sind verschwunden. Stattdessen ist dort nur eine silbern glitzernde Sicherheitsnadel, deren Spitze sich unter der Isetta tief ins Pflaster bohrt. Wir sitzen fest, Nürburgring ade!
Höflich will ich die anderen Wagen per Handzeichen vorbei winken, werfe einen raschen Blick zur Seite und reiße irritiert die Augen weit auf:
„Gibt’s ja nicht!!“
Dort überholt mich gerade rumpelnd eine Art Seifenkiste. Es ist aber keine, sondern unbezweifelbar ein Riesen - Croissant auf vier Mandelrädern. Der Fahrer erweist sich als wahrlich extrem freundlich:
„Mensch, wenn Du nich fahren kannst, dann zieh Leine mit Deiner Blechbüchse!“
Der nachfolgende entgegnet sehr klug:
„Wie denn? Geht nicht. Das Ding ist ja bloß ne Brosche!“
Verwirrt kneife ich mir mehrmals ins Bein. Es bringt mir allein einen wunderschönen blauen Flecken, sonst nichts. Mir fällt die Kinnlade runter und bleibt für eine Weile auch unten ohne jede Chance auf Rückkehr. Denn dem zweiten Wagen folgt in ihrem Becher dahin kullernd eilig eine Dino-Zahnbürste. O je, schäm! Ich habe nämlich vor der Abreise vergessen, deren Mini-Schwester daheim noch fix zum Einsatz zu bringen.
„He, wart doch mal!“, rufe ich.
„Denkste, stehe unter Exklusivvertrag bei Horst Schlämmer!“, spritzt sie eingebildet ein paar Tropfen Nässe in meine Richtung und bürstet sich danach im Wasserfalltempo davon.
„Ich wundere mich besser über nichts mehr!“, suggeriere ich mir und mache mich denn auch wunderbar gelassen auf eventuell noch folgende, vielleicht noch verwunderlichere Eventualitäten gefasst. Es erweist sich als durchaus angebracht und für meine psychische Gesundheit auf Dauer für ausgesprochen wichtig. Der vierte Wagen nämlich lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wie ein Ufo gestylt und mit einem hübschen Führerhaus in ihrer Mitte versehen, rollt auf vier gewaltigen Rosinenrädern nur knapp an mir vorbei eine Mega-Schnecke heran. In ihrem Teigkleid entdecke ich in Höhe des Führerhauses mehrere kleine Löcher. Als ich jedoch des Fahrers ansichtig werde, gerät mein Vorsatz, alles mit Gelassenheit zu ertragen, beträchtlich ins Wanken. Hinter dem über und über mit leckeren Rosinen bespickten Lenkrad hockt ein orange farbiges Marsmännchen mit lila und neongrünen Antennen auf dem Kopf. Als ich gierig zuzulangen versuche, schießt es mir flehend gleich farbene Lichtstrahlen entgegen:
„Bitte, bitte nicht! Hier zieht´s sowieso schon wie verrückt!“
Mitleidig hungere ich weiter.
Danach drängt sich ein Monsterkamm auf Zinkenstelzen vor.
„Will mich bei Tina Turner bewerben“, verrät er mit wichtiger Miene.
„Kannste vergessen! Die hat schon ihre eigenen Frisöre - für jedes Haar einen!“
Beleidigt legt der Kamm noch an Tempo zu und verschwindet um die Kurve. Derweil habe ich trotz allen Staunens versucht, Blitzchen zu irgendeiner Aktion zu bewegen, die man als Fortbewegung hätte bezeichnen können. Vergeblich! Die Sicherheitsnadel verrichtet ihre Aufgabe beeindruckend eindrücklich.
Ein paar Minuten später erleidet meine bereits angeknackste Gelassenheit den endgültig vernichtenden Schock. Das Blitzchen und mich passierende Ende der Schlange beschert mir das Fürs-Irrenhaus-reif-Etikett: Vier Esel auf Skateboards tragen eine luxuriöse Sänfte. In der sitzt tatsächlich der Papst und ist ernster Miene in eine Handarbeit vertieft. Er arbeitet an einem bunten Schal mit goldfarbenem, dennoch leicht angeschmutzten Rand. Aufstöhnend starre ich den Heiligen Vater an:
„Jetzt bin ich wirklich durchgeknallt!“
Verzweifelt versuche ich mich an einem letzten klaren Gedanken:
´Oh mein Gott! Sonst strickt der doch ausschließlich politische Strickmuster ... `
Vor lauter Schrecken werde ich wach, schlage die Augen auf und finde mich am Tisch sitzend wieder. Benommen betrachte ich die bereits halb verzehrte Rosinenschnecke auf meinem Teller. Der erste, denn noch recht verrückte Gedanke ist:
„Deshalb also hat sich das Marsmännchen so heftig über Zugluft beschwert ... “