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Sommer, Sonne, Schwimmbad, Schatten

Von ehemaliges Mitglied Freitag 21.07.2023, 15:15

Sommer, Sonne, Schwimmbad, Schatten… – 1956 bis 1967
Ab meinem achten Lebensjahr hatte ich eine Schwimmbaddauerkarte. Das Bad war neu. Es grenzte am alten Zweibrücker Naturbad an, „der Schließ“, wie das Wehr am Schwarzbach genannt wurde, der von Contwig, an Niederauerbach vorbei Richtung Landauer Straße floss, dann einen Knick machte, gestaut wurde und quer durch die Stadt Bubenhausen und das Stadtgebiet verließ und sich in Richtung Blies bewegte. Das neue Schwimmbad lag im Winkel zwischen Schwarzbach, dem Wehr und dem abzweigenden Bleicherbach. Vor dem gestauten Wehr war früher der Schwimmerbereich, Nichtschwimmer gingen in den Bleicherbach ins „achtzig Zentimeter“ der Bachtiefe, wenn nicht gerade Hochwasser angesagt war. In meiner Schülerzeit kam man zum neuen Freibad vom Guldenweg, der Landauerstraße, der Rosengartenstraße oder der Geschwister-Scholl-Allee, allen Himmelsrichtungen und ging über den Bleicherbach am Kassenhäuschen vorbei. Dauerkarte 20 DM. Vor einem lag der Kabinentrakt, den man mieten konnte zum Umziehen und zum sicheren Aufbewahren der Kleidung. Dahinter stieß man auf einen Kiosk, an dem Getränke und Süßigkeiten verkauft wurden, wenn einem die Mutter nichts zum Essen und Trinken mitgegeben hatte. Und erst jetzt sah man die beiden Becken vor sich. Links das Nichtschwimmerbecken, zwischen 80 cm und ein Meter zwanzig und rechts das Schwimmerbecken zwischen einsachtzig und zweizwanzig. Beide waren durch eine Mauer getrennt, die niedriger war als der Wasserstand, so dass man leicht beide Becken wechseln konnte, meistens aber auf der Mauer saß, um alles zu überschauen. Beide Becken waren von einer Rinne umringt, 20 cm Wasser tief, durch die zu durchlaufen waren, um mit gewaschenen Füßen in den Badebereich zu kommen. Es waren auch Duschen an der Rinne, in Abständen von vielleicht 20 m. Duschen wurde empfohlen. Dann konnte man seitlich über Leitern ins Wasser steigen oder an beiden Kopfseiten von einem der jeweils sechs Sprungblöcke aus 1m Höhe über dem Wasserstand per Kopfsprung in die nassen Fluten eintauchen. Das Becken war 50m lang, so dass auch Schwimmwettkämpfe ausgerichtet werden konnten. Am Kopf des Nichtschwimmerbeckens stand eine Rutschbahn. Auf Stahltreppen stieg man beidseits nach oben, auf spiegelblankem Stein rutschte man in die Tiefe, auf dem Hinterteil oder auf dem Bauch. Eine Wasserfontäne schoß nach oben, schlug man auf dem Wasser auf. Nach dem Schwimmer- und dem Nichtschwimmerbecken, im hinteren Bereich der Liegefläche, erstreckte sich ein ovales Babybecken, etwa 20 bis 30 cm tief, an dessen Rand junge Mütter saßen und Kleinkindern zusahen, die sich in dem handwarmen Wasser vergnügten und Kühlung suchten. Umgeben war das große Becken von Liegewiesen, die auf der einen Seite terrassenförmig angelegt waren um die Liegefläche zu vergrößern, auf der anderen Seite, leicht abfallend zum Schwarzbach hin, von einer Baumreihe durchzogen, die für Schatten sorgte.
In den Ferien ging es bisweilen bereits morgens ins Schwimmbad, vor allem, wenn die Sonne am Himmel lachte und der Tag heiß zu werden drohte. Man hatte Liegeteppich und Handtuch dabei, ein Getränk und etwas gegen Hunger. Coca-Cola war verpönt, da es angeblich ungesund war und amerikanisch, ein „Feindgetränk“ im 2. Weltkrieg. „Vernünftige“ Eltern, die ihren Kindern Limonade spendierten, standen eher auf Sinalco oder Bluna, beide nicht weniger gezuckert als Coca-Cola, aber „deutsch“. Ich gehörte zu den Kindern, die von zu Hause Saft in einer Flasche mitnehmen mussten. Dazu gab es noch ein belegtes Brot, meist mit Salami, zwei Brotscheiben aufeinandergelegt und in der Mitte durchgeschnitten, für zweimal Hunger. Zur Ausstattung gehörte noch ein Kofferradio und etwas zu lesen. Wenn man schon früh morgens das Haus verließ, wollte man den Eltern doch signalisieren, dass Lernen nicht zu kurz kommt und man noch etwas für die Schule tat, was trotz Freizeit und Sommerspaß nicht vergessen wurde. So nahm man noch „Wilhelm Tell“, „Minna von Barnhelm“, „die Leiden des jungen Werther“ oder „die Judenbuche“ mit, was man öfter ungelesen wieder nach Hause trug, was nicht schwer war, da es ein Reclam-Heft war.
