Schneemädchen Mathilde (1)
Von
tastifix
Mittwoch 06.01.2021, 21:33 – geändert Donnerstag 07.01.2021, 10:20
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tastifix
Mittwoch 06.01.2021, 21:33 – geändert Donnerstag 07.01.2021, 10:20
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Die Fensterscheibe trägt einen dichten weißen Mantel.
„Toll!"
Staunend öffne ich das Fenster. Die Zweige der Bäume und Büsche vor dem Gartenzaun beugen sich unter einer etwa fünfzehn Zentimeter dicken Schneelast.
„So etwas habe ich hier noch nie erlebt!“
Begeistert spurte ich ins Zimmer meiner Tochter:
„Das musst du dir unbedingt ansehen!"
Gleich mir gerät sie außer Rand und Band:
„Mama, cool!",
Sie schnappt sich ihre Kamera und knipst und knipst ...
„Komm, wir bauen eine Schneefigur!“, schlägt sie vor.
Weil die Strickhandschuhe nicht wasserdicht sind, wir aber keine erfrorenen Finger mögen, stülpen wir Gefrierbeutel darüber.
„Die rutschen garantiert sofort runter!", meint meine Tochter.
„Abwarten!!"
Grinsend verpasse ich den Beuteln eine hübsche braune Paketbandschleife.
„Und wie willste den Beutel an der rechten Hand festzurren, wenn die linke schon eingepackt ist?"
Unbeirrt lege ich das Stück Band auf den Tisch, presse die Hand darauf, damit es nicht wegrutscht, klemme mir das eine Bandende zwischen die Zähne, das andere zwischen die Gefrierbeutelfinger der linken Hand und wickele das Band ums rechte Handgelenk. Es erweist sich als eine echte Geschicklichkeitsübung. Mehrmals flutscht mir die Schnur weg und die Prozedur beginnt von vorn. Dann endlich sind die Hände Gefriertruhen bereit eingekleidet.
Zunächst trotzen die Schneemassen, die weiße Wonne pappt nur unzureichend und unser Möchtegern-Schneemädchen ähnelt einem Alien. Seinem Kopf, der eher einem Würfel mit ein paar Beulen dran ähnelt, macht die Schwerkraft zu schaffen. Mehrmals bewahren wir unser Schneemädchen vor einem allzu tiefen Diener vor uns. Andernfalls würde es sich bestimmt wegen der erlittenen, nach Schönheits-OPs schreienden Verunzierungen mit gezieltem Eiskugel pfeffern rächen. Dies jedoch würde verflixt wehtun.
Um dem vorzubeugen, rücken wir den hässlichen Beulen mit heißem Wasser zu Leibe. Wenig später sind sie verschwunden. Vor uns steht ein niedliches Schneemädchen mit einem wahrlich edlen Kugelkopf mit Knopfaugen, einer Möhrennase und einem lachenden Stockmund. Jedoch ist es ziemlich pummelig geraten, was leider nicht mehr zu ändern ist.
Aber etwas fehlt noch. Kritisch betrachtet meine Tochter unser Werk:
„Mama: Es braucht eine Frisur!"
„Wiiee?"
„Wir gönnen ihr Bandhaare!"
Fix schneidet sie eine Kordel in unterschiedlich lange Stücke und hält eines davon dem Schneemädchen prüfend ans Gesicht.
„Ich würde sagen, einen Mittelscheitel ... Was meinst Du, Mama?"
Ich finde, der Mittelscheitel kleidet die Kleine vortrefflich. Meine Tochter besteht zudem auf einen kurzen Fransenpony. Kurz darauf pappen an der Stirn zwei kurze, seitlich jeweils zwei und hinten vier lange Bänder.
„Mama, und wie soll sie heißen?“
Und wir rufen wie aus einem Mund:
„Mathilde! Den Namen hat bestimmt kein zweites Schneemädchen!!“
Mathilde strahlt dankbar. Ob sie sich jetzt fast auch wie ein Mensch vorkommt?