So etwas gibts in keiner Anwaltskanzlei
Von
tastifix
Montag 30.03.2020, 12:56
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
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tastifix
Montag 30.03.2020, 12:56
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Ein schepperndes Türeknallen …
Vor Schrecken hätte ich fast die restlichen Akten des Stapels, den ich gerade in den Papierkorb entsorgte, mit einem lauten Plumps auf den Boden fallen lassen. Im letzten Moment zuckten die Arme in einer den Papierberg rettenden Bewegung nach vorne, umklammerten meine Hände mit Zangengriff die einst relativ wichtigen Dokumente.
Ich war in einer Rechtsanwaltskanzlei angestellt und sortierte seit geraumer Zeit Akten mit mehr oder weniger großem Erfolg. Beurteilte ihre aktuelle Wichtigkeit und verwarf dann und wann. Wie heute zum Beispiel. Ein flüchtiger Blick reichte aus:
´Die kann weg. Mindestens 200 g zu bearbeitendes Pensum weniger und entsprechende Erleichterung mehr. - Klasse!`
Tja, dieses Hochgefühl sollte ich nicht lange genießen dürfen. Mir stand nämlich ein heftiger Schock bevor.
„Sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Wieso haben Sie ausgerechnet jene Mappe weggeworfen? Das Verfahren war noch gar nicht abgeschlossen, Sie Idiot!“
´Idiot???!`
Es traf tief.
„So, haben Sie das Dokument diesbezüglich wirklich eingehend überprüft??“, brauste ich auf. „Oder vielleicht doch eher ich?“
Alles hätte er mir in ruhigem Ton und passenderer Wortwahl unter die Weste drücken dürfen. Aber nicht dermaßen unverschämt! Eindeutig hatte dieser Herr Rechtsanwalt einen Knall. Schwer sauer sagte ich es ihm dann auch. Allerdings nicht in dem von mir umgekehrt geforderten höflichen Modus.
„Wer erledigt denn schon seit Monaten für Sie alle Drecksarbeit? Sie sind sich doch dafür zu schade. Also würd ich an Ihrer Stelle mal besser die Klappe halten!!“
So, dem hatte ich es aber gegeben und ihn damit offensichtlich auch etwas beeindruckt. Nein, also wirklich: Dass sein Angestellter es tatsächlich wagte, an seinem Arbeitsfanatismus zu zweifeln und zudem noch seine Kompetenz in Frage zu stellen …!! Das erforderte ´Fast-Blutrache.` So nicht!!
„Wie reden Sie mit ihrem Vorgesetzten? Ist Ihnen klar, dass ich Sie fristlos vor die Tür setzen könnte, Sie Vollidiot!?“
Ach, es gab also noch Steigerungen ... Wenn der glaubte, mich beleidigen zu dürfen, dann …:
„Dann entlassen Sie mich doch, aber gerne! Und sehen mal zu, wie Sie mit dem ganzen Kram allein klar kommen, Sie Knallkopp!“
Vor Wut begann er zu stottern:
“W..Wie können S..Sie es wag...?“
Zum Glück setzte gerade noch rechtzeitig sein Denkvermögen wieder ein. Ihm war wohl soeben klar geworden, dass er seine Kanzlei ohne einen so tüchtigen arbeitswilligen Mitarbeiter wie mich sehr bald schließen müsste. Immer noch puterrot vor Zorn riss er sich zähneknirschend am Riemen und schlug in Punkto Schimpfen eine langsamere Gangart an:
„Ääh!“, meinte er, „Nichts für ungut! Nehmen Sie den Idioten nicht persönlich. Entschuldigung!“
Das letzte Wort quetschte er nur mit äußerster Willensanstrengung raus.
Doch zu spät!
´Wenn der meint, jene ´Entschuldigung!` würde mich besänftigen, dann irrt er sich gewaltig. Besser soll er jetzt mal fix darüber nachdenken, welchen Schnitzer mir gegenüber er sich nun schon wieder erlaubt hat!“
Einen Idioten in den Raum zu stellen, der nicht persönlich war! Anfangs hatte er mir zumindest noch die Persönlichkeit eines Idioten zugebilligt. Aber diese letzte Bemerkung war ja wohl der Oberhammer!! Er hatte mich zu einem unpersönlichen Idioten, also eindeutig zu einer Sache erklärt.
Diese Unverfrorenheit ließ ich nicht auf mir sitzen. Dem gebührte Ähnliches:
„Ihre Entschuldigung nehme ich dankend an. Und ich nehme auch den ´Knall!` zurück. Sie haben nämlich dagegen einen absolut unpersönlichen Knall!“
Und fügte hämisch grinsend zu:
„Entschuldigung!!“
Wenige Tage später schloss das Büro für immer seine Türen. Denn:
Der Anwalt mit dem absolut unpersönlichen Knall wie auch der unpersönliche Idiot sahen sich außerstande, weiterhin gemeinsam eine unbedingt persönlich zu leitende Kanzlei in absolut erforderlich vernünftiger Weise zu führen.