Nach und nach kamen Freunde, Klassenkameraden und -kameradinnen. Teppich lag an Teppich. Neue Badehosen mit grellen Längsstreifen wurden bewundert, der neue Badeanzug in dezentem blau, aber mit Rüschen an Ausschnitten von Brust und Armen. Annelie, Helga, Dagmar, Margot, Monika, Carola und Gisela lagen so neben Gerhard, Walter, Wolfgang, Reinhard, Harald, Karl, Cornelius, Rolf und Seppi. Man quatschte. Man träumte. Man bräunte. Man schwitzte. Dazu dudelte das Radio. Radio Luxemburg mit Camillo Felgen, der die neuesten Schlager präsentierte. Dann und wann erhob sich einer und verkündete, dass er sich abkühlen müsse, der eine und die andere zogen nach. Nun prasselte kaltes Duschwasser auf heiße Körper, spülten kalten Schweiß weg. Der Sprung ins tiefe Becken tat gut, kühlte. Schwimmen, sich bespritzen, am Rande eingetaucht verweilen und erzählen wechselten sich ab. Mädchen trugen Badekappen in unterschiedlichen Farben und Bemusterungen da die Frisur geschont werden musste. Zum Abtrocknen ging es wieder zum Teppichlager. Und wieder: erzählen, flirten, renommieren (pfälzisch: angeben), Radio hören und dösen. Einer will Fußball zu spielen. Gemeinsam geht es zur Fußballwiese. Es wurden zwei Mannschaften gewählt, vier Schuhe als Tormarkierungen aufgestellt und los gings. Hin, her, vor und zurück. Mit nackten Füßen. Ein Wunder, dass es nie zu Zehenbrüchen kam. Aber die Sonne machte träge und die Bewegungen verhalten. Vom Toben und Traben müde, kehrte man wieder auf den Teppich zurück in den Schatten und ließ sich von den Mädchen bewundern, für die man ja alle Tricks, Künste und Fertigkeiten gezeigt hatte. Da war schon Testosteron im Spiel. So kam es, dass sich manchmal unabsichtlich Hände oder Beine berührten. Ob zufällig, ob gewollt erwies sich außerhalb des Schwimmbads im richtigen Leben.
Hunger und Durst kamen auf. „Was hast du denn dabei?“. „Leberwurstbrot“. „Tauschst du mit Schwartenmagen, ist auch noch mit Gurken belegt?“. „Oh, gerne. Ich kann Leberwurst nicht ausstehen. Aber unter der Woche kauft meine Mutter nur Leber- und Blutwurst. Das Haus muss abbezahlt werden. Da spart die. Die kennt da nix, auch wenn wir jammern“. So werden Brote ausgetauscht und auch Getränke. Gerhards Eltern gehen beide arbeiten, da bekommt Gerhard meistens Geld mit, damit er sich was kauft. Was kauft er sich? Coca-Cola. Er ist damit der Krösus unter uns Jungen, da er immer etwas hat, was Mädchen von ihm gerne erbetteln, was er dann großzügig gibt. Da kann ich nicht mithalten mit meinem Himbeersaft.
Viertel vor sechs nachmittags drehte der Bademeister Messerle seine Runde. „Alle Kinder unter 14 Jahren, die nicht in Begleitung der Eltern hier sind, müssen das Schwimmbad verlassen“. Überall sah man, dass sich Kinder gehorsam erhoben, Badebekleidung aus und Kleidung anzogen, Teppiche und Handtücher zusammenrollten und sich auf den Nachhauseweg machten. Zwischen 18 und 20 h war das Schwimmbad den Erwachsenen vorbehalten und den Kindern, die bei Bademeister Messerle im Nichtschwimmerbecken das Schwimmen erlernten. Bauchgürtel aus Kork wurden bereitgelegt, ebenso wie aufgeblasene Schwimmreifen, schwarz und prall und der Bademeister verteilte diese, bevor der Schwimmunterricht begann. Da die Kinder aufgebrochen waren, war nun die Zeit der Streckenschwimmer angebrochen, die erst nach der Arbeitszeit eingetroffen waren und nun Bahn für Bahn schwammen, um sich körperlich fit zu halten. Das Geschrei hatte aufgehört und es wurde langsam still. Die Sonne hatte aufgehört zu brennen, der Abend war lau. Abendschatten lassen den Tag milde ausklingen. Das Teppichlager löst sich nach und nach auf. Zum Abendessen sollen alle wieder zu Hause sein...

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