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Seelenkampf (2)

Von tastifix Montag 02.11.2020, 12:43 – geändert Montag 02.11.2020, 17:35

Den Geist der Mutter scharf beobachtend, wandte er sich der rechten Wand zu. Auch dort befand sich eine Tür, jedoch weder mit Symbolen der Brutalität gekennzeichnet noch verriegelt. Es schmückte sie allein ein weißes Kreuz, sonst nichts.Waren es Adams Worte, die Tobias beruhigt hatten oder der eigene Glaube? Oder beides? Er wusste es nicht zu sagen. Adam öffnete die Tür. Auch sie knarrte und quietschte nicht. Doch diese Lautlosigkeit war anders, nämlich die Stille von Frieden. Fasziniert blickte Tobias verzaubert, Adam trotz allem noch wachsam dem Geiste der Mutter gegenüber, in den Raum dahinter, der in ein strahlend helles Licht getaucht war. Da vernahmen sie eine leise, von unsichtbaren Geigen gespielte Musik.

In jenem Licht näherte sich ihnen langsam ein selig lächelndes Kind. das nach einigen wenigen letzten Schritte neben ihnen stehen blieb:
„Mein Bruder!“, sprach es Adam an. „Und du, Tobias … Fürchtet Euch nicht! Adam: In Deinem Herzen waren wir nie wirklich getrennt. Heute dürft ihr mir in die himmlische Welt folgen!“
Derweil richtete das Gute den Blick auf das Böse, das sich unter diesen Worten fluchend wand und krümmte. Die Fratze der Mutter verzerrte sich, ihre Gestalt zerriss in Fetzen. Diese verblassten und der Spuk verschwand in die ewige Verdammnis. Die dämonische Kraft der Mutter war endgültig für ewig gebrochen. Das Tor zur Hölle verschloss sich wieder und würde jenes Entsetzliche nie mehr freigeben.

Adam und Tobias fielen auf die Knie, bekreuzigten sich und fühlten sich aufgehoben in Gottes Gnade.
„Werdet ihr jetzt mit mir gehen?“
Bittend schaute das Kind sie an.
„Noch nicht, nooch ist es zu früh!“, stammelte Adam. „Doch nun werde ich Tobias alles erzählen. Auch er wird im Herzen mit Dir verbunden sein!“
Ein Leuchten glitt über das kindliche Antlitz.
„Wenn ihr Hilfe braucht, dann ruft mich jederzeit! - Lebt denn wohl. Ich gehe jetzt zurück in meine Welt!“
Einen Moment lang streichelte es sanft Adams Hand. Wieder erklang die zarte Musik. Das Kind schritt zurück in den Raum. Lautlos schloss sich die Tür hinter ihm. Der Gang, der ihnen so viel Schrecken aufgebürdet hatte, wirkte nicht länger düster und kalt. Es war, als ob Tausende von Lichtern ihn erhellten. Die Freunde empfanden tiefen Frieden. Gelassen setzten sie ihren Weg fort.

In Adams Kabine angekommen, stellte Tobias die Frage aller Fragen:
„Adam, bitte erzähle mir. Was ist damals geschehen?“
„Tobias, wie Du weißt, bin ich der älteste Sohn sehr armer Eltern. Ihr Wunschkind, für das sie viele Opfer brachten ... Aber nach wenigen Jahren war ihre Ehe bereits fast zerrüttet. Dennoch kam noch ein Geschwister, mein Bruder, zur Welt. Danach wurde ihr Verhältnis zueinander noch schlechter. Meine Mutter begann meinen Vater zu hassen, mehr und immer mehr. Sie übertrug diesen Hass auf ihr jüngeres Kind und ließ es verwahrlosen. Eines Tages kam es zur Katastrophe: Nach einem schlimmen Streit mit Vater stürzte sie sich voller unbezähmbarer Wut auf meinen wehrlosen Bruder, prügelte ihn blutig und würgte ihn danach zu Tode.“

Adam verhielt einen Augenblick und atmete tief durch. Dann fuhr er fort:
„Wie nicht anders zu erwarten, ereilte sie die Gerechtigkeit und sie endete am Galgen. Während sie mit dem Tod rang, verfluchte mein Vater sie:
„Dein eigener Sohn wird eines Tages die dämonische Kraft in Dir besiegen und Du für immer in die Hölle verdammt sein!"
„Und dein armer Bruder?“, fragte Tobias erschüttert.
„Du bist Zeuge geworden, mein Freund!“, erwiderte Adam. „Er war ein unschuldiges Kind. Die Heimat eines solchen Kindes ist der Himmel!“

Noch lange sitzen sie zusammen. Das Band des gemeinsamen Geheimnisses macht ihre Freundschaft noch inniger.

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