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Seelenkampf (1)

Von tastifix Montag 02.11.2020, 12:40 – geändert Montag 02.11.2020, 17:04

Mittelalter.
Getragen von den leicht plätschernden Wellen des Meeres passierte ein Schiff die Hafeneinfahrt und ankerte dann an seinem Liegeplatz. Die dunklen Konturen zeichneten sich geheimnisvoll gegen den vom Vollmond erhellten Nachthimmel ab. An Deck konnte man zwei Gestalten erkennen, den Bootsbesitzer Adam und dessen Freund Tobias.

Das Führerhaus mit dem imponierenden Steuerrad sowie unter Deck den Mannschafts- und den Lagerraum hatte Adam Tobias bereits gezeigt und führte ihn nun einen langen düsteren Gang entlang auf seine Privatkabine im hinteren Teil des Schiffes zu. Auf den Wänden zuckten bizarre Schatten, das Bodenholz knirschten unter ihren Schritten. Es herrschte eine eigentümliche bedrückende Atmosphäre. Sie legte sich als Zentnerlast auf Adams Gemüt und noch schwerer auf das seines Gastes. Die Unterhaltung verstummte.

Adams Augen flackerten zunehmend unruhig, seine Miene erstarrte zu einer Maske. Tobias beschlich eine tiefe Furcht, die er aber nicht begründen konnte. Kurz darauf blieb er kalkweißen Gesichtes plötzlich stehen. Seine Stimme bebte vor mühsam unterdrückter Panik und die Hände zitterten.
„Irgendetwas ist hier, Adam, irgendetwas stimmt nicht!“
Tobias befiel das schauerliche Gefühl, als ob sie von allen Seiten beobachtet wurden. Statt zu antworten, starrte Adam aus weit aufgerissenen Augen zur linken Wand. Sein Freund folgte seinem Blick und schaute auf eine mit zwei mächtigen Holzbalken verbarrikadierte Tür.
„Adam, was bedeutet das?“
Adam schwieg weiterhin. Ihn fröstelte es, denn durch die Tür traf sie eine Eiseskälte. Thomas wollte vor dem unheimlichen Sog fliehen, der ihn auf jene Tür zu zog. Jedoch bewegte sich Adam, von unsichtbarer Hand wie eine Marionette gezwungen, schon wie willenlos dorthin. Entsetzt riss Tobias den Freund am Ärmel zurück.
„Adam, nein! Mir graust es ... Sag, was ist hier los?“
Die Antwort darauf ließ ihm den Atem stocken.

Unter Stöhnen boxte Adam die beiden Holzbalken aus den Klammern. Sie krachten zu Boden. Außerstande, doch noch jenem unheimlichen übermäßigen Einfluss zu entgehen, stierten die beiden Männer zur Wand. Wie von Geisterhand öffnete sich langsam die schwere Tür. Die grausame Lautlosigkeit dabei macht den Freunden jeglichen weiteren Gedanken an Gegenwehr zunichte. Dann klaffte der Eingang weit offen. Aus einem nachtschwarzen Raum waberten ihnen gräuliche Nebelschwaden entgegen. In diesem Grau formten sich schemenhafte Gestalten. Es waren die Körper Verstorbener. Aber sie griffen nicht an, sondern verharrten im Hintergrund. Aus leeren Augenhöhlen schienen sie Adam und Tobias unaufhörlich anzustarren. Die Freunde standen wie gelähmt. Doch dann löste sich eine der Schattengestalten aus der Gruppe und trat vor. Nicht länger blieb sie ein Schemen, sondern plötzlich stand eine alte Frau mit edlen Gesichtszügen vor ihnen. Sanft lächelnd versuchte sie mit lieblicher Stimme, Macht über Adam zu gewinnen:
„Folge mir! Tritt ein in diese meine Welt, damit wir wieder vereint sind! Dich erwartet Unsterblichkeit! - Koomm!!“
Es bohrte sich tiefer und tiefer in Adams Herz. Es war die Stimme seine Mutter, die ihn zu sich in das Reich der Unsichtbaren lockte. Jedoch löste der heuchlerische Singsang die Starre in Adams Seele. Er erkannte den Atem des Bösen, der ihm zum Glück nichts anzuhaben vermochte, denn Adam war ein Ehrenmann. Das Gute war sein Schutzschild und auch das seines Freundes, verlieh ihnen Stärke und bekämpfte alle Furcht.

Derweil wagte sich das Wesen, das Adams Mutter war, näher. Es setzte all seine dämonische Kraft ein, um die zwei Menschen doch noch in seine Gewalt zu zwingen. Mit lieblichen Worten war es ihnen nicht bei gekommen. Jetzt zeigte es sein wahres Ich, eine abscheuliche Fratze der Verlogenheit. Grausame Krallenhände kündeten von einem schrecklichen Geheimnis, das er bis zu diesem Tag eisern für sich behalten hatte.
„Sie kann uns nichts. Uns schützen die Geister des Guten!“
Adams Worte weckten Tobias aus der Hypnose des Grauens auf und auch er schüttelte den höllischen Einfluss ab. Fragen zu stellen, war er noch unfähig, aber die Macht des tiefen Vertrauens zum Freund war mächtiger als die dämonische Zauberkraft.
„Wir sind behütet!!“, bekräftigte Adam nochmals.

Seine Mimik hatte sich entspannt und zeugte von aufkeimender Zuversicht ...

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