Schäferhündin Feechen erzählt
Von
tastifix
Donnerstag 04.10.2018, 15:39
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tastifix
Donnerstag 04.10.2018, 15:39
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Oskar, einen riesigen Hundejungen aus der Nachbarschaft, lernte ich auf der tollen Spielwiese vor der Menschenkinderschule kennen.
Es war an einem sonnigen Nachmittag.
„Feechen, los, wir gehen zur Wiese! Alexandra, magst du mit kommen?“
Frauchens Älteste nickte. Vergnügt marschierten wir zum Hundetreff. Wir waren allerdings nicht die Ersten. Dort standen bereits mindestens zwölf Artgenossen. Damit sich ihre Besitzer zu hause allein nicht langweilen sollten, durften die sie begleiten und schienen sich sehr geschmeichelt zu fühlen. Überall sah ich in fröhliche Gesichter.
„Nun“, bellte einer meiner vierbeinigen Kameraden, „unsere Zweibeiner brauchen doch ab und zu auch ein bisschen Auslauf. Meistens verhalten sie sich hier ja recht friedlich, ohne Beißerei oder so ... !“
„B..Beißen sich unsere Chefs denn auch manchmal?“, guckte ich verstört.
Mein Weltbild wankte gefährlich, denn eigentlich hatte ich mein Menschenrudel nicht nur für harmlos, sondern sogar für ausgesprochen lieb gehalten.
„Du hast keine Ahnung von der Welt, Kleines!“, sagte er dazu.
Aber, anstatt mir mal reinen Wein einzuschenken, schwieg er sich aus.
„Vielleicht will er sich auch nicht mit trüben Gedanken den Nachmittag verderben“, grübelte ich, aber nur ganz kurz, denn ich wollte ebensolches auch nicht.
Dagegen trabte ich jetzt schwanzwedelnd herum, begrüsste alle undwir tauschten Neuigkeiten aus. Eine meiner Freundinnen war Menschenbabykindermädchen geworden und gab tüchtig damit an.
„Pöh!“, gab ich zurück, „nur eiin Menschenwelpe?? Ich hab gleich vier auf einmal zu hause!“
Leute, deren neidischen Blick hättet Ihr sehen müssen! Ich tat so, als ob ich den gar nicht mit gekriegt hätte und setzte meine Runde fort. Fast alle meine Freunde und Freundinnen waren da. Wir tobten selig miteinander, immer fellhaarscharf an den Zweibeinern vorbei sausend. Einmal machte auch Frauchen ´huch` und sprang erschrocken zur Seite.
„Typisch Mensch!“, dachte ich. „Als ob ich sie je übern Haufen rennen würde!“
Fast war ich ein bisschen gekränkt.
Während wir Vierbeiner spielten, unterhielten sich unsere Menschen. Wie es sich auch gehört, fast ausschließlich über uns, ihre Lieblinge. Gut nur, dass ich nicht rot werden konnte, sonst wäre ich als überreife Tomate daher gelaufen, so haben die gekohlt! Ging es danach, was sie so behaupteten, waren wir alle die reinen Engel.
„Das merke ich mir für das nächste Mal, wenn Frauchen mich anbrüllt, weil ich (gar nicht schäm!) wieder den Tisch abgeräumt habe!“
Etwa sieben Rennrunden später passierte etwas, was meine Neugierde weckte. Es näherte sich nämlich eine lebendige Garnrolle auf vier Beinen. Durch die dichten Fellfuseln vor ihren Augen hindurch sah die garantiert nichts mehr. Hatte die oder der noch nie etwas von Fellspangen gehört? Beruhigt entdeckte ich hinter diesem wandelnden Mopp das zugehörige Frauchen. Das hing bei dem an einer feuerroten Langlaufleine.
„Die haben sich jedenfalls sehr lieb!“, schloss ich daraus.
Das komische Zotteltier zog aufgeregt auf die Wiese. Wahrscheinlich hatte es noch nie so viele Artgenossen auf einen Haufen gesehen - so, wie es sich anstellte. ´Schnüffel` und ´Scharr` und noch etwas, was sehr aufschlussreich war ... Zottel hob nämlich ein Bein und markierte den nächst stehenden Baum, nicht, ohne dabei die umstehende vierbeinige Männlichkeit recht hochnäsig anzuschielen. Falls er das überhaupt schaffte ... !
Sein Frauchen quatschte unterdessen sofort ein anderes Frauchen an und redete dann ohne Pause. Das andere Frauchen guckte kurz darauf ziemlich sauer. Ich glaube, es hätte auch gerne mal was gesagt.
„Oskar, geh spielen!“
Aha, so hieß der also!! Oskar ging aber nicht spielen, sondern blieb unentschlossen neben seinem Frauchen stehen.
´Den guck ich mir mal näher an!`
Neugierig machte ich mich auf die Pfoten und lief denn doch etwas zögernd auf ihn zu. Denn der war mindestens doppelt so hoch wie ich und das, obwohl ich eine riesige Schäferhunddame war.
„Hm, zumindest schon fast Dame!“, gab ich ja insgeheim zu.
„Hallo, Oskar!“, bellte ich. „Ich heiße Feechen!“
Oskar musterte mich neugierig und wedelte. Da wurde ich keck, beschnupperte ihn und war ganz begeistert. Wie man sich täuschen kann: Der roch ja richtig gut. Und dann gefiel er mir so gut, dass ich mich nicht mehr bremste und meinem Ruf als Schmusebacke alle Ehre machte. Ich leckte ihm wieder und wieder die Schnauze. Es endete in einer wilden Vollwäsche, die Oskar in ein klitschenasses Riesengarnknäuel verwandelte.
Plötzlich zuckte ich entsetzt zusammen. Was war denn jetzt los? Oskars Frauchen schien kurz vorm Umkippen. Sie war blass wie die Wand in Frauchens Küche und schrie panisch vor Angst wie mein Mato in der Dusche:
„Sie hat meinen Oskar gebissen, sie hat Oskar gebissen, Hiillfe!“
Die beruhigte sich gar nicht wieder. Die anderen Zweibeiner starrten sie irritiert an und zwinkerten schleunigst meinem Frauchen und meiner Ersatzschwester Nummro Eins zu, wohl, damit die Beiden nicht noch vor Fassungslosigkeit deswegen umfielen. Ein Herrchen, dass in der Nähe stand, raunte meinem Frauchen zu:
„Die spinnt! Wir haben`s alle gesehen, was wirklich gewesen ist! Ärgern Sie sich bloß über diesen Quatsch nicht!“
Frauchen und auch Alexandra wollten sich jenen Rat zu Herzen nehmen. Doch es klappte nicht so ganz.
„Die doofe Kuh!“, meckerte meine Ersatzschwester los. „Feechen ... und beißen!! Einfach lächerlich! Ne, Feechen?“
„Du hast es erkannt!“, schielte ich sie von unten her lobend an und hing noch ein begeistertes Wedeln an.
Trotzdem war Frauchen das Treffen gründlich verdorben und sie drängte nachhause. Auf dem Heimweg machte sie sich so richtig Luft. Jetzt meckerte nicht mehr nur Alexandra sauer vor sich hin, sondern auch mein geliebtes Leittier. Und wie sehr sogar!
„Die hat soviel Ahnung von Hunden wie ´ne Kuh vom Eierlegen! Eine Uunverschäämtheit das“
Usw. ... usw. ...
Frauchen hörte überhaupt nicht mehr auf. So allmählich sorgte ich mich um sie, weil sie sich so aufregte.
„Das ist die gar nicht wert, Frauchen!“, leckte ich Frauchen blitzschnell über die Wange.
´Soll ich vielleicht jetzt ´ne Vollwäsche ... oder im Moment doch besser nicht?`, überlegte ich und entschied mich dagegen, denn dann würd sich Frauchen noch mehr an eben erinnern.
Anscheinend brachte mein Tröstversuch aber ein wenig Erfolg. Frauchen schimpfte nämlich nicht länger, guckte wieder fröhlicher und fing tatsächlich an zu lachen.
„Feechen, wenn das eben ein Biss war ... Weißt du was? Dann gibst du ihm das nächste Mal ein Küsschen!“
Das Wort ´Küsschen` kannte ich. Das gefiel mir umwerfend gut.
„Und ob, Frauchen!!“, quietschte ich vor Freude.
Hm! Wieso guckte jetzt Alexandra so eigenartig?
„Mamaa!!!“
Nochmals ´Hm`! So sehr zustimmend hörte es sich aber nicht an. Ob Frauchen des vielleicht ganz anders gemeint hatte?
Seuufz! Wir Hunde nehmen eben alles wörtlich.